18.11.2019

Erdbeeren von höchster Qualität

Danny Laurijssen, BE-Meer

„Gold“ ist die höchste Qualitätsstufe bei Erdbeeren aus Hoogstraten
Foto: Aldenhoff

„Hallo, ich bin Danny Laurijssen und zusammen mit meiner Frau Jeannine kultiviere ich Erdbeeren und Kirschen für Hoogstraten. Wir haben einen modernen Betrieb, dessen Produktion auf Qualität anstelle von Quantität ausgerichtet ist. Wir sind stets bereit, etwas Neues auszuprobieren und so haben wir uns für Kirschen zusätzlich zu unseren Erdbeeren entschieden….“ So stellt sich der passionierte Erdbeeranbauer aus dem belgischen Meer auf der Homepage der Erzeugergenossenschaft Coöperatie Hoogstraten den Verbrauchern vor.

Was im Jahr 2005 mit 5 000 Erdbeerpflanzen begann, ist heute ein moderner Betrieb mit rund 3,5 ha Hochglas sowie 8 000 m² Foliengewächshaus (5 m Stehwandhöhe, 9,6 m Schiffbreite) allein für die Erdbeeren. Sie werden von Anfang März bis Ende Dezember geliefert. Garantie dafür ist ein ausgeklügeltes Kultursystem mit einem Satz `Elsanta´, der im Herbst und Frühjahr beerntet wird, alle anderen Sätze verschiedener Sorten (`Sonsation´, `Limalexia´, `Verity´, `Murano´, `Elsanta´) werden nur einmal beerntet.

Sämtliche Erdbeeren wachsen im Substrat und werden selbst vermehrt. Für `Elsanta´ werden Elite-Mutterpflanzen gepflanzt und ihre Stecklinge getopft, andere Sorten werden aufgrund der Lizenzvorgaben als wurzelnackte Frigo-Ware zugekauft und auf eigenen Trayfeldern großgezogen.
Kultur

Für die zweifache Ernte werden selbst vermehre `Elsanta´-Traypflanzen Anfang August in 4,7-l-Töpfe gelegt und mit viel Substrat abgedeckt. Normalerweise sollte die erste Ernte dann Mitte/Ende September beginnen. In den letzten zwei Jahren wurden die Früchte aber aufgrund der Hitze bereits zehn Tage früher reif. Anfang Dezember endet die Pflücke. Damit die zweite Ernte im April erfolgreich ist, müssen die Pflanzen sich nach der ersten Ernte gut erholen. Mit Hilfe eines Mikroskops wird geguckt, ob genügend Blüten angelegt sind. Drei Triebe pro Krone und gute Wurzeln sind erwünscht. Im Dezember und Januar wird nur auf 1 °C geheizt, um die Kältesumme zu erreichen. Ab Februar wird dann wieder angeheizt und mit Energiesparlampen belichtet.

Für die Kultur von `Verity´ mit Ernte von Mitte Juli bis Ende Oktober wurden bewusst wurzelnackte Frigo B-Pflanzen vom Vermehrer gekauft. Die Pflanzen sollten beim Stecken im März klein sein in der Trayplatte. Die Winterblüten wurden entfernt und die Erdbeerpflanzen bis Mitte Juni auf dem Trayfeld herangezogen. Dann wurden sie bereits mit kleinen grünen Früchten zu fünft in 50 cm lange Container gepflanzt und ins Glashaus gebracht. Drei Wochen nach der Pflanzung konnten schon die ersten roten Früchte geerntet werden.

Als Substrat bevorzugt Danny Laurijssen Weißtorf. Kokos würde zu viel Silicium im Recyclingwasser anreichern. Das kann zu Albinofrüchten oder anderen Problemen mit der Fruchtqualität führen. Dem Betrieb steht gutes Brunnenwasser mit etwas Siliciumgehalt zur Verfügung. Wird es mit Regenwasser verschnitten, so ist der Siliciumgehalt tolerierbar.

Eigene Vermehrung

Zur eigenen Vermehrung von `Elsanta´ werden im Frühjahr Elite-Mutterpflanzen in Trays gepflanzt und im Freien aufgestellt. Anfang Juni werden sie in das Gewächshaus gebracht, wo zuvor die zweite Ernte von `Elsanta´ abgeschlossen wurde. Blüten werden entfernt und Ausläufer herangezogen. Bis zu 80 Stecklinge/m² können so geerntet werden. Wenn die Pflanzen bereits Ende Mai ins Gewächshaus kommen, können sogar bis zu 120 Stecklinge/m² geerntet werden.

Mitte Juli werden Stecklinge von `Elsanta´, `Murano´ und `Sonsation´ in Traypflanzen gesteckt und im Freien auf einem Trayfeld kultiviert. Blüten werden ausgepflückt. Direkt nach dem Stecken werden die jungen Pflanzen für fünf bis sieben Tage alle 10 min für 2 min beregnet, dann werden die Abstände alle zwei Tage erhöht: alle 15 min für 3 min beregnen, alle 30 min für 4 min und alle 60 min für 5 min beregnen. Nach 14 Tagen haben die Pflanzen genug Wurzeln, sodass sie nur noch morgens für 15 min bewässert werden und bei Bedarf nochmal über Tag.

In den heißen Sommern haben sich Traypflanzen bewährt, denn sie haben mehr Wurzelsystem zum Weiterwachsen direkt nach dem Topfen als wurzelnackte Pflanzen und können so mit der Hitze besser klarkommen. Direkt nach der Pflanzung wird in den ersten zwei Tagen alle halbe Stunde für 3 min die Sprinklerberegnung betätigt. Danach bis etwa zum zehnten Tag nur noch einmal in der Stunde für 2 min. So wird die Evaporation der Blätter gestoppt und die Pflanzen können ihre ganze Energie dem Wurzelsystem widmen. Zu beachten ist allerdings, dass die Pflanzen trocken in die Nacht gehen. Überdies werden bei Hitze die Gewächshausdächer von außen mit gesammeltem Regenwasser beregnet, was für etwas Abkühlung im Inneren sorgt.

Sorten

Mit dem Anbau von `Murano´ war Laurijssen vor gut sechs Jahren einer der ersten in der Region. Heute ist sie die Hauptsorte der Remontierer in Hoogstraten. Den Ertrag von `Murano´ aus Traypflanzen mit 8 Pfl./lfm beziffert der Erdbeeranbauer auf rund 10 kg/lfm. Als weitere immertragende Sorte wird die englische Züchtung `Verity´ kultiviert. Sie zeichnet sich durch guten Geschmack und sehr hochwertige Fruchtqualitäten mit gutem Shelf Life aus. Die Farbe reifer Früchte wird nicht dunkel.
An Juniträgern werden die Sorten `Elsanta´, `Sonsation´ und `Limalexia´ angebaut. `Sonsation´ lieferte im Frühjahr gute Fruchtgrößen bis zum Kulturende mit hohen Erträgen und wurde gut vom Markt angenommen. Die neue Sorte von Flevo Berry ist nicht anfällig für Phytophthora cactorum. Wegen der Hitze fiel die Herbstkultur von `Sonsation´ nicht so zufriedenstellend aus, die Pflanzen waren zu schwer und lieferten viele kleine Früchte. Überdies zeigte sich die Sorte bei Hitze anfällig für weiche, wässrige Früchte. Dirk Vermeiren, Erdbeerberater vom Proefcentrum Hoogstraten, empfiehlt `Sonsation´ daher für das kühle Frühjahr mit sonnigen Tagen und kalten Nächten.

Pflanzenschutz

Der biologische Pflanzenschutz steht eindeutig im Vordergrund in der Erdbeerproduktion für die Coöperatie Hoogstraten – zum einen aus Überzeugung, zum anderen, weil sich bestimmte Schädlinge schon gar nicht mehr anders bekämpfen lassen. So beispielsweise der Kalifornische Blütenthrips, der große Probleme bereitet und extrem resistent gegenüber chemischen Pflanzenschutzmitteln ist. Hier kommen Nützlinge zum Einsatz. Um diese zu schützen, werden dann auch andere Schädlinge biologisch bekämpft wie beispielsweise Spinnmilben. In den letzten zwei Jahren habe das ganz gut funktioniert, so die Betriebsleiterin Inne Francken. Neoseiulus cucumeris Raubmilben werden direkt nach der Sprinklerphase gestreut und regelmäßig in Tütchen ausgebracht. Außerdem wird Orius laevigatus eingesetzt gegen Thripse. Encarsia formosa Schlupfwespen halten im Sommer Weiße Fliegen gut in Schach.

Neue Herausforderungen bietet der Gewächshauszünsler. Der Falter Duponchelia fovealis schädigt die Erdbeerpflanzen sehr stark, indem seine Larven Knospen und Köpfe der Pflanzen fressen. Die Bekämpfung erweist sich als schwierig, weil sich die Larven im Substrat verstecken. Mit Hilfe von Pheromonfallen wird der Befall kontrolliert. Bacillus thuringiensis-Präparate werden über Kopf und auf die Substratoberfläche gesprüht. Der neue Schaderreger soll künftig noch früher und intensiver beobachtet werden.

Gegen Mehltau wird gelegentlich gespritzt im Gewächshaus. Mit Pflanzenstärkungsmitteln wird versucht, die Erdbeerpflanzen robust und widerstandsfähig zu halten.

Sabine Aldenhoff