06.11.2015

Teil 1: Erdbeeranbau in Frankreich

Foto: Lieten

Die Franzosen setzen auf den geschützten Anbau, Hochtunnel lieben im Trend, kleine Tunnel gibt es immer weniger
Foto: Lieten

Abnehmende Produktion

Anfang der 1980er-Jahre war Frankreich für seinen großflächigen Erdbeeranbau bekannt. Auf rund 14 000 ha wurden damals Erdbeeren kultiviert. Seitdem befindet sich der französische Erdbeeranbau in einer Abwärtsspirale, zu deren Entwicklung besonders Importe aus Spanien und Marokko einen Beitrag geleistet haben. Bereits 1994 war die Anbaufläche auf nur noch 5 700 ha geschrumpft.

Nach dem Rückgang der vergangenen Jahrzehnte kommt jetzt jedoch Bewegung in den französischen Erdbeeranbau. 2014 lag die Produktionsfläche bei 3 250 ha, die rund 57 700 t Ertrag lieferten. In den letzten fünf Jahren nahm die Anbaufläche um weitere 3 % ab, gleichzeitig stieg die Produktivität dieser Flächen um 11 %. Das liegt besonders daran, dass die Anbauer zunehmend auf Tunnel- und Substratkulturen (+35 % und +11 %) umsteigen.

Bodenkultur

2014 bestand die Mehrheit der Gesamtanbaufläche (3 250 ha) aus Tunneln (2 140 ha) mit ca. 9 oder 5 bis 6 m Breite. Der klassische Freilandanbau im Boden macht derzeit nur noch 15 % oder 501 ha der Gesamtfläche aus. Kulturen in Minitunneln haben in den letzten zehn Jahren stark abgenommen: Gab es 2004 noch 1 480 ha, so sind es heute nur noch 630 ha.

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Substratkultur

In den letzten Jahren entschieden sich immer mehr Anbauer für die Substratkultur: Gab es 2002 nur 160 ha, waren es 2011 bereits 550 ha und ein Jahr später über 600.

Gründe dafür sind Probleme mit Bodenkrankheiten, das Verbot von Methylbromid und Schwierigkeiten bei der Suche nach Erntehelfern. Durch die Substratkultur können die Anbauflächen verkleinert werden, effizienter und mit weniger Arbeitskräften gearbeitet sowie eine bessere, konstantere Fruchtqualität erzeugt werden.

In den älteren „Substratgebieten“ Nord-Pas-de-Calais, Picardie, Bretagne, Centre und Pays de Loire wächst die Produktion kaum. Im Südwesten (Lot-en-Garonne, Aquitaine) und Südosten (Pyrénées-Atlantiques, Rhône-Méditerrannée) hingegen wuchs die Substratkultur zuletzt auf rund 300 bzw. über 100 ha.

Als Substrat dient dabei zumeist fermentierte Baumrinde (Écorce de pin), ein lokales Produkt, das preiswerter als importiertes Kokos oder Torf ist. Es gibt eine allgemeine Entwicklung hin zu Traypflanzen. Sie können bereits früh (Ende November/Anfang Dezember) gepflanzt werden und liefern eine frühe Ernte zum guten Preis. `Gariguette´ erreichen beispielsweise einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 8 bis 9 €/kg bei einer Produktion von 3 kg/m² in der ersten Ernteperiode (Anfang März-Mai) und bis 1,5 kg/m² in der zweiten Ernte. Weit verbreiteter Standard sind Stellagen auf Holzpfählen, an denen v-förmige Konstruktionen aus Stahlbeton befestigt sind. Diese sind mit Plastikfolie ausgelegt, so dass ein Rinnensystem entsteht. Im Allgemeinen werden 8 bis 10 Pfl. /m² gesetzt. In frühen Sätzen unter beheizten Glas- und Folientunneln wird mit Nachtbeleuchtung gearbeitet: Zwischen Januar und Februar leuchten nachts Glühbirnen, um so trotz Kälte das Längenwachstum der Pflanzen zu stimulieren.

Vermehrung

Jährlich werden geschätzte 100 Mio. Erdbeerpflanzen in Frankreich benötigt. Ungefähr 70 Mio. davon werden in Frankreich vermehrt, der Rest stammt aus Italien (`Gariguette´, `Clery´) und den Niederlanden (`Gariguette´ Trays), Polen und Spanien. Die Vermehrungsfläche in Frankreich ist in den letzten fünf Jahren stabil geblieben und betrug 2011 nach Schätzungen etwa 271 ha. Insgesamt werden über 70 verschiedene Sorten vermehrt, wobei die sechs beliebtesten Sorten 60 % der Gesamtfläche ausmachen, nämlich `Gariguette´ (51 ha), `Charlotte´ (49 ha), `Mara de Bois´ (27 ha), `Darselect´ (16 ha), `Elsanta´ (10 ha) und `Ciflorette´ (11 ha). Es gibt etwa zehn aktive Vermehrer in Frankreich.

Sortenzüchtung

Die großen Pflanzenzüchter Planasa (Darbonne), Marionnet und Guilloteau führen auch ein eigenes Züchtungsprogramm durch. Die bekanntesten Sorten von Darbonne sind beispielsweise `Darselect´, `Donna´ und `Diana´. Neu sind `Dream´ und `Deluxe´, zwei Juniträger. Gemeinsam mit Planasa startete Darbonne das Konsortium Inotalis, das nun nur noch unter dem Namen Planasa läuft.

Marionnet führt als populärste Sorte den Durchträger `Mara de Bois´ und den Juniträger `Matis´. Das Züchtungsprogramm von Guilloteau bietet die zwei frühen Juniträger `Gustine´ und `Guillerette´ an.

Die Züchter Anjou, Angier und Martaillac beteiligen sich außerdem an dem 1997 gegründeten offiziellen Veredelungsprogramm CIREF. Aus diesem gingen die Durchträger `Charlotte´ und die Juniträger `Capriss´, `Candis´, `Ciflorette´, `Cigaline´ und `Cireine´ hervor.

Sortenauswahl

Bis in die 1990er-Jahre bestimmte `Elsanta´ den französischen Erdbeeranbau. Über die Hälfte des Gesamtbestandes machte die Sorte aus. Ab 1995 ging der Anteil jedoch drastisch zurück, da Elsantas´ Anfälligkeit für Wurzel- und Bodenkrankheiten sowie fehlende Kälte zur Winterruhe immer häufiger zu kleine oder verformte Früchte erzeugten (besonders in Tunnelanbau). Südlich der Loire haben darum `Darselect´ und – zu geringeren Teilen auch italienische Sorten wie `Clery´ – den Platz von `Elsanta´ eingenommen. Dennoch bleibt die Sorte `Gariguette´ die Gallionsfigur im französischen Erdbeeranbau, die „Fraise de France“. Gebietsweise ersetzt `Ciflorette´, eine halbfrühe Sorte mit gutem Geschmack, `Gariguette´. Die übrigen CIREF-Sorten sind auf ganz Frankreich verteilt. `Cigaline´ wächst insbesondere in Sologne und Saumurois. Sie reift vier bis fünf Tage später als `Gariguette´, trägt kleinere Früchte und lässt sich schwieriger kommerzialisieren. `Cireine´ hält sich bei Wärme schlecht und ist ziemlich empfindlich für Verformungen. `Cifrance´ produziert etwa 600 g Früchte pro Pflanze und ist recht klein, wodurch die Ernte länger dauert. Dazu ist die Fruchtfärbung etwas dunkel.

Obwohl `Gariguette´ eine alte Sorte ist, hat ihre Verbreitung in den letzten zehn Jahren ordentlich zugenommen. 1998 machte der Anteil von `Gariguette´ nur 25 % der Gesamtanbaufläche aus, 2011 waren es bereits über 42 %.

Bei den Durchträgern wird inzwischen doppelt so viel `Charlotte´ wie `Mara de Bois´ angebaut. Damit hat `Charlotte´ einen Großteil der `Mara de Bois´-Kulturen ersetzt und ist dadurch zum wichtigsten heimischen Durchträger Frankreichs geworden.

Vermarktung

Die Vermarktung in Frankreich ist stark fragmentiert. Vieles wird an den Kleinhandel, auf lokalen Märkten oder auf dem Pariser Großmarkt Rungis verkauft. Zahlreiche kleine Initiativen bestimmen den Markt, beispielsweise Saveol in Bretagne, Socave in Périgord, Solprim und Silène in Marmande, Palemphin in Nord-Pas-de-Calais, Plèvalot in Agen, Fruits Rouges und Fleuron d’Anjou in Zentralfrankreich.

Generell werden die Früchte in 250- oder 500 g-Plastikschalen in Holzkisten (16 x 250 g und 10 x 500 g) vertrieben. Um das Siegel „Fraise de France“ zu erhalten, müssen bestimmte Qualitätsvorgaben erfüllt werden. Allein Früchte mit 25 mm Mindestgröße und der Sorten `Gariguette´, `Elsanta´, `Darselect´ und `Ciflorette´ erhalten das Qualitätssiegel. `Ciflorette´ wird in dreieckigen Schälchen in 3 kg-Einheiten verkauft.

Konsum

In Frankreich liegt der Erdbeerkonsum bei rund 127 000 t jährlich, was einen Pro-Kopf-Konsum von 3,2 kg ergibt. Der mittlere Preis von 4,20 €/kg ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hoch. Ein beträchtlicher Teil der Früchte wird auf Märkten (17 %) und in kleineren Obst- und Gemüseläden verkauft (11 %). Das Gros wird jedoch in Discountern (13 %) und Supermärkten (59 %) vertrieben.

Frankreich importiert eine Menge Erdbeeren aus Spanien (74 %), Belgien (9 %) und Marokko (7 %). Aus Deutschland und den Niederlanden stammen 4 % bzw. 2 % der Importware. Der französische Erdbeerexport hat in den letzten Jahren abgenommen. Der Großteil des Exports ging 2013 nach Italien (28 %), in die Schweiz (24 %), nach Deutschland (18 %), Großbritannien (8 %), Spanien (6 %), Tschechien (4 %), Österreich (3 %) und in die Benelux-Länder (6 %).

Philip Lieten, Fragaria Holland B.V.

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Ausgabe 01/2017

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