06.09.2017

Einmal tief durchatmen

Saison 2017: Eine große Herausforderung mit zum Teil enttäuschenden Ergebnissen

Thomas Kühlwetter

Noch ist die Erntesaison 2017 nicht in allen Betrieben abgeschlossen. Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren oder Brombeeren bzw. andere Kulturen werden noch geerntet – schon jetzt aber steht fest: Es ist für viele Betriebsleiter und deren Familien sowie für die Mitarbeiter eine enorme herausfordernde Saison.

Herausfordernd in mehrfachem Sinne. Bedingt durch die ausgesprochen wechselhafte und kaum kalkulierbare Witterung, die eine vorausschauende Planung und Organisation schlichtweg unmöglich machte und zumindest bei den Erdbeeren zum Teil zu deutlich niedrigeren Erträge führte als erwartet sowie im weiteren Verlauf des Sommers zu einem höheren Schaderregerpotential, insbesondere durch die Kirschessigfliege und Thripse, sorgt. Unter dem Strich wird der Saisonverlauf 2017 und dessen wirtschaftliches Ergebnis, das sicherlich nicht überall zufriedenstellen kann und mancherorts tiefe Sorgenfalten bereitet, in Erinnerung bleiben.

Auf der Suche nach den Ursachen werden die unterschiedlichsten Aspekte genannt: Eine allgemein gültige und für die kommenden Jahre daraus verbindlich abzuleitende Regel wird nur schwer auszumachen sein. So untypisch wie diese Saison in manchen Phasen verlief, so schwierig wird es sein, daraus feste Schlüsse für die folgenden Jahre ziehen zu können und eine Wiederholung auszuschließen.

Nach dem Verlauf des Winters war ein Start in die Spargelsaison, wie wir ihn 2017 erlebt haben, kaum vorhersehbar. Nach einem vergleichsweise kalten Winter hatte eine lang anhaltende Wärmeperiode im März einen ausgesprochen frühzeitigen Start in die Ernte mit bisher kaum gekannten Mengen beschert. Nicht nur die Betriebe, sondern auch der Einzelhandel war nach den Erfahrungen der vorausgegangenen Jahre ebenfalls kaum auf einen solch vehementen Einstieg in die Saison eingestellt. Und so rutschten schon Ende März die Preise zum Teil in den Keller. Dass im Anschluss eine über Wochen anhaltende Kältephase mit entsprechend geringen Erntemengen folgen sollte, war nur schwer erahnbar – ebenso auch, dass am Ende der Saison phasenweise eine Unterversorgung des Marktes vorliegen sollte. Unter dem Strich bedeutete die Saison „Herausforderung pur“ für die meisten der Betriebe.

Bei den Erdbeeren sah das Bild vielleicht etwas anders aus, die Herausforderung an die Betriebe und deren Mitarbeiter war aber nicht minder groß. Spätfröste um den 21. April sowie in den Folgetagen zerstörten die Hoffnungen auf eine reibungslos und positiv verlaufende Saison. Während im geschützten Anbau die Schäden sich vielerorts noch in halbwegs vertretbaren Grenzen hielten, war der Freilandanbau enorm betroffen. Die zum Teil extrem niedrigen Erträge sorgten für eine phasenweise Unterversorgung des Marktes, Erdbeeren wurden regelrecht „gesucht“. Schaut man einmal fünf Jahre zurück, war die Saison eine völlig andere.

Welche Folgerungen kann man aus dem Verlauf der zurückliegenden Monate ziehen? Nicht neu ist sicherlich der Schluss, dass Erdbeeren und zum Teil auch andere Beerenfrüchte aus den verschiedensten Aspekten mehr und mehr im geschützten Anbau kultiviert werden müssen. Dabei sind die Praktiker sicher auf einem guten Wege. Nicht unterschätzen darf man dabei aber den enormen Investitionsbedarf und die Gefahr von Liquiditätsengpässen in den Betrieben.

Eine wichtige Voraussetzung für den Einstieg in bzw. die Erweiterung und Optimierung solcher Produktionsverfahren – z.B. den Anbau auf Stellagen – sollte eine sichere und wirtschaftlich gewinnbringende Absatzmöglichkeit der Ernteprodukte sein. Wer mit hohen Summen in den Anbau investiert und den Absatz im Vorfeld nicht geklärt hat, begibt sich auf dünnes Eis. Nicht aus den Gedanken verdrängt werden darf in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass sich mit steigendem Fremdfinanzierungsgrad die Risikoanfälligkeit des Unternehmens erhöht. Auf der anderen Seite kann das Unterlassen erforderlicher Investitionen in die Modernisierung der Kulturverfahren und Betriebsabläufe ebenfalls die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens gefährden – die Entscheidung bleibt eine Gradwanderung.

Unter dem Strich und nach dem Ablauf dieser Saison bleibt aber auch die Feststellung, dass sehr viele Betriebe ihre Hausaufgaben in der Vergangenheit erledigt haben und auf einem guten Wege sind. Jede Saison ist anders und aus dem völlig untypischen Verlauf der diesjährigen Saison eine feste Regel abzuleiten, ist kaum möglich.

 

Fazit: „Wer mit hohen Summen in den Anbau investiert und den Absatz im Vorfeld nicht geklärt hat, begibt sich auf dünnes Eis.“


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