16.11.2018

GKL-Tagung in Köln-Auweiler - Strategien im geschützten Anbau

Welche Ergebnisse gibt es zu Steinobstüberdachungen? Wohin geht der Trend beim geschützten Erdbeeranbau und wie finden bestimmte Schädlinge den geschützten Anbau? All dies waren Themen des zweiten Tages der GKL-Tagung Ende September in Köln-Auweiler.

Bei Erdbeeren hat sich die Stellagenkultur im geschützten Anbau etabliert
Foto: Valenta

Martin Balmer, DLR Rheinpfalz, stellte zunächst die Vor- und Nachteile einer Süßkirschenüberdachung gegenüber. Neben dem Schutz vor Platzen, Hagel und Vogelfraß, bieten Überdachungen bei Kirschen auch einen gewissen Frostschutz. Auch weniger Sonnenbrand, weniger Fäulnis sowie weniger Pseudomonas-Infektionen lassen sich unter Dächern beobachten. Zudem ist eine Ernte im Trockenen möglich. Nachteile sind die hohen Erstellungskosten, die zusätzliche Arbeit für Aufbringen und Abdecken der Folie und die Schwierigkeit bei der Genehmigung in Schutzgebieten. Auch das verstärkte vegetative Wachstum, das vermehrte Auftreten von Spinnmilben und die schlechtere Durchlüftung der Bestände können zu Problemen werden.

Versuchsergebnisse

In Versuchen konnte gezeigt werden, dass eine Überdachung von Anfang Mai bis Mitte Juli das Triebwachstum gegenüber der nicht-überdachten Kontrolle erhöht. Der Zuckergehalt der Früchte ist unter dem Dach etwas geringer, was allerdings durch einen ebenfalls geringeren Säuregehalt ausgeglichen wird. Die Fruchtfestigkeit kann v.a. im oberen Baumbereich unter dem Dach geringer sein, da dort gerade in heißen, strahlungsreichen Sommern bis zu 10 °C höhere Temperaturen als im unteren Baumbereich herrschen.

Auch als Frostschutz spielt die Folienüberdachung bei Kirschen eine Rolle. In Versuchen 2010 und 2017 sind bei den überdachten Kirschen deutlich weniger Blüten erfroren als bei den Freiland-Bäumen. Ein Versuch 2014, die Frostschutzwirkung der Folie durch zusätzliche Beregnung (Reifbildung für weniger Wärmedurchgang) zu erhöhen, brachte kein erfolgreiches Ergebnis.

Beim Zwetschenanbau sieht Martin Balmer lediglich im Premium-Segment – z.B. mit den Sorten `Haroma´ oder `Presenta´ - Chancen für einen rentablen geschützten Anbau. In einem Versuch 2018 konnte gezeigt werden, dass der Zuckergehalt unter Dach etwas geringer ausfällt und die Festigkeit etwas leidet. Es ist deshalb wichtig, nicht zu früh abzudecken.

Tunnel statt Dach?

Kirschen im Tunnel anzubauen, um eine Verfrühung zu erreichen, wird laut Martin Balmer weltweit in wenigen Anlagen gemacht. In Klein-Altendorf gibt es seit 2002 eine solche Anlage. Getestet werden dort 5 Sorten auf GiSelA5, mit Spindelerziehung und Bodenabdeckung mit Mypex/Extenday. Die Verfrühung beginnt ca. drei Wochen vor der Blüte im Freiland. Laut Balmer kann eine Verfrühung von bis zu 18 Tagen erreicht werden. Seit 2018 wird auch im Versuchsbetrieb in Oppenheim ein Tunnel für Kirschen und Aprikosen getestet. Zu klären ist noch, wie die Temperatur in solchen Tunneln optimal geregelt werden kann, da es bei Temperaturen von über 30 °C z.B. zum kompletten Abfallen der Blüten kommen kann. Außerdem müssen Pflanzenschutzmittel erst für den Einsatz im Tunnel geprüft und zugelassen werden.

Erdbeeren sind der „Klassiker“ im geschützten Anbau. Ungefähr 1 600 bis 1 800 ha sind laut Ludger Linnemannstöns, Landwirtschaftskammer NRW, in Deutschland im geschützten Anbau. Neben Wandertunneln werden zunehmend auch stationäre Tunnel und Gewächshäuser (aus Folie oder Glas) gebaut. Beim Anbausystem hat sich die Stellagenkultur bereits etabliert, da sie einige Vorteile bietet. Neben dem Arbeiten in angenehmer Höhe und einer damit verbundenen deutlich höheren Pflückleistung (doppelt so hoch wie im Freiland) sind die Fruchtqualitäten auch besser als bei Bodenkulturen. Einzelreihenstellagen mit Regenkappen werden v.a. in den Niederlanden gebaut, in Deutschland weniger. Vorteil: Es ist meist keine Baugenehmigung nötig und im Sommer kommt es weniger zu Hitzestau, da die Durchlüftung besser ist. Allerdings arbeiten die Pflücker im Regen und man hat keinen Verfrühungseffekt.

Probleme unter dem Dach

Dass im geschützten Anbau nicht immer alles besser ist, stellte Ralf Jung vom Pflanzenschutzdienst der LWK NRW dar. Denn einige Schädlinge fühlen sich in dem geschützten Klima erst so richtig wohl, wie der Kalifornische Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) oder der Erdbeermehtlau (Sphaerotheca macularis).

Gegen den Blütenthrips, der sich - nach Auswertung mehrerer Versuche – auch in geschlossenen Blüten aufhält und teilweise bereits mit dem Substrat der Jungpflanzen eingeschleppt wird oder im Substrat überwintert, ist kein Pflanzenschutzmittel zugelassen. Anbautechnische Maßnahmen sind: keine Folie über den Winter über den Kulturen und Folie nicht vor Anfang Februar aufziehen; keine niedrigen Stellagen; keine Abdeckung mit Gewebefolie, besser ist eine Graseinsaat; Substratdämme bei Remontiereren sind besonders anfällig; jährlicher Wechsel des Substrats; keine niedrigen Seitenlüftungen; Netze gegen Kirschessigfliege (0,8-0 mm Maschenweite) verzögern, aber verhindern keinen Befall.

Wichtig bei der Bekämpfung des Kalifornischen Blütenthripses ist es, zunächst die Thripsart genau zu bestimmen und dann einen frühzeitigen Nützlingseinsatz zu starten. Als Nützlinge eignen sich die Raubmilben Amblyseius barkeri, A. cucumeris und A. swirskii sowie Hypoaspis miles. Der Einsatz ist zwar sehr kostspielig, „könne sich aber über den Erntezeitpunkt lohnen“, so Ralf Jung.

Gegen den Erdbeermehltau, der sich mit rötlichen Nekrosen auf der Blattoberseite und leichten, weißen Konidienbelag zeigt, sind verschiedene Pflanzenschutzmittel zugelassen. AQ 10 WG, Flint, Fortess 250, Kumar, Kumulus WG und Topas gehören dazu. Bei einer Kombination von Signum und Kumar kann es allerdings zu Unverträglichkeiten kommen.

Marion Valenta