05.09.2018

Erdbeeren vielfältig verfrühen

Versuchsrundgang Erdbeeranbau in Köln-Auweiler

Eine halbe Hundertschaft Interessenten waren nach Auweiler gekommen, um Versuche zur Verfrühung von Erdbeeren anzusehen.
Foto: Aldenhoff

Zum „Versuchsrundgang Erdbeeranbau“ am 17. Mai 2018 hatten die Experten Ludger Linnemannstöns und Simon Schrey vom Versuchszentrum der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nach Köln-Auweiler eingeladen. Zu sehen und zu verkosten gab es Versuche im Wandertunnel zu Grünpflanzenkultur, zweijährigen Anbau und Neupflanzungen im alten Damm; Versuche zu Frühzeitigkeit und Anbaueignung unter Doppelabdeckung, Wandertunnel, in Stellagenkultur und im Substratdamm; Sortenprüfungen in verschiedenen Kulturverfahren; Versuche mit remontierenden Erdbeeren sowie zur Wachstumsregulation von Erdbeeren mit Regalis.

Ludger Linnemannstöns bezeichnete die Saison am Tag der Veranstaltung als bisher sehr schwierig, aufgrund der warmen Wochen im April hatten sich die Sätze zusammengeschoben, sodass Mitte Mai eine kompakte Ernte im Gange war. „Vom Herbst her hatten wir viele Blüten und einen guten Blütenansatz. Zusammen mit der Witterung war das im Grunde zu viel“, so der Experte. So blieben die Früchte bei vielen Sorten bald zu klein.

Los ging der Rundgang im Tunnel. Neben der Standardfrühsorte `Clery´ waren hier unter anderem auch `Flair´, `Malling Centenary´ und einige neuere Sorten wie `Allegro´ (Fresh Forward), `Olivia´ und `Julietta´ (beide Driscoll’s) sowie zwei Nummernsorten von Hansabred im August als Grünpflanzen aufgepflanzt worden. Als erstes kam `Flair´ am 26.4. zur Ernte, gefolgt von `Clery´ und `Malling Centenary´ am 3.5. Die Früchte konnten verkostet und die Pflanzen im Bestand begutachtet werden. Die gleichen Sorten waren noch einmal ohne Tunnel mit Doppelabdeckung kultiviert worden, was einen direkten Vergleich ermöglichte. Wachstumsunterschiede zwischen den Sorten zeigten sich dort wie im Tunnel, dessen Ernte aber insgesamt rund 14 Tage Vorsprung hatte.

Verschiedene Sorten ganz ohne Verfrühung kamen in Auweiler in diesem Jahr sehr früh zur Reife, sodass hier für Ende Mai die Haupternte erwartet wurde. „Nur echte Spätsorten wie `Malwina´ und `Magnus´ werden spät sein“, prophezeite Linnemannstöns.

Versuche mit Nachpflanzungen

In einem anderen Tunnel wurde parallel zu einer zweijährigen Kultur mit Nachpflanzungen von `Clery´ experimentiert. Dafür wurden die alten Pflanzen mit einem Spargelmesser entfernt, etwas Substrat in das Loch eingefüllt, neu gepflanzt und angegossen. Dies geschah in drei Sätzen am 11.8., 16.8. und 22.8. Außerdem wurden in diesem Versuch die zweijährigen Pflanzen der Sorten `Clery´, `Flair´, `Malling Centenary´ und `Allegro´ jeweils in zwei Varianten entweder abgemulcht oder die Kronen gebrochen. „Was man gut sieht, ist, dass das Nachpflanzen von `Clery´ in die alten Dämme gut funktioniert hat. Wir liegen allerdings momentan im Ertrag schon etwa 200 g niedriger als nebenan bei den Grünpflanzen mit gleichem Pflanztermin“, erläuterte Linnemannstöns. Die etwas schwächeren, offeneren Pflanzen erleichterten die Pflücke.

Pflanztermine und –materialien im Freiland

Einen Vergleich unterschiedlicher Pflanztermine und Pflanzmaterialien der Sorte `Allegro´ im Freilandanbau präsentierte Versuchsingenieur Simon Schrey. Sowohl Frigo- als auch Grünpflanzen wurden zu Terminen zwischen 5.7. und 15.8. gepflanzt. Da diese Sorte sehr wüchsig ist, wurden die am 9.8. gepflanzten Grünpflanzen überdies in drei Varianten beobachtet: 1. unbehandelt, 2. vier Wochen nach Pflanzung mit Regalis behandelt und 3. im Frühjahr mit Folicur (momentan nicht in Erdbeeren zugelassen) behandelt. Unterschiede in der Belaubung und der Länge der Fruchtstiele waren erkennbar. Einsatzzeitpunkte und Aufwandmengen für Regalis müssten allerdings noch weiter erforscht werden, teilte Schrey mit.

Regalis regelt Wachstum

In einem weiteren Freilandversuch wurden verschiedene Nummernsorten von CIV auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft sowie die Standardsorten `Clery´ und `Elsanta´ mit Regalis (1 x, 2 x bzw. 4x) behandelt. Der Wachstumsregler führte zu deutlich gestauchten Pflanzen, reduzierter Zahl Ausläufer und einem späteren Erntebeginn. Eine Standardempfehlung für Aufwandmenge und Einsatzzeitpunkte sei unter anderem wegen der Sortenunterschiede nicht möglich. Schrey verwies auf einen Versuch aus dem vergangenen Jahr mit Frigopflanzen, wo das Regalis ganz gut gewirkt habe bei zwei Behandlungen (4 und 8 Wochen nach Pflanzung).

Stellagen und Substratdämme

Einen Vorsprung von 14 Tagen hatte der Wandertunnel auch vor den „kalten Stellagen“ im Folienhaus, wo ebenfalls einmaltragende Sorten wie `Clery´, `Malling Centenary´, `Opera´ und `Allegro´ kultiviert wurden. In den Stellagen wurde mit der Dichtpflanzung von `Malling Centenary´ experimentiert. Ludger Linnemannstöns erläuterte den Hintergrund: „Wenn man im Frühjahr pflanzt, hat man mit schweren Wartebeet- oder Traypflanzen das Problem, dass die Anzahl Blütenstände nicht sicher genug ist und die Kultur damit eventuell unrentabel wird. Daher hatten wir die Idee, FrigoA-Pflanzen in den Varianten 24, 28 und 36 Pfl./lfm zu setzen.“

Als optimal erwies sich eine Pflanzdichte von 24-30 Pfl./lfm. Die Pflanzen wurden als Durchkultur über Winter oben stehen gelassen, es wurden keine Kronen ausgebrochen und die Pflanzen haben noch zusätzliche Rhizome gemacht. Am Tag des Rundgangs zeigten sich gute Fruchtgrößen und es war ein sehr guter Ertrag zu erwarten. Da das Folienhaus nicht ganz dicht schließt, war der Erntebeginn mit der Doppelabdeckung vergleichbar. Allerdings seien in der Stellage die Pflückleistungen durchschnittlich um 80-100 % besser als am Boden, so die Erfahrung in Auweiler.

Das A und O bei der Stellagenkultur sei die Wasserversorgung, so der Beerenexperte: „Nicht statisch auf Drain fahren, sondern die Pflanzen gut beobachten, um eine gleichmäßige Feuchtigkeit zu gewährleisten.“

In einem Versuch wird mit einem ammoniumhaltigen Dünger experimentiert. Ganz genau möchte es zurzeit ein Student wissen, dessen Versuch Simon Schrey vorstellte: Wann benötigt die Erdbeerpflanze wie viel Nährstoffe? Dafür wurden am 15.3. schwere Wartebeetpflanzen der Sorte `Malling Centenary´ mit 12 Pfl./lfm gepflanzt, die am 11.5. erstmals beerntet wurden. Über die gesamte Kulturzeit werden jede Woche einzelne Pflanzen davon oberirdisch abgeschnitten und auf ihre Nährstoffgehalte analysiert. Auch Rhizom und Wurzeln wurden einmal zu Beginn und einmal am Ende der Kultur analysiert. Die Ergebnisse stehen noch aus.

Wie Stellagen im Gewächshaus nutzen?

Ludger Linnemannstöns sieht drei Möglichkeiten für die Nutzung von Stellagen im Gewächshaus:

1. Der Anbau von zwei Terminkulturen übers Jahr, was allerdings relativ teuer ist.

2. Die Durchkultur mit rund 2-3 kg/m im Herbst und etwa 5-6 kg/m im Frühjahr. Diese Pflanzen seien zwar im Frühjahr etwas spät dran, lieferten aber sehr gute Qualitäten.

3. Im Frühjahr mit Tray- oder Frigopflanzen remontierender Sorten starten mit dem Ziel 7-8 kg/m.

Auch mit Substratdämmen oder so genannten Hochstädter Dämmen wird in Auweiler gearbeitet. Dort gab es unter anderem einen Versuch zur Durchkultur mit den Sorten `Clery´ und `Malling Centenary´, der Mitte Juli 2017 mit Frigo A-Pflanzen gepflanzt wurde. Die Pflanzen wurden im Herbst einmal beerntet und dann je nach Variante Blüten herausgenommen oder nicht. Es sollte der Einfluss des Belassens oder Entfernens der Blütenstände auf den Ertrag im Folgejahr beobachtet werden. Mitte Mai zeichnete sich ab, dass die Erträge in den Varianten, wo Blüten entfernt worden waren, deutlich höher sein würden.

Zwei Ernten im Damm

Außerdem wurden im Substratdamm Topfgrünpflanzen von `Clery´ und `Flair´, die direkt in die Rinne gepflanzt worden waren, mit Topfgrünpflanzen der gleichen Sorten, die in einen Meterbak von Beekenkamp in die Dammrinne gesetzt wurden, verglichen. Vorteil des Pflanzgefäßes ist wohl eine bessere Drainierung, sodass das Vernässungsrisiko sinkt. Überdies können mit dieser Methode die Erdbeerpflanzen an anderer Stelle vorkultiviert werden, sodass man auf zwei Ernten im gleichen Damm kommen kann. Hinsichtlich der Frühzeitigkeit gab es keine Unterschiede zwischen den Varianten mit und ohne Meterbak. Die Kultur im Substratdamm im Tunnel habe eine lange Überlappungszeit mit der Freilandproduktion. 4-5 kg Ertrag/m sollten schon erzielt werden. Für gute Pflückleistungen sind Blattschnüre am Damm nötig, Trossbänder hingegen nicht.

Remontierende Sorten

Das „etwas andere Kulturverfahren“ stellte Ludger Linnemannstöns vor: Remontierende Sorten im Damm zu einem Zeitpunkt setzen, zu dem man normalerwiese eine Sommersorte setzt. „Das machen wir schon seit einigen Jahren. Es führt zu guten Erträgen im Frühbereich.“ Im Versuch wurden verschiedene Sorten, darunter `Murano´, `Arabella´ und `Florentina´ mit Terminen zwischen 11.8. und 7.9. als Topfgrünpflanzen gepflanzt. Mit Frigopflanzen gehe das nicht so gut. Übertunnelt wurde Ende Januar mit einer zusätzlichen Vliesabdeckung bis Blühbeginn. `Murano´ beispielsweise zeigte sich in diesem Anbauverfahren ähnlich frühzeitig wie eine `Clery´. Nach der ersten Pflücke gelte es, die Pflanzen vital zu halten, denn nach hinten könne das Potential noch beachtlich sein. Der Tunnel bleibe dafür einfach stehen. Allerdings sei ein intensives Nützlingsprogramm nötig, um vor allem den Kalifornischen Blütenthrips, aber auch Spinnmilben in Schach zu halten. Echten Mehltau gelte es frühzeitig zu bekämpfen, wenn er einmal im Bestand sei, werde es schwierig.

Auch in Stellagen im Foliengewächshaus werden in Auweiler unter anderem remontierende Sorten getestet, darunter `Katrina´ und `Zara´ von Driscoll’s als Traypflanzen gesetzt. Sie zeigten am 17. Mai erste Früchte. „Unserer Meinung nach kann man für eine frühe Ernte besser mit Traypflanzen starten als mit Frigopflanzen“, erläuterte Linnemannstöns. Blüten könnten drin bleiben, trotz vorheriger Belastung hätten die Remontierer dann im Sommer noch einen guten Ertrag. Allerdings kämen sie dann mit ihrer Ernte in die Freilandsaison. Für das Ziel 7 kg/m seien die Sorten `Florentina´, `Murano´ und `Harmony´ derzeit zu empfehlen. Allerdings seien bei den remontierenden Sorten die Praktikererfahrungen, also wer mit welcher Sorte am besten zurechtkommt, sehr unterschiedlich.

Kältebedarf getestet

In einem anderen Versuch im Folienhaus wurden Traypflanzen der Sorten `Murano´, `Verity´, `Portola´ und `Florentina´ auf ihren Kältebedarf getestet. Das heißt, sie wurden ab dem 15.12. bei unterschiedlichen Temperaturen (Kühlhaus, Folienhaus mit Vlies frostfrei, Gewächshaus 8 °C, Gewächshaus 12 °C) überwintert. Alle Pflanzen hatten auf dem Trayfeld bereits 400-600 Kältestunden (<7 °C) bekommen. Im Frühjahr zeigten sich die Pflanzen aus Kühl- und Folienhaus wesentlich vegetativer. Die Pflanzen aus dem Gewächshaus hingegen, die also keine weiteren Kältestunden mehr bekommen hatten, schoben frühzeitig Blüten, wobei aber die Blütenstände relativ kurz blieben. Sie machten auch wesentlich weniger Ausläufer. Bis Mitte Mai den besten Ertrag lieferte allerdings die Variante mit den Pflanzen aus dem Folienhaus mit Vlies darüber zum Überwintern. Die weitere Ertragsentwicklung sei allerdings noch abzuwarten.

Versuch des Pflanzenschutzdienstes

Der Pflanzenschutzdienst testete diese Saison in Erdbeeren verschiedene Biologica (Mittel mit biologischen Wirkstoffen) gegen Botrytis. Mitte Mai waren erste ganz gute Ergebnisse zu sehen, allerdings eher in der Lagerung als an den Pflanzen selbst, die bis dahin nur gering mit Botrytis befallen waren. In der Lagerung wurde bei unbehandelten Früchten nach ein bis zwei Tagen Botrytis sichtbar, bei mit Biologica behandelten erst nach drei bis vier Tagen. Das vorläufige Fazit lautete, dass man mit Biologica als Unterstützung etwas erreichen kann, wenn man keinen großen Befallsdruck hat, geeignet für schnelle Vermarktungswege, wo wenig Rückstände gefragt sind.

Sabine Aldenhoff