06.01.2017

Gründüngung im Spargelanbau

Stephan Kisters ist zufrieden mit seiner Gründüngung

Es grünt so grün im Spargelbestand! Wenn der Spargelaufwuchs auf den Feldern steht, wird viel Aufwand betrieben, um die Gassen frei von Unkraut zu halten. Dabei gibt es eine einfache Lösung, die noch viel mehr Vorteile bietet als nur die Unkrautunterdrückung: Gründüngung. Die Spargelberatung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hat gemeinsam mit Spargelanbauern aus der Region in den letzten drei Jahren Versuche zur idealen Gründüngungsmischung gefahren.

Wie Spargelanbauer Stephan Kisters aus Walbeck berichtet, hat bereits sein Vater Jakob nach der Ernte im Spargel Gründüngung ausgesät. Daran erinnerte sich der engagierte Anbauer vor einigen Jahren und plante die Gründüngung wieder fest in seine Praxis ein: „Mit der Gründüngung lassen sich Ökologie und Ökonomie zusammenführen.“ Standen im Jahr 2015 auf 5 ha Gründüngungspflanzen, so hat Kisters in diesem Jahr Ende Juli in sämtlichen Spargelbeständen mit Ausnahme der Junganlagen Gründüngung angesät.

Viele Vorteile

Gründüngung bietet viele Vorteile in der Spargelkultur, wie die Landwirtschaftskammer informiert:

-   Die Zufuhr organischer Substanz durch den Anbau von Zwischenfrüchten steigert den Humusgehalt im Boden.

-   Kontinuierliche Bodenbedeckung schützt vor Wind- und Wassererosion.

-   Bessere Befahrbarkeit der Böden im Herbst.

-   Zwischenfrüchte wurzeln in kurzer Zeit tief und weiträumig. So kann der Boden aufgelockert und Nährstoffressourcen aus tieferen Bodenschichten erschlossen werden. Die Wasserhaltekapazität des Bodens und auch die Bodengare werden verbessert. Die Aktivität von Bodenlebewesen wird deutlich verbessert. Durch die anfallende organische Masse ist es möglich, dass sich der Boden im Frühjahr schneller und besser erwärmt. Letzteres soll in weiteren Versuchen noch genauer geklärt werden.

-   In der organischen Substanz werden die nah der Ernte im Boden verbleibenden Nährstoffe konserviert und zum passenden Zeitpunkt für die Nachfrucht freigesetzt.

-   Im Boden mobiles Nitrat wird von den Zwischenfrüchten aufgenommen und so die Nitratauswaschung verringert, hofft man. Auch das soll in weiteren Versuchen noch bewiesen werden.

-   Wird die Vegetationsdecke durch Zwischenfrüchte schnell geschlossen, können Unkräuter nicht mehr auflaufen und werden stark unterdrückt.

-   Legume Zwischenfrüchte reichern den Boden mit Stickstoff an.

Wie Stephan Kisters feststellen konnte, sind deutlich mehr Regenwürmer in seinem Boden aktiv, seit er mit der Gründüngung arbeitet. Außerdem war der Boden beim Aufdämmen deutlich lockerer. Auch leistet man so als Anbauer einer Monokultur einen wertvollen Beitrag zur Ökologie: Feldbewohner wie Hasen oder Fasane halten sich hier auf, der Verbiss an den Spargelkulturen geht zurück. Man spart an Düngemitteln und an Herbiziden. Und nicht zuletzt lässt sich die Gründüngung natürlich auch prima zur Imagepflege verwenden, indem man seine Kunden über die Aktivitäten informiert, wie Stephan Kisters es beispielsweise bei Facebook regelmäßig tut. In diesem Jahr setzte der Praktiker noch eins oben drauf: auf dem Vorgewende säte er Sonnenblumen aus – ein herrliches Bild im abgehenden Sommer!

Aussaat und Pflege

In Zusammenarbeit mit der Deutsche Saatveredelung AG und der Spargelberatung wird nach der idealen Saatgutmischung gesucht. Sie soll folgende Anforderungen erfüllen: variabler Aussaatzeitpunkt, niedrig bleibend, rasche Bodendeckung gegen Unkräuter, verzögerte N-Freisetzung, Einbau in den normalen Kulturablauf - dadurch weniger Mehrkosten. Die Mischung aus Welschem Weidelgras (50,0 %) und drei Kleearten (22,5 % Inkarnatklee, 22,5 % Alexandriaklee, 5,0 % Weißklee), die in diesem Jahr bei Kisters auf den Äckern stand, machte einen guten Eindruck. Wie auf den Spargelseminaren in Straelen und Münster jüngst bekannt gegeben wurde, bietet diese Kleegrasmischung folgende Vorteile: niedrig im Wuchs, gut bodendeckend, verträglich mit Lentagran und Buctril (ab Dreiblattstadium möglich), sehr gut für die Bodenstruktur, fördert das Bodenleben, keine Samenbildung im Herbst.

Die Gründüngung wird mit einem Schmalspurschlepper als 60 cm breites Band zwischen den Dämmen ausgesät: das Aussaatgerät im Frontanbau und im Heckanbau eine Egge zur Einarbeitung. In diesem Jahr war der Aussaattermin der 24. Juli mit einer Aussaatstärke von ca. 30 kg/ha. Die Gründüngung extra zu beregnen, würde zu viel Aufwand bedeuten, weshalb sie in Gegenden, wo es im Sommer so gut wie nicht regnet auch nicht zu empfehlen ist. Ebenfalls abgeraten wird von Gründüngung in Spargeljunganlagen, weil sie für die noch nicht so tief wurzelnden Spargelpflanzen eine zu große Konkurrenz im Wurzelraum bedeuten würde.

Gegebenenfalls notwendige Unkrautbekämpfung sollte idealerweise mechanisch erfolgen. Nach dem Einsäen muss die Dammflanke in der Regel noch einmal gegen Unkräuter behandelt werden. Wenn im November das Spargellaub abgereift und gehäckselt ist, wird die Gründüngung in den Boden eingearbeitet. Eventuell fährt man nach 14 Tagen noch einmal drüber. Danach wird der Winterdamm angehäufelt.

Carsten Wenke, Spargelberatung, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen;

Sabine Aldenhoff


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Ausgabe 01/2017

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