13.04.2017

Grüner Spargel

Reine Kundenwünsche? Oder kann der Anbau auch lukrativ sein?

Dieter Weber, Gemüseanbauberater der LWK Niedersachsen, referierte beim Spargelseminar in Münster-Wolbeck über das Thema: „Neues zum Grünspargelanbau“. Der Kunde verlangt zunehmend nach dem „grünen Gemüse“. Die Anbaufläche hat sich in den letzten zehn Jahren in Deutschland verdoppelt

Der Grünspargel wird weltweit dominierend angebaut und ist über das ganze Jahr erhältlich. Besonders in den mediterranen Ländern Spanien, Frankreich und Italien, aber auch in England und den USA genießt er durch sein kräftiges, würziges Aroma große Beliebtheit. In Deutschland verlangt der Kunde überwiegend nach dem „weißen Gold“, welches seit etwa 200 Jahren kultiviert wird. Die Anbaufläche des Grünspargels beträgt maximal ein Zehntel der gesamten Spargelanbaufläche, sie hat sich aber in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Der violette Spargel hat einen minimalen, kaum nennenswerten Anteil. Der Gemüseanbauberater Dieter Weber, LWK Niedersachsen, schilderte die Wünsche des heutigen Verbrauchers auf dem Spargelseminar am 13. Dezember 2016 in Münster-Wolbeck: “Gesund soll es sein, egal ob in fester Form oder als Smoothie, die Zubereitung soll möglichst schnell und einfach erfolgen. Ein küchenfertiges Produkt oder Gericht wäre prima. Regional. Eine Bestellung per Internet sowie eine entsprechende Zusendung optimal“.

Da steht der Grünspargel doch ganz gut dar. Er enthält wertvolle Vitamine und Ballaststoffe, verfügt über einen minimalen Fettgehalt, ist kalorienarm und wirkt entschlackend. Zudem ist seine Zubereitung schnell und einfach. Bedingt durch seine weiche Außenhaut und die geringe Verholzung ist ein Schälen, wenn überhaupt, nur im unteren Drittel der Spargelstange erforderlich. Es ist möglich die grünen Stangen roh zu essen, ihn für Salate zu verwenden, ihn zu braten und zu kochen. Ruck-zuck ist ein Gericht fertig, auch für Laien. Besonders Direktvermarkter können so ein Einkaufserlebnis in der Region bieten. Auch Exoten, wie der violette Spargel, tragen dazu bei. Können diese Kulturen für den Anbauer nicht nur interessant, den Kunden anlockend und zufriedenstellend, sondern auch lukrativ sein? 

Rentabilität

Weber stellte dazu eine eigene Berechnung vor, um zu zeigen, in wie weit der Anbau des Grünspargels für den Landwirt attraktiv sein kann. Bislang wurden über die Jahre statt 70 dt Bleichspargel/ha nur 47 dt Grünspargel/ha geerntet. Das bedeutet bei gleichem Erlös einen um mehr als 25 000 € geringeren Deckungsbeitrag. Der „Grüne“ ist in der Regel dünner und somit leichter, er bringt nur zwei Drittel des Gewichts des Bleichspargels auf die Waage. Um den gleichen Deckungsbeitrag zu erzielen, reicht, so Weber, eine Anhebung des Preises, von 3,80 €/kg auf 4,53 €/kg.

Neue Sorten sorgen mittlerweile in Kombination mit Folientunneln für höhere Erträge, so dass der Deckungsbeitrag wie beim weißen Spargel auch bei 3,80 €/kg erzielt werden kann. Wird dann noch der höhere Preis von 4,53 €/kg veranschlagt, so könnte der Grünspargelanbau also richtig lukrativ sein. Mit der passenden Preisgestaltung - die auch durchsetzbar ist - und den Züchtungsfortschritten ist dieses möglich. Es gilt zu prüfen, ob der Grünspargelanbau in den Betrieb integriert werden kann, ob vorerst, um Erfahrungen zu sammeln, eher eine Übergangslösung mit bestehenden Flächen in Frage kommt oder eine Neuanpflanzung. Was ist beim Anbau, der Sortenwahl, der Ernte und dem Pflanzenschutz zu beachten?

Anbau

Der Grünspargel stellt an den Boden ähnliche Ansprüche wie der Weiße. Schwere, aber durchwurzelbare Böden ohne Staunässe oder kleine, ungünstig gelegene Flächen, können genutzt werden. Lagen mit Spätfrösten sind ungeeignet. Das grüne Gemüse reagiert stärker auf Temperaturschwankung. Bei Temperatursenkungen verringern sich die Erträge. Auch die Farbe verändert sich, sie ist dann nicht mehr grün, sondern blasser, ins weißliche oder gelbliche gehend. Über eine Doppelreihe könnte im Anbau nachgedacht werden. Geringe Pflanztiefen steigern den Ertrag, maximal sollte die Pflanztiefe bei 15 cm liegen.

Sorten

Anthocyanhaltige Sorten:    Um den Grünspargelanbau einfach mal zu testen, Erfahrung zu sammeln, kann eine ältere Fläche mit herkömmlichen Sorten verwandt werden. Man lässt sie durchwachsen. Anthocyanhaltige Sorten zeichnen sich durch höhere Erträge aus, anthocyanfreie Sorten haben ein ansprechenderes, rein grünes Aussehen. Sie wirken edler. Wichtiges Kriterium bei der Sortenwahl ist jedoch immer der Kopfschluss. Für das Anlegen einer speziellen nicht anthocyanfreien Grünspargelanlage eignen sich Sorten wie `Gijnlim´, (`Aspalim´-früh), `Portlim´-spät oder `Ariane´.        

Anthocyanfreie Sorten:

Steiniva (Steiner‘s Grünspargel): Köpfe sehr gut geschlossen, mit weiblichen Pflanzen im Bestand (schlechtere Erträge als bei rein männlichen Pflanzen, Beerenansatz, unkontrollierte Aussaat, bedingt durch das erhöhte Gewicht ist ein Anhäufeln nach der Ernte ratsam), 4 bis 4,5 Pfl./lfd.m.

`Steineo´ (Steiner Grünspargel): enthält noch einen kleinen Rest an Anthocyan, gezüchtet als Bleichspargel, Stangen etwas dicker und höheres Ertragspotenzial als bei `Steiniva´, Köpfe gut geschlossen, männliche Sorte, 4 bis 4,5 Pfl./lfd.m.

`Huchel´s Schneewittchen´ (Deutsche Spargelzucht): ältere Sorte, spielt ertragsmäßig im Erwerbsanbau keine große Rolle mehr, mit einem Anteil an weiblichen Pflanzen, zarte grüne Färbung, die  auch bei Kälte bleibt, guter Geschmack und geschlossene Köpfe, 4 bis 4,5 Pfl./lfd.m.

`Primaverde´ (Deutsche Spargelzucht): Nachfolgesorte, kleiner Anteil an Anthocyan, kleiner blauer Anflug am Kopf, früh, männlich, sehr langlebig, hohes Ertragspotential, Köpfe jedoch sehr zart (möglichst nicht nass machen/eventuell zwei Ernten pro  Tag), 4 bis 4,5 Pflanzen/lfd.m. 

`Xenolim´ (Limgroup): neuere Sorte, mittelfrüh, männlich, ansprechende Farbe, einheitliche Sortierung, hohes Stangengewicht und Ertragspotential, betriebswirtschaftlich interessant!, 4 bis 4,5 Pfl./lfd.m. 

`Bacchus´ (Bejo): relativ neu, früh, männlich, geschlossene Köpfe, hoher Ertrag, der in der Regel durch dickere Stangen kommt, auch dicker als bei `Xenolim´, um dieses zu vermeiden werden 5 bis 6 Pfl./lfd.m empfohlen.

Ernte

Zur besseren Erwärmung und damit die Köpfe im Tunnel nicht zu dicht unter der Folie stehen, sollte vor der Ernte der über den Winter angehäufelte Boden, eingeebnet werden. Um die Qualität und auch das Gewicht zu halten, empfiehlt sich eine tägliche Ernte, sogar zweimalig an heißen Tagen und ein anschließendes, schnelles Verpacken. Das fehlende Folienmanagement kann zu Ernteschwankungen und schlecht kalkulierbaren Arbeitseinsätzen führen. Problemlos möglich ist eine Ertragssteigerung um bis zu 35 %, wenn im Tunnel angebaut wird. Die Qualität ist verbessert, der Pilzbefall an den Stangen - besonders in Bezug auf Phytophthora - und der Befall mit tierischen Schaderregern wie Käfern und Spargelfliegen ist deutlich verringert.

Aufbereitung und Lagerung:

Der Grünspargel muss aufgrund des immensen Wasserverlustes zügig vom Feld gebracht werden, er „schlappt wie eine Schnittblume“.

Eine Waschung, wenn die Köpfe geschlossen sind, ist auch möglich. Mit trockenen Köpfen und stehend gelagert verbessert sich die Haltbarkeit. Liegt die Temperatur zwischen 2 °C und 4 °C und die Luftfeuchtigkeit bei 98 %, so ist eine Lagerung bis zu drei Tage möglich.

Pflanzenschutz

„Grundsätzlich“, so Weber „ist der Grünspargel anfälliger für alle Pilzkrankheiten. Das bezieht sich sowohl auf Rost als auch Stemphylium und Phytophthora (auch am Erntegut sind Infektionen möglich) und hat somit Auswirkungen auf den Ertrag. Um Stemphylium vorzubeugen, ist es wichtig, alle Pflanzenteile aus dem Vorjahr vor dem Winter klein zu häckseln und einzuarbeiten“. Bedingt durch die fehlenden Folien gestaltet sich besonders bei fortschreitender Ernte die Unkrautbekämpfung wesentlich heikler als beim weißen Spargel, Mittel stehen nur begrenzt zur Verfügung.

Wird bioabbaubare Mulchfolie eingesetzt, so sollte bedacht werden, dass sich nicht nur der Spargel durch die gespannte Folie bohrt, sondern auch Quecken und Melde. Spargelsämlinge laufen auf. Kombinierbare Herbizideinsätze sind erforderlich. Die Bekämpfung der tierischen Schädlinge ist schwierig, eine Anwendung während der Ernte ist nicht möglich. Dicke, weniger schöne Triebe können als Fangpflanzen für Spargelkäfer und -hähnchen stehengelassen werden. Das Entfernen aus dem Bestand und deren Entsorgung sollte wöchentlich erfolgen. Die mit der Spargelfliege befallenen Triebe sollten im Pflanzjahr eliminiert werden.

Die Schwarze Bohnenlaus ist zwar kein spezieller Spargelschädling, stellt jedoch bei Befall ein riesiges Problem dar, da die Tiere nicht entfernt werden können. „Die kriegt man da nicht mehr runter!“ Während des Kulturverlaufs ist eine ständige Kontrolle erforderlich, so dass nach der Ernte keine Schädlinge, die wiederum für einen Befall in der nächsten Saison sorgen würden, mehr vorhanden sein sollten.

Violette Sorten

Abschließend stellte Weber die violetten Spargelsorten vor, die für den Kunden interessant, bedingt durch den geringen Ertrag jedoch nicht Gewinn bringend sind. „Das sind Raritäten, damit kann man kein Geld verdienen!“ Im Angebot ist die überwiegend männliche, sehr zarte und intensiv violette Sorte `Burgundine´ des Züchters Vilmorin und die von Bejo neugezüchtete Sorte `Erasmus´. Bei `Erasmus´ leuchtet in der Ausfärbung ein bisschen grün durch. Last but not least, die Sorte `Violetta´, eine Züchtung von Steiner‘s Grünspargel. Sie hebt sich durch eine intensive, schöne Färbung hervor. Alle „Violetten“ sind in der Regel nicht standfest.

Elke Schulze Scholle


Boss Vakuum informiert!

Informatives

Neue SoF.HiE-Box für die Spargelspinne



 

Ausgabe 03/2017

Service

Quicklinks