18.03.2020

Grenzschließungen wegen Corona-Virus verhindert Einreise von Erntehelfern

Viele Erntekräfte aus Rumänien und anderen Ländern wollen in Deutschland ihre Arbeit antreten, doch die Grenzen zur Durchreise sind gegenwärtig dicht. Die Bundesregierung ist aufgefordert, die Rahmenbedingungen für eine Ein- und Durchreise kurzfristig zu ermöglichen, sonst droht auf den Sonderkulturbetrieben eine Situation mit unabsehbaren Folgen, auch für die Versorgung der Bevölkerung
Foto: VSSE e.V./Christoph Göckel

Wie das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände berichtet, wurden die ersten Spargelstangen in Deutschland schon geerntet. Die gleichmäßigen Temperaturen haben für ein optimales Wachstum des Edelgemüses gesorgt. Damit ist der Spargel das Vorreitergemüse unter den Gemüsekulturen. Doch alleine die Erntehelfer bleiben aufgrund der aktuellen Corona-Situation aus.

„Vorgestern konnten Erntehelfer mit einer Arbeitsbescheinigung vom Anbaubetrieb noch für kurze Zeit die Grenzen passieren. Nun sind alle Grenzen dicht. Obwohl viele der Arbeitskräfte aus Rumänien Spargel in Deutschland ernten wollen, können sie das nicht. Und die Anbauer wissen nicht, wie sie die Ernte bewerkstelligen können.

Dabei ist es gerade jetzt wichtig, die Bevölkerung mit gesundem Obst und Gemüse zu versorgen. Auch ist nicht zu vergessen, dass beispielsweise die rumänischen Erntehelfer und -erntehelferinnen, die zum größten Teil die Anbauer bei der Ernte unterstützen, europäische Bürger sind, die sich mit der Ernte in Deutschland ein sehr wichtiges Zusatzeinkommen verdienen.

Die Bundesregierung muss unbedingt die Rahmenbedingungen für eine problemlose Einreise mit den anderen europäischen Ländern klären, damit diese die Ein- und Durchreise möglich machen“, erklärt Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE).

Das Folienmanagement kann die Ernte aktuell noch hinauszögern. „Indem die Spargelanbauer die transparenten Folien von den Dämmen nehmen, können sie die Temperaturen diese Woche ausbremsen. Aber schon kommende Woche sind nachts wieder Minusgrade gemeldet, was aus Gründen der späteren Stangenqualitäten den Schutz durch Folie notwendig macht. Die Situation in den Betrieben ist sehr angespannt, da nicht klar ist, wie viele Erntehelfer zur Ernte da sein können“, erklärt Anbauberater Dr. Ludger Aldenhoff.

Diese Situation bestätigt auch Jürgen Schulze, Vorstandssprecher des Verbands der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer e. V. (VOSBA). Das betrifft nicht nur die Spargelkultur in ganz Deutschland. Bei den meisten anderen Gemüsekulturen und auch einigen Obstkulturen wird aktuell mit der Pflanzung die Voraussetzungen für eine spätere Ernte geschaffen. Ohne Erntehelfer aus dem Ausland werden diese nur im begrenzten Maße stattfinden können.

Anreise der Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland muss gewährleistet sein

„Die Anreise für Arbeitskräfte aus dem europäischen Ausland muss sichergestellt sein. Das bedeutet konkret: Die deutschen Grenzen müssen für Arbeitskräfte offenbleiben und Transitwege durch Nachbarstaaten, wie Ungarn und Österreich, sowie Flüge bei einer Arbeitsplatzzusage möglich sein. Auch gilt es, die Vermarktung über die Genehmigung von Wochenmärkten und Direktvermarktungsständen, sowie die Hofläden und den Lebensmitteleinzelhandel sicher zu stellen“, betont Schumacher.

Der deutsche Obst- und Gemüsebau ist eine überlebenswichtige Wirtschaftsbranche für Deutschland, da er die Eigenversorgung der Bevölkerung sicherstellt. Sollte es zu weiteren Einschränkungen im Warenverkehr kommen, wäre diese Eigenversorgung über Importe nicht ausreichend sichergestellt.

Aktuelle Situation bringt deutschen Gemüse- und Obstanbau und inländische Versorgung in prekäre Lage

Sollte der deutsche Gemüse- und Obstanbau von politischer Seite keine umfassende Unterstützung bei der Sicherstellung von Erntehelferinnen und -helfern erhalten, werden durch Insolvenzen Lücken im Versorgungssystem entstehen. Auch nach einer Beruhigung der aktuellen Ausnahmesituation werden neue Betriebe diese nicht schließen können. Somit besteht die große Gefahr von nachhaltigen Versorgungsengpässen.

Zusätzlich stellen die Unternehmen in vielen ländlichen Regionen die wichtigsten Arbeitgeber dar. Ein Wegfall würde auch erhebliche soziale und wirtschaftliche Einschnitte für die Region bedeuten.

Weitere Informationen unter www.vsse.de