03.05.2019

9. International Soft Fruit Conference

Viel Zeit für den fachlichen Austausch mit Kollegen
Foto: Aldenhoff

Zur neunten Auflage ihrer etablierten International Soft Fruit Conference luden der niederländische Beratungsdienst Delphy und die Firma BVB Substrates Anfang Januar in die Brabanthallen nach NL-‘s-Hertogenbosch. Rund 700 Teilnehmer aus über 40 Nationen, darunter aus China, Nepal, Irak und Aserbeidschan, verfolgten die Fachvorträge, besuchten die kleine Messe und fachsimpelten mit ihren internationalen Kollegen eifrig über die neuesten Entwicklungen im Beerenobstsektor. 

Am zweiten Konferenztag war traditionell eine Exkursion geboten, die dieses Mal in das Delphy Improvement Center und die Forschungseinrichtungen der WUR Wageningen University nach Bleiswijk führte.

Den Auftakt im Vortragsreigen machte Sabina Wyant von Berries Tesco Supermarket aus UK mit einem Überblick über den britischen und den europäischen Beerenmarkt. Unter den zehn größten Lebensmittelketten in Europa ist Tesco an dritter Stelle hinter Lidl und Aldi, gefolgt von Carrefour, Edeka und Rewe. Der Beerenmarkt ist in den letzten Jahren gewachsen, in der EU haben sich die Umsätze von 2014 auf 2018 fast verdoppelt, während in UK, auf hohem Niveau gestartet, der Markt „nur“ um 52 % wuchs. Ein Viertel der von den Briten konsumierten Beeren werden bei Tesco gekauft. Damit ist diese Kette unangefochten Nr. 1 im Beerenabsatz; an zweiter Stelle steht Sainsbury’s mit rund 14 %, die Discounter Aldi und Lidl spielen mit 10 % bzw. 6 % nicht ihre bekannt große Rolle. Britische Konsumenten lieben Beeren für ihre regionale Herkunft, ihren Geschmack und Textur, ihre gesundheitsfördernden Eigenschaften und den bequemen Verzehr. Dies dürfte auf deutsche Verbraucher übertragbar sein.

Robotik weiter auf dem Vormarsch

Ausführlich erläuterte Dr. Tom Coen, Fa. Octinion, B-Heverlee-Leuven, verschiedenste Gründe dafür, dass künftig noch weniger Arbeitskräfte zu noch höheren Kosten verfügbar sein werden, um zu dem Schluss zu kommen, dass Ernteroboter, wie seine Firma sie entwickelt, an Bedeutung gewinnen werden. Neben dem Erdbeerpflückroboter sind inzwischen auch Roboter für andere Kulturarten in Entwicklung. Außerdem sind autonom fahrende Gewächshausroboter, die mittels Kamera den Gesundheitszustand der Kulturen überwachen, sowie ebenfalls selbstfahrende Roboter mit UV-C-Licht als Pflanzenschutzmaßnahme im Sortiment.

Mit Belichtung ganzjährig am Markt

Über die Möglichkeiten der LED-Belichtung in Beerenkulturen berichtete Anja Dieleman von Wageningen University & Research (WUR). „1 % mehr Licht bringt 0,8 bis 1,2 % mehr Ertrag!“ In Nordwesteuropa müsse man für eine ganzjährige Marktversorgung im Winter schon auf Belichtung zurückgreifen, um ausreichende Fruchtqualitäten zu erzielen. Herkömmliche Lampen wie Natrium-hochdruckdampflampen geben häufig zu viel Wärme ab. LEDs haben dagegen den Vorteil, dass sie keine Wärme abgeben und damit auch den Strom effizienter nutzen. Außerdem kann man LEDs deshalb näher an den Pflanzen platzieren, genau da, wo das Licht gebraucht wird. Sie lassen sich auch schneller an- und ausschalten. Ein weiterer großer Vorteil von LEDs ist, dass sie in verschiedenen Farben erhältlich sind. 

Um diese Farbspektren optimal zu nutzen, ist es wichtig zu wissen, welche Farbe bei den Pflanzen was bewirkt. Dazu machte man bei WUR Versuche mit jungen Tomatenpflanzen, wie Dieleman berichtete. Weißes Licht stellte dabei die Referenz dar. Pflanzen unter blauem Licht blieben kürzer, hatten kleinere Blätter und eine dunklere Blattfarbe. Das Gegenteil zeigten die Pflanzen, die unter grünem Licht standen: größer, offenerer Wuchs, hellere Blätter, aber die gleiche Biomasse wie unter weißem Licht. Die Pflanzen, die rotem oder orangefarbenem Licht ausgesetzt waren, wuchsen vergleichbar mit denen unter weißem Licht. Wurden rotes und blaues Licht kombiniert, so genügten schon 5 % blaues Licht, um die Pflanzen etwas kompakter zu halten. 

Dieleman fasste noch einmal zusammen, welche Effekte die unterschiedlichen Lichtspektren und Wellenlängen bewirken. Rotes Licht (~ 600-800 nm) ist die Basis und sehr effizient für die Photosynthese und damit sehr wichtig für das Pflanzenwachstum. Blaues Licht (~ 420-490 nm) hingegen reduziert das Längenwachstum, was für einige Kulturen wünschenswert sein kann, steigert die Stomataöffnung für die CO2-Aufnahme und es kann die Fruchtqualität verbessern. Auch grünes Licht (~ 530-570 nm) ist nutzbar für die Photosynthese und es führt zu offeneren, größeren Pflanzen. Grünes Licht bewirkt in Pflanzen das Gegenteil von blauem Licht. Ein weiterer Vorteil von grünem Licht ist, dass das menschliche Auge darunter besser sehen kann als unter rotem oder blauem Licht, beispielsweise Schadinsekten. 

Blaues, grünes und rotes Licht sind Teil des PAR-Spektrums, also der photosynthetisch aktiven Wellenlängen. Far Red Licht (~ 700-800 nm, am äußersten Ende des sichtbaren Spektrums zwischen rotem und infrarotem Licht) ist nicht direkt für die Photosynthese nutzbar, aber es ist laut Dieleman ein wichtiges Farbspektrum, um Pflanzenwachstum zu steuern: die Pflanzen strecken sich mehr, die Blätter werden etwas gelblich und die Pflanzen kommen schneller zur Blüte. Beispielsweise bei der Stecklingsbewurzelung kann Far Red Licht förderlich sein, in Kombination mit blauem Licht, bleiben die Stecklinge dann auch ausreichend kompakt. Abschließend stellte die Referentin fest, dass die LED-Belichtung große Chancen für den Gartenbau bietet, denn mit Wissen über die Wirkungen der Farben können Kulturen während des Produktionszyklusses gezielt mit den jeweils passenden Farbspektren für Blüte, Wachstum oder Fruchtausbildung gesteuert werden.

Pflanzen richtig lagern

Über die optimale Kühllagerung von Beerenpflanzen informierte Wim Schmitz von der niederländischen Beratungsfirma Agracool. Es gilt, einiges zu beachten, wenn Beerensträucher das Kühlhaus in besten Qualitäten verlassen sollen. Selbstverständlich sollten nur beste Qualitäten eingelagert werden. Des Weiteren spielen die Zahl der Pflanzen pro Kiste, die Luftzirkulation zwischen den Kisten, die Zahl Löcher in den Foliensäcken und das rasche Herunterkühlen wichtige Rollen. Thermometer sind zu eichen, auch am Produkt zu platzieren und täglich abzulesen. Der Verdampfer ist regelmäßig von Eis zu befreien. Mit Hilfe von Flatterfahnen lässt sich die Luftzirkulation in der Kühlzelle beobachten. Die Luftzusammensetzung ist ein Qualitätsfaktor: Ethylen und CO2 können die Pflanzen schädigen, beispielsweise Risse in der Rinde verursachen. Deshalb sollten Äpfel oder Birnen nicht gemeinsam mit Beerenpflanzen in derselben Kühlzelle gelagert werden. Auch die Pflanzen selbst produzieren CO2, weshalb die Lagerluft regelmäßig ausgetauscht werden sollte. 

Blattanalysen zur Optimierung der Pflanzenernährung

Substrat-, Boden- und Wasseranalysen zeigen die Verfügbarkeit von Nährstoffen rund um die Wurzeln, sie garantieren aber nicht die Aufnahme der Nährstoffe durch die Pflanze. Um den tatsächlichen Versorgungszustand der Pflanze zu erfahren, sind Blattanalysen notwendig. Jan Hardeman vom internationalen Labordienst Eurofins Agro stellte die Vor- und Nachteile von Trockensubstanz- und Pflanzensaftanalysen gegenüber. Bei der Blattanalyse aus Trockensubstanz werden sämtliche in der Pflanze vorhandenen Nährstoffe erfasst, sie ist das Mittel der Wahl, um die gesamte Nährstoffaufnahme der Pflanze zu bestimmen. Die Pflanzensaftanalyse hingegen ist eine Momentaufnahme der im Pflanzensaft und in der Zellflüssigkeit gelösten Nährstoffe. 

Für korrekte Ergebnisse sollte bei beiden Analysemethoden die Beprobung am besten morgens, wenn die Pflanzen vollen Turgordruck haben, erfolgen. Tau oder Regen sollte aber nicht auf den Blättern sein. Nach der Probenahme müssen die Proben gekühlt und vor Verdunstung geschützt werden. Gerade was die Pflanzensaftanalyse betrifft, müssen noch weitere Daten erhoben werden, um die Messergebnisse besser interpretieren zu können. An der Erstellung von Datenbasen arbeitet Eurofins Agro bereits. Mit mehr Wissen über die Interaktionen zwischen Pflanzennährstoffen und Wachstumsbedingungen wird die Pflanzensaftanalyse ein wertvolles Instrument sein, um die Düngung weiter zu optimieren, prophezeite Hardeman.

Anbau remontierender Erdbeeren

Willem von Eldik und Bram Jansen vom niederländischen Beratungsdienst Delphy widmeten sich der Kultur von remontierenden Erdbeeren, die in den letzten Jahren zunimmt und durch immer neue Sorten bereichert wird. Anders als bei den Juniträgern müssen mit den remontierenden Sorten aber oft noch Erfahrungen gesammelt werden. Zwar versprechen die Remontierer durch die längere Ernteperiode gute Erträge, aber die längere Kulturzeit birgt auch Risiken für die Pflanzengesundheit, Erntespitzen und Herausforderungen für den Erhalt der Fruchtqualität über die gesamte Ernteperiode. Überdies ist der Anbauer mit der Qual der Wahl bedient: Welche Sorte? Welche Ernteperiode? Welches Kultursystem? Unter Schutz oder im Freiland? Im Boden oder im Substrat?

Für mehr Sicherheit während der Kulturzeit empfahlen die Experten Flower Mapping, also die Bestimmung des zu erwartenden Ertrages anhand der Blütenanlagen. Mit Hilfe der Ergebnisse könne die Pflanzenernährung präziser gesteuert und der Ernteverlauf vorhergesagt werden. Delphy fährt ständig Versuche zu Sorten, Düngestrategien, Pflanzmaterial, Kultursystemen und so weiter. Allerdings dreht sich auch bei den Remontierern das Sortenkarussell so schnell, dass das Sammeln von Erfahrungen für die optimale Kulturführung der jeweiligen Sorte zur Herausforderung geworden ist. Ziel sind höhere Erträge, gleichmäßigere Ernten ohne Erntespitzen, noch bessere Fruchtqualitäten. Bei der Sortenwahl von remontierenden Erdbeeren ist auch deren Geschmack und Shelf Life zu berücksichtigen, diese Faktoren bestimmen über ihre Chance am Markt. Überdies sind robuste Sorten zu bevorzugen, weil die längere Kulturdauer das Risiko von Schaderregerbefall erhöht.

Pflanzlochbehandlungen bei Roten Johannisbeeren lohnen

Einen Versuch, bei dem die Pflanzlöcher für Johannisbeersträu-cher mit verschiedenen Substraten und/oder Düngemitteln versehen wurden, stellte Gondy Heijerman von Delphy Research Soft Fruit vor. Der Versuch wurde im April 2016 in Zusammenarbeit mit dem Beratungsdienst CAF (Centrale Adviesdienst Fruitteelt) bei einem Praktiker auf Freilandflächen angelegt. Einjährige Pflanzen der Sorte `Ro-vada´, zweitriebig gezogen, wurden gepflanzt. Dabei gab es zwölf Varianten, wie die Pflanzlöcher vorbereitet wurden. Die unbehandelte Kontrollvariante wurde direkt in den unbehandelten Boden gepflanzt. Bei den weiteren Varianten kamen verschiedene Substrate unterschiedlicher Anbieter ins Pflanzloch, zum Teil ergänzt um Langzeitdünger oder Pflanzenstärkungsmittel. 

Nach zwei Ernteperioden lagen die Varianten mit Substrat plus Langzeitdünger ertragsmäßig vorne. In der dritten Vegetationsperiode gingen die Unterschiede zwischen den Pflanzlochvarianten zurück. Dafür wurde der Versuch um weitere Fertigationsvarianten erweitert. Nach drei Versuchsjahren konnte festgestellt werden, dass alle behandelten Varianten mehr Ertrag geliefert haben als die unbehandelte Kontrolle. Wieder lagen die Varianten mit Substrat und Langzeitdünger vorne. Die Mehrkosten für Material und Arbeitszeit bei der Pflanzlochbehandlung konnten (abhängig vom Verkaufspreis) über die Mehrerträge mehr als wettgemacht werden.

Mit UV-C-Licht gegen Mehltaupilze

UV-C-Licht als Pflanzenschutzmittel gegen Mehltaupilze in Erd-beeren ist eine spannende Neuerung, an der im belgischen For-schungszentrum Hoogstraten seit einiger Zeit geforscht wird. In Zusammenarbeit mit der Firma Octinion wurde inzwischen ein selbstfahrender Roboter entwickelt, der durch die Stellagenreihen fährt und das Licht appliziert, berichtete Erdbeerforscherin Marieke Vervoort. Das UV-C-Licht der Wellenlänge 254 nm zerstört die Pilzzellen, lässt bei richtiger Dosierung die Pflanzen aber unbeschädigt. Anwendungen sollten schon dreimal die Woche erfolgen, möglichst nachts. Wirkungen auf andere Krankheiten, Schädlinge, Nützlinge oder den Fruchtertrag werden aktuell noch er-forscht. Erste Ergebnisse zeigen, dass zu hohe Dosen UV-C-Licht den Fruchtertrag negativ beeinflussen. Spinnmilben wurden von UV-C-Licht dezimiert, allerdings auch ihre Nützlinge, nicht aber Thripse und Läuse. Wenn es dennoch gelingen sollte, die erfolgreiche Mehltaubekämpfung mit UV-C-Licht in die Integrierte Produktion von Erdbeeren einzubetten, wäre das ein großer Schritt hin zur nachhaltigen Produktion, meinte Marieke Vervoort.

Sabine Aldenhoff