05.09.2018

Eine Saison mit Nachwehen

Sorgenfalten sind auf den Gesichtern vieler Spargel- und Beerenanbauer zu erkennen, wenn sie über die abgelaufene bzw. noch laufende Vermarktungssaison reden. Für nur wenige Höfe war es eine gute Saison, deutlich überwiegt in der Branche ein Resümee, das von eher mäßig bis wenig zufriedenstellenden Ergebnissen spricht und oftmals wird es nicht gelingen, am Ende einen Gewinn zu erwirtschaften. In einem Atemzug mit der Saisonbilanz wird die Frage nach der Zukunft in vielen Gesprächen aufgeworfen.

Die Saison 2018 ist für viele Betriebe eine Saison, die man am besten schnell wieder vergisst – noch vor Jahren konnte man den Inhalt dieses Satzes nur unterstreichen und den Blick wieder nach vorne richten. Doch die Vorzeichen haben sich geändert und die Luft in der Branche ist in den meisten Betrieben wesentlich dünner geworden.

Hohe Investitionen

Die Zeit, in denen der Bauer eine Ernte auf dem Speicher, eine auf dem Konto und eine auf den Feldern hatte, gehört für die meisten Betriebe schon lange der Vergangenheit an. Erforderliche Investitionen in Kulturverfahren und betriebliche Infrastruktur haben ein Volumen erreicht, das nicht mehr aus der Portokasse zu zahlen ist und der Gang zur Bank ist für Landwirte heute ebenso selbstverständlich wie für Unternehmen aus anderen Bereichen der Wirtschaft.

Wer nicht investiert, hat meist kaum noch eine Chance auf dem Markt als ernsthafter Ansprechpartner wahrgenommen zu werden, und in der Regel haben sich die Investitionen auch – so wie erhofft – wieder ausgezahlt. Die Lehre zeigt aber, dass Entwicklungen nicht immer nur in eine Richtung „aufwärts“ verlaufen.

Saison unter ungünstigen Vorzeichen

In den vergangenen Monaten mussten viele Erzeugerbetriebe diese Erfahrung zum Teil auf einschneidende Weise erleben. Verantwortlich dafür sind mehrere Faktoren: ein nach bisherigen Erfahrungen sehr außergewöhnlicher Witterungsverlauf mit erheblichen Auswirkungen auf den Erntestart und dessen Verlauf sowie auch die Erntequalitäten.

Ein weiteres Problem, das die Betriebe in einer bislang nicht gekannten Dimension erreicht hat, ist nicht nur die Verfügbarkeit von Führungskräften, sondern auch von Saisonmitarbeitern. Auf zahlreichen Betrieben zeichnete sich im Verlauf dieser Saison eine Situation ab, die für die Zukunft nicht nur Positives erwarten lässt. Und wenn Faktoren wie die beiden vorgenannten zusammentreffen, hat dies entscheidende Auswirkungen auf das Geschehen an den Märkten mit zum Teil fatalen Folgen für die Preisbildung.

Märkte im Blick halten

Kurz zusammengefasst: Viele Dinge, die hätten schieflaufen können, sind auch schiefgelaufen. Und sicher ist es spätestens jetzt an der Zeit, einige Entwicklungen innerhalb unserer Branchen kritisch zu hinterfragen. Märkte sind endlich, wenn sie nicht fortentwickelt werden, und die unterschiedlichsten Kräfte wirken auf den Verlauf an den Märkten. Neben der Situation im Inland können dies auch Entwicklungen im Ausland sein.

In dieser Ausgabe werden einige der genannten Themen, die wir auf den diesjährigen Unternehmertagen Anfang Dezember weiter vertiefen möchten, angesprochen. Neben einzelbetrieblichen Überlegungen ist die Branche auch aufgerufen, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, um eine über Jahre erfolgreiche Entwicklung auch in Zukunft fortzusetzen.

 

„Neben einzelbetrieblichen Überlegungen ist die Branche auch aufgerufen, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.“