05.09.2018

Bessere Qualität durch vorausschauendes Folienmanagement

Ton Smolders untersucht bei Engels Machines Möglichkeiten zur Verbesserung des Folienmanagements.
Foto: Privat

Sie haben den Spargelanbau revolutioniert und dazu beigetragen, dass die Saison deutlich verfrüht und verlängert werden konnte. Ehemalige Wettbewerber verloren durch sie gegenüber der heimischen Produktion erheblich an Marktanteilen. Ohne Spargelfolien wäre der Anbau  nicht da, wo er heute ist. Nach dem Ende der Erntesaison 2018 würden sich vielleicht einige Anbauer – und sicher auch Verbraucher, die das Landschaftsbild durch die Folien als gestört empfinden - vielleicht ein Weg zurück wünschen. Diesen wird es – wahrscheinlich – jedoch nicht geben. Ton Smolders ist seit über einem Jahr bei Engels Machines mit Tests und Versuchen befasst, deren Ziel es ist, das Folienmanagement auf der Grundlage von Temperaturmessungen im Damm und unter Einbezug weiterer Parameter im Sinne einer Optimierung der Erntequalität und Ertragssteuerung weiter zu optimieren.

Als Hersteller der Spargelspinne sowie weiterer Techniken ist Engels Machines seit Jahren in der Branche bekannt. Für einige Praktiker neu ist sicher das Engagement von Engels im Bereich des Folienmanagements, ein Arbeitsfeld von Ton Smolders. Doch der Ansatz ist leicht erklärbar: „Die Maschinen erreichen erst einen hohen Grad an Effizienz, wenn auch der Spargelanbau sehr professionell durchgeführt wird“, betont Smolders. Er berät Kunden und gibt Tipps, wie das Folienmanagement optimiert werden kann. Dem Niederländer kommt dabei auch die Erfahrung aus seinem früheren Arbeitsumfeld bei der Limgroup zugute.

Engels Machines unterhält seit Jahren eine Versuchsfläche, u.a. zum Entwickeln und Testen der eigenen Technik. Doch der Blickwinkel ist weiter gerichtet. So sind u.a. in mit verschiedenen Folien abgedeckten Spargeldämmen jeweils drei Temperatursensoren in unterschiedlichen Tiefen installiert. Die Ergebnisse der Messungen werden exakt festgehalten und Smolders vergleicht diese mit den Daten, die er von Praxisfeldern aus der näheren und weiteren Umgebung erhält. Im Gespräch mit Spargel & Erdbeer Profi schildert Ton Smolders seine ersten Erfahrungen.

Spargel & Erdbeer Profi: Herr Smolders, die Saison 2018 war aus der Sicht vieler Praktiker eine überaus fordernde, nicht nur aus Sicht des Marktes, sondern auch im Anbau. Es entstanden viele Qualitätsprobleme, zum Teil auch deshalb, weil die Folie nicht zeitgerecht gedreht wurde. Was kann man aus Ihrer Sicht daraus ableiten?

Ton Smolders: Um zu erkennen, was im Spargeldamm vonstatten geht, sind Temperaturmessungen ein entscheidendes Hilfsmittel. Auf Basis der Ergebnisse muss das weitere Vorgehen abgeleitet werden. Der Spargelbauer kennt seine Flächen, deren Beschaffenheit und die Bodenart. In Kombination mit der Wetterprognose, dem Vermarktungspotential der kommenden Tage sowie gegebenenfalls den Beständen im Lager muss man nach vorne schauen und individuelle Entscheidungen zum Folienmanagement treffen. Soll die Folie gedreht, abgenommen oder eine zusätzliche Folie aufgelegt werden? Ziel ist es, nicht zu reagieren, sondern zu agieren.

Spargel & Erdbeer Profi: Dies bedeutet, dass die Zuständigkeit für das Folienmanagement im Betrieb klar geregelt ist bzw., dass in vielen Betrieben eine Bewusstseinsänderung eintreten muss, um dem Folienmanagement eine entsprechende Wichtung zu verleihen.

Ton Smolders: Die Thematik ist recht komplex – neben den Dammtemperaturen müssen Wetterprognosen, Marktsituation und die Nachfrage der kommenden Tage mit beachtet werden. Man sollte dabei auch Wert drauf legen, im Damm eine gewisse Konstanz zu wahren und eine möglichst stabile Produktion zu erreichen, mit nur geringen Differenzen von Tag zu Tag. Dies trägt dazu bei, dass die Arbeitskapazitäten besser ausgelastet sind und die Arbeitseffizienz gesteigert werden kann.

Spargel & Erdbeer Profi: Welche Auswirkungen auf die Qualität sind zu erwarten, wenn diese Gegebenheiten bei Temperaturen, wie sie in einer Saison 2018 vorgeherrscht haben, nicht beachtet werden?

Ton Smolders: Dann besteht die Gefahr, dass man zum Teil bis zu 90 % minderwertige Qualitäten erntet. Bei einer Phase langanhaltender hoher Temperaturen „schaukelt“ sich ein solches System hoch, die Erntekräfte arbeiten an ihrem Limit und dennoch ist es nicht möglich, den vorgegebenen Ernterhythmus einzuhalten. Manchmal kehrt das Ernteteam erst wieder nach vier bis fünf Tagen auf die gleiche Fläche zurück. Wenn die Dämme überhitzt sind und der Spargel aus dem Boden sprießt, sinkt die Qualität rapide ab. Ein hoher Anteil unzureichender Qualitäten wirkt sich auch auf die Effizienz in den nachfolgenden Arbeitsprozessen negativ aus und am Ende – was unvermeidbar ist – auch auf das wirtschaftliche Ergebnis.

Wenn der Markt überversorgt ist, sinkt der Preis des Spargels und nur gute Qualitäten finden noch einen Käufer. Wenn man dem Wachstum des Spargels „hinterherläuft“, sinkt die Qualität des Ernteproduktes zum Teil dramatisch. Man erntet auf der einen Seite hohe Mengen, auf der anderen Seite aber immer schwächere Qualitäten, die Einnahmen sinken. Dies ist ein Teufelskreis, der – wenn man ihn nicht unterbricht – unweigerlich zu finanziellen Einbußen führt – das kostet Geld!

Spargel & Erdbeer Profi: Wird nach Ihrer Erfahrung in Kombination mit der Temperaturmessung im Damm die Wetterprogose als Instrument vielleicht noch zu wenig genutzt?

Ton Smolders: Ich vermute ja. Oftmals wird zu Beginn der Saison die Wetterprognose durchaus noch beachtet, aber wenn im Fortgang der Saison der Druck immer weiter wächst, wird in manchen Betrieben die Wetterprognose vielleicht zu selten genutzt, um nach vorne zu schauen. Allerdings waren die Voraussetzungen in der Saison 2018 überaus schwierig, um diese Dinge richtig und gut zu regeln. Im Kontakt zu einigen Praxisbetrieben, die das Monitoringsystem zur Temperaturmessung im Damm nutzen und konsequent umsetzen, habe ich aber den Eindruck, dass dies definitiv zu besseren Qualitäten führt. Dies wurde im Rahmen eines Praktikums, ausgeführt durch einen Studenten der HAS (Hogere Agrarische School), bestätigt.

Spargel & Erdbeer Profi: Wie wichtig sind neben der Temperatur im Boden die Faktoren Bodenfeuchte und Bodenart?

Ton Smolders: Die Angabe der Bodentemperatur ist ein wichtiger Faktor, dessen Aussagekraft durch Angabe von Bodenfeuchte und -art aber wesentlich verbessert wird. Wasser ist ein Temperaturleiter und die Bodenfeuchte daher ein wichtiger Aspekt. Neben dem Einfluss auf die Bodentemperatur ermöglicht die Aufnahme von Wasser, den Pflanzen das eigene Kühlsystem aufrecht zu erhalten. Ist zu wenig Feuchte im Boden vorhanden, „kochen“ die Pflanzen. Aus diesem Grunde nutzen einige Spargelbetriebe einen bzw. zwei Tropfschläuche auf dem Damm, um den Boden und die Pflanzen abzukühlen und die Qualität des Ernteproduktes zu sichern.

Spargel & Erdbeer Profi: Sehen Sie für die Zukunft noch ein weites Potential zur Optimierung?

Ton Smolders: Nach meiner Meinung werden die Möglichkeiten eines vorausschauenden Folienmanagements sicher noch lange nicht ausgeschöpft. Die konsequente Nutzung eines Folienmanagements erlaubt dem Anbauer, die Quantitäten und Qualitäten mit dem Ziel, das Potenzial einer Parzelle maximal auszuschöpfen, zu steuern. Gleichzeitig trägt ein konsequentes Folienmanagement dazu bei, den Ablauf der Saison harmonischer zu gestalten und den Bedarf an Arbeitskräften sowie deren Einsatz auf einem möglichst gleichmäßigeren Niveau zu halten.

Das Gespräch mit Ton Smolders führte Thomas Kühlwetter