08.06.2016

Einstieg in die Substratkultur

Großes Interesse beim Substratnachmittag in Köln-Auweiler: Ludgar Linnemannstöns (vorn) stellte beim Rundgang verschiedene Kulturverfahren vor.
Foto: Scheel

In der Erdbeerproduktion setzt sich die Entwicklung zum Anbau in Substrat weiter fort. Die Flächen werden von den Betrieben zum Teil erweitert, aber auch Neueinsteiger zeigen großes Interesse. Dies spiegelte sich auch in der zahlreichen Teilnahme am Substrattag Anfang März im Versuchszentrum Köln-Auweiler deutlich wider, das von dem Versuchswesen und der Beratung der Landwirtschaftskammer NRW organisiert worden ist.

Kulturverfahren

Eingangs stellte Ludgar Linnemannstöns, Versuchsleiter in Köln-Auweiler, verschiedene Kulturverfahren für den Anbau im Substrat als ungeheizte Kultur vor. Der Substratdamm von Axel Hochstädter kann mit Grünpflanzen ab dem 1.–10. August bepflanzt werden. Die Ernte beginnt um den 28. April und erzielt einen Ertrag von 4–6 kg/lfd. m. Hier kommen vor allem Frühsorten in Frage, wie `Clery´, `Flair´ oder `Malling Centenary´, mit einem Standardpflanzabstand von 10 Pfl./m.

Ein weiteres Kulturverfahren für den Anbau im Substrat ist die Stellage als Durchkultur mit Wartebeet- oder Traypflanzen. Hier liegt der Pflanztermin zwischen den 5. und 15. Juli. Die erste Ernte beginnt ab dem 20. August mit einem Ertrag von 3-6 kg/lfd. m. Die zweite Ernte beginnt je nach Tunneltyp (offen oder geschlossener Tunnel) um den 10. Mai mit einem Ertrag von 4-8 kg/lfd. m. In der Stellage kommt die Standardsorte `Elsanta´ in Frage, aber auch `Sonata´, `Clery` oder `Malling Centenary´. Standard sind hier 12 Pfl./m.

Ein weiteres Pflanzverfahren entspricht nicht dem Standard, kann aber durchgeführt werden, wenn der Betrieb im Herbst keine Ernte wünscht, wie beispielsweise Direktvermarkter in nicht ganz kalten Regionen, so dass man die Pflanzen auch oben auf der Stellage mit einer Vliesabdeckung überwintern lassen kann und sich das aufwendige Auf- und Abstellen der Stellagen sparen kann. „Der deutliche Vorteil bei dieser Stellagenkultur liegt in einem sicheren und relativ guten Ertrag im 1. Jahr“, so Linnemannstöns. „Weiterhin ist das Pflanzmaterial deutlich preiswerter als die Tray- oder Wartebeetpflanzen im Frühjahr.“ Hierbei werden Frigopflanzen (ohne Beerntung) oder Grünpflanzen verwendet. Die Ernte beginnt bei den Frigopflanzen ab dem 8. Mai, bei den Grünpflanzen im geschlossenen Einzeltunnel um den 5. Mai. Der Ertrag kann mit ungefähr 5 kg/lfd. m kalkuliert werden. Als Sorten eignen sich `Flair´, `Clery´ und `Malling Centenary´ mit einem Pflanzabstand von 8-12 Pfl./m.

Ein weiteres Verfahren in der Stellagenkultur ist die Terminkultur mit Wartebeet-, Frigo A+- oder Traypflanzen. Der Pflanztermin liegt hier ab dem 20. Februar, die Ernte erfolgt ab Anfang Mai. Bei einer gut entwickelten Traypflanze mit fünf bis sechs Blütenständen ist ein Ertrag von 4,5-5 kg/lfd. m möglich. Bei schwächerem Pflanzmaterial kann der Ertrag auch schon mal bei 3 kg liegen. „Dann stellt sich allerdings die Frage, ob das Verfahren noch wirtschaftlich ist“, gab Linnemannstöns zu bedenken. „Hier haben wir schließlich nur eine Ernte bei der relativ teuren Stellagenkultur.“ Hier kommen vor allem Frühsorten in Frage, wie `Flair´ oder `Clery´. Man kann aber auch die Sorten `Malling Centenary´, `Elsanta´ oder `Sonata´ verwenden, wenn der Wandertunnel das früheste sein soll und dies hiermit anschließen will. Der Pflanzabstand liegt hier bei 12-16 Pfl./m.

Das letzte vorgestellte Kulturverfahren in Stellagen gilt dem Anbau von Remotierern. Das Standardverfahren beginnt mit Frigo-A- oder, je nachdem wie früh man ernten will, auch mit Tray- oder Minitraypflanzen. Pflanztermin ist ab dem 15. März. „Das ganz frühe Pflanzen bringt in der Regel nichts“, so Linnemannstöns. „Das Substrat ist dann kalt und die Pflanze braucht lange bis sie anwächst. Nur wenn man ganz gezielt mit Traypflanzen in den Frühbereich gehen möchte, dann müsste man Ende Februar pflanzen und diese mit einem Vlies abdecken“, räumte der Versuchsleiter ein. Gepflanzt wird mit 6-8 Pfl./m. Die Ernte beginnt um den 15. Mai und geht bis Anfang November. Den Ertrag beziffert Linnemannstöns mit 6-7 kg/lfd. m. Die Standardsorte ist `Florentina´, aber auch `Florina´, `Favori´, ´Verity´, `Eve’s delight´ oder `Murano´ können verwendet werden.

Hinweise zur Kulturführung

Die Kulturführung der Substratkultur unterscheidet sich sehr deutlich von der Bodenkultur, betonte Linnemannstöns. Eine Vielzahl von Faktoren spielen hier eine Rolle. Zum einen ist das Substratvolumen pro Erdbeerpflanze deutlich geringer als bei der Bodenkultur mit einem geringen Nährstoff- und Wasserspeichervermögen sowie einem geringen Austausch zwischen Nährlösung und Substratbestandteilen. Die Ernährung der Substratkultur erfolgt ausschließlich aus der Nährlösung, wobei alle Nährstoffe kontinuierlich gedüngt werden müssen.

Die Bewässerung wird nach bestimmten Kriterien gesteuert. Die Einstellmöglichkeiten sind dabei Zeitpunkt, Dauer, Intensität und Menge der Bewässerung. „Das Ziel bei der Bewässerungssteuerung ist, das Substrat möglichst gleichmäßig feucht zu halten“, so Linnemannstöns. Das Porenvolumen sollte zu 70 % mit Wasser gesättigt sein. Hilfreich sind hierbei Tensiometer, die speziell für Substrat im Kleinformat erhältlich sind. Der Tensiometerwert im Substrat sollte zwischen 70 und 90 hPs liegen, was deutlich feuchter ist als beispielsweise bei der Bodenkultur. Neben der Kontrolle mit einem Tensiometer kann man die Bewässerung auch mit der Drainwassermenge steuern. An kalten Tagen sollte kein oder bis zu 5 % Drainwasser durchlaufen. Bei warmer Witterung sollte die Drainwassermenge ungefähr 20 bis 25 % betragen. Weitere Kriterien zur Bewässerungssteuerung sind das Topfgewicht (leicht oder schwer), die Sonneneinstrahlung (sonnig oder bedeckt) sowie der Entwicklungszustand der Pflanze (Jungpflanze oder Pflanze im Vollertrag).

Das Schwierigste bei der Bewässerungssteuerung ist der Kulturbeginn, unterstrich Linnemannstöns. Bei der Neupflanzung werden die Töpfe zunächst angefeuchtet. Ziel sollte zunächst sein, dass die Pflanzen Wurzeln produzieren. In der Regel wird alle zwei bis drei Tage Wasser gegeben, jeweils zwei bis drei Takte pro Tag. Zu Kulturbeginn ist noch kein Drainwasser erforderlich. Später zur Zeit der Blüte/Fruchtreife und entspechender Transpiration wird täglich Wasser gegeben – bis zu zehnmal am Tag. Dabei orientiert man sich am Drainwasser, das zwischen 5 und 20 % liegen sollte, unter warmen Bedingungen sind auch 25 % akzeptabel. „Die Kunst ist es, diesen Bereich einzuhalten“, weiß der Erdbeerspezialist. „Die Kultur ist deutlich zu nass, wenn der Wert häufig bei 40-50 % liegt.“ Der Bewässerungsstart liegt ca. 3 Std. nach Sonnenaufgang. Der erste Bewässerungstakt sollte dann ohne Drainwasser sein, sonst ist die Kultur zu feucht. Linnemannstöns empfiehlt den Produzenten, zu diesem Zeitpunkt, die Kultur von einem Mitarbeiter beobachten zu lassen. Die letzte Bewässerung erfolgt dann ca. 3 Std. vor Sonnenuntergang, damit die Pflanzen nicht zu nass in die Nacht gehen und kein Sauerstoffmangel im Bereich der Wurzeln entsteht. Die Bewässerungszeit liegt bei 3-6 Min. pro Takt. Man gibt mindestens 100 ml pro Takt - das entspricht beispielsweise bei 2 l-Tropfern 3 Min. Die Bewässerungstakte liegen bei 0 bis 10 pro Tag (je nach Witterung), die relativ dicht am späten Vormittag gegeben werden, so dass man auch einen gewissen Anteil an Drain hat.

Im Substratanbau ist der Standard, die Bewässerungsintensität über die Drainwassermenge zu steuern. Dabei ist wichtig, die Drainwassermengen täglich zu kontrollieren (abends oder morgens zeitig) und aufzuzeichnen. Dann reguliert man für den folgenden Tag die entsprechende Anzahl der Tropfdurchgänge und passt die Wassergaben an. In der Regel ist eine Anpassung täglich je nach Sonneneinstrahlung erforderlich. Eine Hilfe dabei sind automatisierte Steuerungsmöglichkeiten, die das Unternehmen BJ Bewässerungstechnik den Teilnehmern vorgestellt hat.

Düngungssteuerung

Neben der Bewässerung ist die Düngersteuerung ein wesentlicher Aspekt bei der Stellagenkultur. „Wichtig ist, dass vor Beginn der Stellagenkultur eine Analyse des Gießwassers durchgeführt und mit einem Fachmann abgestimmt wird, ob die Wasserqualität für eine Nährlösungskultur geeignet ist“, betonte Linnemannstöns. Anhand der Gießwasserprobe wird dann ein Düngeschema entwickelt. Unbedingt beachtet werden sollte, dass die Nährlösung regelmäßig überprüft werden muss. Spätestens vier Wochen nach Inbetriebnahme der Anlage muss eine Nährlösungsuntersuchung durchgeführt werden.

Während der Kultur werden die Pflanzen gezielt mit Einzel- oder Volldünger fertigiert. Dabei ist zu beachten, dass die Düngermenge gesteuert und kontrolliert wird. Linnemannstöns empfiehlt den pH-Wert wöchentlich und den EC-Wert täglich zu kontrollieren. Dazu bieten zum Teil einfache Messgeräte Hilfestellung. Der EC-Wert zeigt den Salzgehalt der Nährlösung an und sollte bei Tropfwasser zwischen 1,4 und 1,8 mS (unter 2,0 mS) liegen. Beim Drainwasser ist der optimale Bereich bei 1,6 bis 1,8 mS (unter 2,0 mS). Tropf- und Drainwasser in der Summe sollten bei 3,0 bis 3,5 mS liegen. Bei der Messung des pH-Wertes sollte man sich ein hochwertiges Gerät mit einer guten Sonde anschaffen, so Linnemannstöns Empfehlung. Optimal für die Stellagenkultur ist ein leicht saures Milieu mit einem pH-Wert von 5,5 bis 5,8. Ein Wert über 6,0 führt zu Spurenelementenmangel, ein Wert unter 4,5 kann Wurzelschäden verursachen.

Vom Optimalbereich abweichende Werte müssen reguliert werden. Ist der Tropf-EC zu hoch, muss die Düngermenge reduziert werden. Sind die Werte des Tropf-EC zu niedrig, muss die Düngermenge erhöht werden. Liegen die Werte des Drain-EC zu hoch, sollte mit Wasser gespült werden bis der Drain-EC unter 2,0 mS liegt. Ist der EC-Wert im Drainwasser zu niedrig, empfiehlt Linnemannstöns die Düngermenge zu kontrollieren. Bei dauerhaften Schwierigkeiten sollte die Nährlösung korrigiert werden.

Beim pH-Wert hat auch die Wasserhärte einen entscheidenden Einfluss. Ist bei hartem Wasser der Tropf-pH zu hoch, muss die Säuremenge erhöht werden; ist er zu niedrig, muss die Säuremenge reduziert werden. Ist bei weichem Wasser der Tropf-pH zu hoch, muss die Hydrogencarbonatmenge reduziert werden, ist er zu niedrig, muss sie erhöht werden. Bei dauerhaften Schwierigkeiten sollte die pH-Wert-Regulierung korrigiert werden.

Birgit Scheel


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Ausgabe 01/2017

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