03.05.2019

Hof Grothues-Potthoff GmbH

Vom westfälischen Bauernhof zur Event-Location

Das 2015 eröffnete Tagungshotel wurde im Stil den bereits vor-handenen Hofgebäuden angepasst
Foto: Aldenhoff

Wer möchte, kann nach seinem Samstagseinkauf im Hofladen eine Runde SwinGolf spielen, dann ins Hofcafé einkehren, nachmittags eine Fahrradtour durchs Münsterland machen und abends das Dinner im Hofhotel genießen, bevor es dort ins Bett geht. All das ist auf dem Hof Grothues-Potthoff in Senden möglich. Kaum zu glauben, dass hier einst im typisch westfälischen Bauernhof mit Milchkühen und Schweinen das Geld verdient wurde. Heute betreiben die vier Geschwister Grothues ihren Betrieb mit Ackerbau, Sonderkulturen, Hofladen, Hofcafé, Hofbäckerei, Hofhotel und Spielpark gemeinsam und beschäftigen in der Saison über 200 Mitarbeiter.

Die Familie kann auf eine lange landwirtschaftliche Tradition des Hofes von fast 800 Jahren an diesem Standort zurückblicken. In den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts hatte man sich intensiv der Schweinemast verschrieben, als nach langer Abwägung 1989 der erste Hektar Spargel gepflanzt wurde. Zunächst wurde mit bescheidenen Strukturen vermarktet, schnell nahm die Direktvermarktung aber Fahrt auf und 1992 startete der erste Weihnachtsbaumverkauf, gefolgt von der Anlage des ersten Erdbeerfeldes 1994. Gut, dass man sich so ein weiteres Standbein geschaffen hatte, denn 1997 stieg die Familie aus der Viehhaltung aus, weil die Wohnbebauung der Gemeinde näher rückte und keine Perspektive für weitere Mastställe gegeben war. 

Von nun an spezialisierte sich die Familie auf die Direktver-marktung und stieg 1999 mit einem Hofcafé in die Gastronomie ein. Das Kulturspektrum wird um Himbeeren, Heidelbeeren und Kernobst erweitert und Lagerkapazitäten geschaffen. Bereits jetzt wird auf eigene Verarbeitung der Früchte zu Marmeladen und Säften gesetzt und auf dem Hof entsprechende Räumlichkeiten gestaltet. Neu gebaut wird 2003 ein eigenes Gebäude für den Hofladen, 2007 kommt ein Wintergarten für das Hofcafé hinzu. Um das beliebte Ausflugsziel noch attraktiver zu machen, werden in den Jahren 2008 bis 2011 auf einer Fläche von 52 000 m² direkt am Hof ein Park, eine SwinGolf- und eine SpielGolf-Anlage geschaffen. Ab 2012 werden in der neu gebauten Hofbäckerei die ersten eigenen Brötchen gebacken, eine Konditorei für das Hofcafé gab es schon lange. Zu guter Letzt fehlte nur noch eines: ein Hofhotel! Über Jahre war die Idee dazu in der Familie gereift, im August 2013 konnte mit dem Bau begonnen werden. Seit 2015 beherbergt das Wellness- und Tagungshotel Privatleute, Familien, Fahrradtouristen und Geschäftsreisende in 71 Doppelzimmern und Suiten.

Große Familie und viele Mitarbeiter

Vier Geschwister teilen sich die Aufgaben in dem großen Fami-lienunternehmen. Die Geschäftsführung der GmbH hat Elmar Grothues inne. Er kümmert sich um das Gewerbe von Hofladen, Café, Hotel und Obstverkauf. Schwester Eva Langenkamp leitet das tägliche Geschäft im Hofladen. Die andere Schwester Pia Tekaat ist Chefin im Hofcafé. Ihr Mann Marcel Tekaat hat wie sie das Hotelfach gelernt und leitet heute das Hofhotel. Alexander Grothues, der vierte im Geschwisterbund, ist verantwortlich für die Landwirtschaft und die Sonderkulturen. Die Eltern Josef und Paula Grothues sind noch in die täglichen Arbeiten eingebunden und fungieren häufig als „Springer“. 

Unterstützt wird die Unternehmerfamilie von 130 Festangestell-ten, darunter je eine verantwortliche Person für das Kernobst und für die Substratkulturen, und je nach Saison bis zu 80 Erntehelfern. 14 Auszubildende sind zurzeit im Betrieb. Es kann in den Bereichen Landwirtschaft/Gartenbau, Gastronomie und Hotelfach, Bäckerei und Konditorei sowie zum Einzelhandelskaufmann/-kauffrau ausgebildet werden. Durch kontinuierlichen Anbau der Kulturen in Sätzen versucht man, nicht nur die Abnehmer zuverlässig zu bedienen, sondern auch die Erntehelfer zu binden, weil immer genug Arbeit da ist. Die Saisonarbeitskräfte sollen sich wohl fühlen und bewohnen daher feste Unterkünfte, ähnlich einer Ferienwohnung. Freizeit, Entlohnung und gelegentliche Gemeinschaftsverpflegung sind weitere Faktoren, mit denen die Familie Grothues ihre Mitarbeiter motiviert.

Kulturen: Obst und Spargel

In diesem Jahr hat die Spargelkultur auf dem Hof Grothues-Potthoff sozusagen ihr 30jähriges Jubiläum. Auf 16 ha werden heute die Sorten `Ramirez´, `Prius´, `Backlim´ und `Raphaelo´ unter 3fach-Abdeckung, Minitunnel oder weißer Folie angebaut. Durch geschicktes Folienmanagement versucht man, eine gleichmäßige Ernte ohne Spitzen über die Saison bis zum 24.6. zu erzielen. Geerntet wird mit Hilfe von Spargelspinnen. Für die Sortierung steht eine Neubauer-Maschine von 2006 bereit. Grünspargel wird nicht selbst produziert, sondern für Hofladen und Gastronomie von geschätzten Kollegen aus der Region zu-gekauft.

Auch die Kultur von Erdbeeren hat eine lange Tradition in Sen-den. Mit rund 15 verschiedenen Sorten auf 20 ha in verschiedenen Kulturverfahren kann von Ende April bis in den Oktober hinein geerntet werden. Die ersten Erdbeeren reifen in Stellagen im Folientunnel mit leichter Vegetationsheizung. Auch gibt es Stellagen mit Regenkappen und Freilandkultur im Boden auf Einzeldämmen. Juniträger, Terminkulturen und remontierenden Sorten werden gleichmäßig über die Saison verteilt. Im Tunnel wird mit Nützlingen gegen Getreidethrips und Spinnmilben erfolgreich gearbeitet. Künftig sollen noch mehr Erdbeeren unter Kappen oder Hagelnetze, da das Risiko sonst einfach zu groß ist, und wegen der besseren Fruchtqualitäten soll auch noch mehr in Stellagen kultiviert werden, verrät Alexander Grothues.

50 Pflückerinnen sorgen dafür, dass das Tagesziel von 1 000 Kisten täglich erreicht wird. Die roten Früchte werden im eigenen Hofladen sowie in der Region an den LEH, Bäcker und die Gastronomie verkauft. Außerdem werden sie in der eigenen Konditorei sowie in der Marmeladenküche verarbeitet. Erstmals wurden im letzten Jahr einige Früchte vermostet und der erste eigene Erdbeersecco in das Hofladensortiment aufgenommen.

Seit rund 20 Jahren werden Heidelbeeren kultiviert. Aktuell stehen die Sorten `Liberty´, `Reka´, Orzak Blue und `Duke´ auf 2,5 ha im Freiland. Teilweise wurde Torf in den Boden einge-bracht, es gibt aber auch eine ältere Anlage auf einem Waldstandort. Zwei Folienhäuser sind mit `Duke´ belegt. Dort kommen nur noch Nützlinge zur Schädlingsbekämpfung zum Einsatz. Die Früchte sind dank der Folie rund drei Wochen früher reif als im Freiland und können ab Anfang Juni geerntet werden. Gepflückt wird ausschließlich von Hand.

Ebenfalls vor rund 20 Jahren wurde das erste Kernobst gepflanzt. Auf 17 ha wachsen Äpfel, unter anderem der Sorten `Rubinette´, `Topaz´, `Elstar´, `Wellant´, `Fuji´, `Braeburn´ und `Boskoop´ sowie Birnen der Sorten `Conference´ und `Alexander Lukas´. Die Bäume stehen in einem Abstand von 3,5 m x 1 m und werden nur von Hand geschnitten. 500 t Lagerkapazität sorgen für ein kontinuierliches Angebot. In der eigenen Saftproduktion werden unter anderem rund 150 000 l Apfelsaft gepresst.

Auf gut 5 ha stehen weitere Beerenobstarten. Himbeeren der Sorte `Tulameen´ werden als Long Canes in 7-l-Töpfen in fünf Sätzen im Folientunnel kultiviert. Ähnlich das System bei den Brombeeren, die in 10-l-Töpfen in drei Sätzen unter Schutz herangezogen werden: ein Satz `Loch Tay´ und zwei Sätze `Loch Ness´. Johannisbeeren werden auf 6 300 m² eintriebig gezogen. Stachelbeeren wachsen auf 0,5 ha zweitriebig für die Ernte im Juni.

Qualität und Nachhaltigkeit

Auf Qualität wird auf dem Hof sowohl in der Produktion als auch in der Verarbeitung größter Wert gelegt. Deshalb schätzt man es, die Produkte größtenteils selbst zu kultivieren und so die Qualitätskontrolle in allen Verarbeitungsstufen selbst in der Hand zu haben. Unter der Marke „Gutes vom Hof“ mit eigenem Logo werden die Eigenprodukte im Hofladen und in der Region vermarktet. Kunden können sich vor Ort die Produktion ansehen. Die Verarbeitung der eigenen Früchte zu Marmelade und ähn-lichem soll noch weiter ausgebaut werden. Eigens wurde in ein größeres Gefrierhaus investiert, um beispielsweise Früchte für Kuchen einfrieren zu können. 

Lieferanten für alles, was nicht selbst produziert werden kann, kommen aus der Region, werden sorgfältig ausgesucht und langjährig engagiert. Im Hofladen finden die Kunden ein umfangreiches Sortiment mit unter anderem Fleisch, Wurst, Schinken, Eiern, Nudeln, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Milchprodukten, das von regionalen Erzeugern aus dem Münsterland kommt. 

Auch auf Nachhaltigkeit legt die in der Tradition verhaftete Familie Grothues wert. So werden beispielsweise Holzreste aus der Bewirtschaftung eigener Waldflächen gesammelt, getrocknet und zu Holzhackschnitzeln verarbeitet. Diese werden in einer 2011 in Betrieb genommenen Holzhackschnitzelheizanlage verwendet und liefern 75 % des gesamten Wärmebedarfs der Hofgebäude inklusive der Erdbeer-Folientunnel. Dank eigener Photovoltaik-Anlagen wird auch der Strom selbst nachhaltig erzeugt. Darüber hinausgehender Strombedarf wird aus Ökostrom gedeckt. 

Sabine Aldenhoff