09.11.2016

Für einen guten Start in die Saison

Wie viel Kälteeinheiten sind notwendig?

Die Frühzeitigkeit und Intensität des Austriebes werden u.a. durch den Kältereiz und die Austriebstemperatur mitbetimmt
Foto: Scheel

 

Die Temperaturen während der Dormanzphase (Ruhephase) des Spargels beeinflussen das Austriebsverhalten von Spargel in zwei Richtungen, einerseits hinsichtlich der Frühzeitigkeit und anderseits hinsichtlich der Austriebsintensität. Die aktuellste Publikation dazu (Chen und Liu, 2016) beschreibt für die Sorte `Apollo´ günstige Bedingungen für den Austrieb, wenn an 30 Tagen Temperaturen unter 2 °C oder an 45 Tagen Temperaturen unter 5 °C in Rhizomnähe nicht überschritten wurden.

In den Jahren von 2007 bis  2010 wurden zu dieser Fragestellung im Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren/Erfurt drei Versuche in Klimakammern durchgeführt. Dazu erfolgte die Kultivierung von ein- bzw. zweijährigen Kronenpflanzen in 2 l Töpfen. Nach dem Absterben des Krautes erfolgte die Etablierung der Temperaturvarianten von -5 °, 0 °, 5 ° und 10 °C für die 42tägige Kälteperiode. Nach dieser Kälteperiode wurden jeweils acht Pflanzen der Temperaturvarianten in Klimakammern mit Austriebstemperaturen von 12 °, 16 ° und 20 °C überführt.

Zusätzlich wurden verschiedene Sorten und der Effekt von fluktuierenden Temperaturen während der Kälteperiode auf das Austriebsverhalten untersucht. Gemessen wurde die Dauer der Austriebsperiode als Anzahl Tage nach Beendigung der Kälteperiode bis zum sichtbaren Wachstumsbeginn (Bud Break) der ersten Stange (5 mm lang).

Die Töpfe standen in den Klimakammern im Dunklen und die Kronen waren nur minimal mit Erde bedeckt, so dass der Bud Break gut sichtbar war. Wenn die Stangen eine Länge von 100 mm erreicht hatten, wurden sie abgeschnitten. Zur Bewertung der Austriebsintensität erfolgte die Zählung der Stangen je Topf vom Zeitpunkt des Bud Breaks bis zum Erreichen von 250 Gradtagen. Dies war bei einer Austriebstemperatur von 12 °C nach 21 Tagen und bei 16° C bzw. 20 °C nach 16 bzw. 13 Tagen der Fall. Die Größenordnung 250 Gradtage wurde gewählt, da das Stangenwachstum stark temperaturabhängig ist und ansonsten kein temperaturunabhängiger Vergleich der Austriebsintensität bei verschiedenen Austriebstemperaturen realisierbar ist.

Frühzeitigkeit

In Abb. 1 ist die Dauer der Austriebsperiode in Abhängigkeit von der Austriebstemperatur und der Temperatur in der Kälteperiode für verschiedenen Sorten dargestellt. Bei einer niedrigen Austriebstemperatur um 12 °C ist die Zeitspanne bis zum Wachstumsbeginn der Stangen deutlich länger als bei höheren Temperaturen. Diese Zeitspanne ist aber zusätzlich von der Temperatur in der Kälteperiode abhängig. Lag die Temperatur in der Kälteperiode bei 0 °C, so ist bei einer Austriebstemperatur von 12 °C die Zeitspanne um bis zu 50 % verkürzt. Der Kälteeffekt nimmt mit steigender Austriebstemperatur ab und ist bei Austriebstemperaturen um 20 °C deutlich geringer, scheint aber nicht ganz zu verschwinden. Die Versuchsergebnisse aus den anderen Jahren für die Sorte `Gijnlim´ decken sich mit diesen Ergebnissen.

Fluktuierende Temperaturen in der 42 tägigen Kälteperiode verstärkten den Effekt der Frühzeitigkeit (Abb.2) insbesondere bei niedrigen Austriebstemperaturen von 12 °C.

Austriebsintensität

In dem Jahr 2007 mit einem sehr milden Winter wurde beobachtet, dass die Austriebsintensität gering war. In den ersten 14 Tagen nach dem Erntebeginn war der Ertrag deutlich niedriger als in den Vorjahren und zu viele Erntehelfer bereits in den Betrieben. Die Ergebnisse der in Großbeeren durchgeführten Untersuchungen belegen die Richtigkeit der damals aufgestellten Hypothese: ‚eine unzureichend kalte Periode hinsichtlich tieferer Temperaturen (unter 5 °C) in Rhizomnähe beeinträchtigt die Austriebsintensität‘.

In der Abb. 3 sind die Ergebnisse für die untersuchten Sorten dargestellt. Bei Austriebstemperaturen von 16 und 20 °C zeigen sich bei den Sorten `Gijnlim´ und `Ravel´ deutliche Effekte in Abhängigkeit von der Temperatur während der Kälteperiode. `Gijnlim´ und `Ravel´ sind dünnere Sorten mit einer höheren Anzahl an Knospen. Eine ausgeprägte Kälteperiode führt bei diesen Sorten zu mehr Stangen bei Austriebstemperaturen größer 16 °C.

`Backlim´, eine Sorte für den späteren Erntebeginn mit dickeren Stangen, zeigt keine Unterschiede in der Austriebsintensität in Abhängigkeit von der Kälteeinwirkung, aber auch nicht in Abhängigkeit von den Austriebstemperaturen.

Fluktuierende Temperaturen in der Kälteperiode führen bei Austriebstemperaturen um 16 °C zu mehr Stangen bei der Sorte `Gijnlim´ im Vergleich zur konstanten mittleren Temperatur gleicher Größenordnung (Abb. 4). Dies wurde auch in zwei weiteren Versuchen bestätigt.

Kälteperiode ausreichend oder nicht?

Die durchschnittlichen Wintertemperaturen sind nicht nur regional sehr verschieden, sondern auch von Jahr zu Jahr. So ergab beispielweise eine Auswertung der Daten des Deutschen Wetterdienstes für die Station Deuselbach in Rheinland-Pfalz, dass in der Zeit von November bis Ende Januar die Bodentemperatur in 20 cm Tiefe an mehr als 60 Tagen in den meisten Jahren unter 5 °C gelegen hat. In dem Winter 2006/2007 waren es jedoch nur 37 Tage und von 2009/2010 56 Tage.

Frühzeitiges Abdecken kann Kältereiz minimieren

In vielen Fällen wird die Kälteperiode ausreichen, aber sehr frühzeitiges Abdecken mit schwarzer Folie kann in ungünstigen Jahren den Effekt eines nicht ausreichenden Kältereizes noch verstärken. Hohe Austriebstemperaturen durch Mehrfachbedeckung führen später zu einer Verringerung des negativen Effektes hinsichtlich der Frühzeitigkeit, aber die Austriebsintensität bleibt beeinträchtigt.

Dr. Carmen Feller, Leibniz-Institute of Vegetable and Ornamental Crops (IGZ), Großbeeren

 

 


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Ausgabe 01/2017

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