09.01.2018

„Aus Fehlern lernen!“

Geschützter Anbau ist prima, aber trotzdem kein Selbstläufer: Klima, Lüftung, Wasser- und Nährstoffversorgung verlangen die volle Konzentration des Kultivateurs
Foto: Kühlwetter

 

Organisiert vom Spargel & Erdbeer Profi fand am 23. November, begleitend zur expoSE in Karlsruhe, das Beerensymposium statt. Willem van Eldik, Beerenobstberater bei Delphy in NL-Wageningen, referierte dort zum Thema „Aus aktuellen Fehlern lernen - Tipps zur Optimierung beim Anbau von Erdbeeren“.

Der Experte für Beerenanbau ist europaweit unterwegs und hat sich in den Jahren einen riesigen Erfahrungsschatz zugelegt. „Zuerst möchte ich einmal sagen, dass ich nicht von Fehlern sprechen möchte, sondern von Erfahrungen, die bei den Optimierungen/Umstellungen auf den bodenunabhängigen Anbau gemacht wurden“, so begann van Eldik seinen Vortrag. Der Kunde, also auch der Handel, verlange Topqualität. Die bedingt durch das Wetter deformierten Früchte sind nicht gefragt. Somit geht der Anbau mehr und mehr vom Boden weg zum Substrat. Arbeitsfreundlicher und effektiver ist das Arbeiten/Pflücken im Stehen, besonders, wenn noch ein Schutz darüber ist.

In Deutschland wird im Gegensatz zu anderen Ländern noch viel im gewachsenen Boden angebaut. Bei denen, die den bodenunabhängigen Schritt wagten, tauchten häufig Probleme auf. Zum einen fehlten die entsprechenden Kenntnisse, es wurden zu viele Schritte auf einmal gemacht, anstatt die Kenntnisse langsam aufzubauen. Zum anderen fehlte die Planung. Es wurde am Ende anstatt am Anfang angefangen. Das heißt, es wurden zuerst die Pflanzen bestellt und sich dann um das Kultur-, Substrat-, Wasser- und Düngersystem gekümmert. Genau umgekehrt muss es jedoch sein, die Kultur sollte optimal vorbereitet und nach dem Abnehmer, nach der geplanten Intensität, ausgerichtet sein.

Tipps vom Experten

Wasser/Düngung: Wasser ist die Basis aller Kulturen. Die Wasserqualität, die mit Hilfe der Wasseranalyse festgestellt werden kann, ist das entscheidende Kriterium. Stimmt die Qualität nicht, kann keine pH- und EC-Wert-Einstellung vorgenommen werden. Auch hier sei, so der Berater, eine gute Vorbereitung und eine nicht so schnelle Kaufentscheidung für ein Ernährungssystem gefragt. Es muss auch nicht immer kompliziert sein, um erfolgreich kultivieren zu können. Ein pH-Wert lässt sich über eine Tröpfchenbewässerung, die nur drei bis fünf Minuten (wie bei Erdbeeren üblich) läuft, in der Regel nicht entsprechend regulieren. Die Zeit ist zu kurz, um zum Beispiel einen pH-Wert von 7 nach 5,7 zu regulieren. Da nützt es auch nichts, wenn man mit A/B/C/-Gefäßen, also einem getrennten Säurebehälter, und einer Softwaresteuerung arbeitet. Ob die Pflanze überhaupt erreicht wird, sollte dementsprechend geprüft werden. Einfacher kann es mit A- und B-Gefäß funktionieren, wobei die Säure im B-Gefäß mit eingerechnet ist. Voraussetzung für alle Einstellungen ist die Wasser-, Tropf-, Substrat- und Blattanalyse mit optimalen Messgeräten. Die Messungen sollten täglich erfolgen und analysiert werden. Dieses gilt für jede Partie, wobei die Messung nicht im Substrat, sondern direkt an der Pflanze (Was passiert bei der Pflanze?) erfolgen sollte. So kann sogar mit einem guten Ernährungsplan und einem einfachen Dosatron, ohne Software, die Kultur optimal, mit gleichmäßigem pH-Wert, gesteuert werden. Einfluss auf den pH-Wert nimmt zusätzlich das Wetter und der Dünger. In den Niederlanden kommt zudem noch der Umweltfaktor hinzu. Ab dem 1. Januar 2018 ist es im Gewächshaus verpflichtend, das Drainwasser (Drainanalyse) aufzufangen, es zu desinfizieren und wiederzuverwerten. Von Eldik sagte hierzu: “Es ist alles zu lösen, es kostet nur etwas Mühe und Geld. Aber es ist lösbar! Manche vorhandenen Systeme lassen sich durch kleine Ergänzungen in geschlossene Anlagen umändern.“

Wassergewinnung/-rückgewinnung: In Holland ist es üblich, das Regenwasser aufzufangen und zu verwerten. Dieses ist auch durch Osmose bei Brunnenwasser möglich. Zwar sind die Kosten sehr hoch, jedoch verbessert sich die Kultur, wie einige deutsche Anbauer schon gemerkt haben, bedeutend. Es wird in Belgien und Holland Pflicht werden, das Drainwasser wiederzuverwerten. Dieses funktioniert mit einem geschlossenen System und einer UV-Behandlung der Flüssigkeit. Nicht zu vergessen ist die dazugehörige Drainwasseranalyse.

Substrat: „Das beste Substrat, außer für Blaubeeren, ist Kokos.“ Da die gelieferten Partien sehr unterschiedlich ausfallen, ist es wichtig, von jeder Partie eine Substratanalyse zu machen. Besonderes Augenmerk sollte gelegt werden auf die Zusammensetzung von: Kalium, Natrium, Calcium, Chloride, Bor und Silicium. Die Balance muss passen. Ist zu viel Bor im Substrat oder Basiswasser vorhanden, so führt dieses zu deformierten Früchten - der Bestand sieht aus, als würde er zu trocken stehen. Bei Natriumüberschüssen kann sich die Kultur regelrecht aufblähen, Natrium wird im Substrat gespeichert und dort immer mehr angereichert. Die Kultur geht kaputt.

Qualität: Haltbarkeit – Geschmack – Fruchtform, das sind die wichtigen Kriterien. „Die Konsumenten wissen nicht, was die Produzenten alles erleben. Sie fordern Qualität“, so van Eldik. In den Niederlanden wird zum einen vom Großhandel eine genaue Planung der Saison verlangt. Bereits im Januar soll bis Ende des Jahres feststehen, wie viel von welcher Sorte geliefert wird. Zudem wird ein Pflückprotokoll zugrunde gelegt, das heißt die Farbintensität wird festgelegt. In Deutschland wird eher richtig rot - sogar im Sommer dunkelrot - in Holland wesentlich heller gepflückt. Der Geschmack nimmt an Wichtigkeit zu. Die Brix-Werte werden von einer unabhängigen Einrichtung wöchentlich im Handel genommen. Gern gesehen wird ein integrierter oder auch schon biologischer Anbau. Aus diesen Gründen wird in Holland der Anbau im gewachsenen Boden bald Geschichte sein.

Krankheiten: Durch den Anbau im Substrat gibt es weniger Probleme mit folgenden Krankheiten: Botrytis, Rhizoctonia solani, Phytophthora cactorum, Verticillium, Pestalotiopsis – Wurzelfäule, Phytophthora fragaria und Mehltau. Pestalotiopsis ist immer mehr im Kommen, auch in eher unempfindlichen `Clery´-Beständen. Der Befall sieht ähnlich wie bei Phytophthora aus, die dagegen eingesetzten Fungizide schlagen aber nicht an. Der Befall ist durch einen DNA-Test festzustellen.

Anbaumöglichkeiten:

Die Sackkultur, die zu Beginn der 1980er-Jahre begonnen wurde, wird hier und da noch praktiziert. Sie ist aber nicht mehr so geläufig, da sie große Mengen an Kunststoffabfällen produziert. Substratkultur im Tunnel wird entweder mit Topfgrünpflanzen oder Traypflanzen gemacht. Stellagenkulturen sind arbeitsfreundlich, benötigen hohe Investitionskosten, aber bringen auch höhere Pflückleistung und gute Qualität, die Wurzelentwicklung ist gut zu steuern. Bislang wird sie v.a. in Holland, England und Belgien praktiziert, aber auch Deutschland und weitere europäische Länder ziehen nach. Pflanzung ist direkt oder in Töpfe/Säcke möglich, in Holland kombiniert mit einer integrierten Drainwasserrückgewinnung. Der geschützte Anbau bietet zusätzlich Schutz vor Regen und leichtem Hagel.

Kultursteuerung: „Geschützter Anbau ist prima, aber trotzdem kein Selbstläufer.“ Kenntnisse über das Klima sind ganz wichtig. Wie braucht die Pflanze das Klima? Lüften ist wichtig! Wird mittags gelüftet und abends geschlossen, so kommt man morgens in einen feuchten Tunnel. Botrytisgefahr! Die Erdbeere braucht die Lüftung komplett anders als viele Kulturen, ansonsten ist sie „überlastet“. Wenn die Pflanze aktiv ist, braucht sie Wärme, und Kälte, wenn sie schläft. Dieser Vorgang des Lüftens lässt sich mithilfe eines Computers automatisieren. Das spart Zeit und ist wesentlich stressfreier. Zusätzlich können Ventilatoren aktiviert werden. Hier, so van Eldik, ist es wichtig, dass diese Ventilatoren im Pflanzenbestand keine Bewegung verursachen. Mehltaurisiko! Um die Temperatur ganz schnell bei heißem Wetter regulieren zu können, werden Sprinkler eingesetzt. Eine Frühzeitigkeit von etwa 14 Tagen lässt sich erwirken, indem die Erdbeerkultur im geschützten Anbau, die im Februar gepflanzt wurde, mit einer Extrafolie komplett geschlossen wird. Damit die Blüten gut bestäubt werden können, müssen sie aus der Pflanze (auf Bänder) herausgelegt werden, unter das Blatt, aus der Sonne. Sie müssen frei hängen. So kann sich die Fruchtgröße und -form optimal entwickeln. Die Botrytisgefahr wird gemindert. Dieser Arbeitsschritt wird unterschätzt und somit zu 90% noch nicht ausgeführt. Jedoch produziert man so viel mehr Qualität und mehr Ertrag. Für die Bestäubung eignet sich am besten ein Mix aus Bienen und Hummeln. Festzustellen ist, dass in Deutschland, im Gegensatz zu Holland, der Bienenbestand im Freiland höher ist. Die Anbauart, die Intensität richtet sich nach den Abnehmern. Wie stark soll produziert werden? Für den ganz intensiven Anbau kommen die beweglichen Rinnen, die den zur Verfügung stehenden Raum fast komplett ausfüllen, in Betracht. 

Jungpflanzen: „Das ist ein ganz wichtiges Thema“, so van Eldik, „da muss noch viel mehr Umdenken stattfinden!“ Wichtig ist, dass der Produzent über den Ursprung der Pflanze Bescheid weiß. Dass er weiß, wie viele Blüten/Ertrag er zu erwarten hat. Durch die Blütenknospenuntersuchung/Flower Mapping lässt sich dieses rasch feststellen. Dafür werden Kronen geschnitten und untersucht, größere Betriebe haben häufig schon eigene Labore. Frigos lassen sich bei den Sortierarbeiten somit nicht nur nach Rhizomstärke, sondern nach Anzahl der Blüten sortieren. Dieses gilt natürlich auch für die Wartebeet- und Traypflanzen. Manche Betriebe vermehren selbst, andere kaufen zu - die Hauptsache ist, dass das Pflanzmaterial gesund ist. Nur aus 100%igem Basismaterial kann eine gesunde Kultur werden. Die Stecklingsvermehrung findet in Deutschland zu 90 % im Boden, in Holland zu 90% (aus Präventionsgründen durch die Zunahme zum Beispiel des Pestalotiopsis-Befalls) im Gewächshaus statt.

Sorten: In Holland hatten `Elsanta´ und `Sonata´ bei den Traypflanzen einen Anteil von 90%. Aufgrund der Kundenwünsche kommen jetzt immer mehr `Dream´, `Clery´, Flair´ oder `Malling Centenary´, sowie immertragende Sorten dazu. Eine gleichmäßige Produktion mit hohen Erträgen wird angestrebt. Dieses umzusetzen ist derzeit eine große Herauforderung für die Berater. Eine Produktion von Remontierern im Minitray in verschiedenen Sorten ist nicht mehr ungewöhnlich. Diese Remontierer können im April/Mai gepflanzt und dann noch schnell in den Ertrag kommen. Auf den europäischen Markt kommen mittlerweile Traypflanzen aus Marokko, Italien oder Frankreich.

Van Eldik formulierte zum Ende des Vortragsteils das Ziel für die Zukunft: Kenntnisse langsam aufbauen, um somit eine geplante Produktion besser in den Griff zu bekommen. Er ließ es sich auch nicht nehmen auf die 8. International Soft Fruit Conference am 11. Januar 2018 in `s-Hertogenbosch hinzuweisen und die Zuhörer dahin einzuladen.

Elke Schulze Scholle

 


Wessamat informiert!

Industrie-News



Interaspa Praxis 2017

Informatives

Neue SoF.HiE-Box für die Spargelspinne



 

Ausgabe 01/2018

Service

Quicklinks