18.11.2019

Kennen Sie die Produktionskosten?

Das Jahr 2018, wie auch 2019, hat den Spargelbauern gezeigt, wie wichtig eine optimale Kostenkontrolle des Betriebszweiges Spargel ist. Durch immer weiter steigende Kosten in allen Bereichen der Produktion werden allzu oft keine kostendeckenden Preise beim Spargelverkauf erzielt. Aber wo genau liegen denn die Produktionskosten für 1 kg Spargel auf dem eigenen Betrieb? Diese Frage muss sich jeder Anbauer selbst stellen und unbedingt beantworten können!

Spargelfelder während der Ernte – ohne Folieneinsatz wäre eine Produktion aus betriebswirtschaftlicher Sicht kaum möglich
Foto: Große Dankbar

Nun stellt sich aber jeder die berechtigte Frage, wie denn diese Kostenkalkulation auszusehen hat. In diesem Artikel möchten wir einige wichtige Grundsätze der Kostenerfassung im Betriebszweig Spargel aufgreifen.

Wichtig ist, dass alle anfallenden Kosten der Kultur zugeordnet werden können. Und genau dies ist sehr häufig nicht gegeben, da viele verschiedene Kulturen auf einem Betrieb angebaut werden und die Übergänge von einer Kultur zur nächsten fließend sind. Da werden die Spargelstecher/innen mal kurz zum Vlies legen in die Erdbeeren abgeordnet. Oder die Erdbeerpflücker/innen schneiden schnell noch den Grünspargel, da kurzfristig eine große Bestellung vorliegt. Falls möglich, sollte dies aber in einem „Arbeitsprotokoll“ vermerkt sein. Nur so kommt man zu einem exakten Ergebnis. Ein Großteil der anfallenden Kosten lässt sich aber einfach der Kultur zuordnen.
Arbeiten, die bis zum Ende des Pflanzjahres anfallen

Aussuchen einer geeigneten Fläche für den Spargelanbau:
-    evtl. Kontaktaufnahme mit Verpächter
-    Ortsbegehung, um mögliche Probleme schon bei der Vorkultur zu erkennen (Einsatz Bodensonde)
-    Spatenprobe, Bodenprofil graben, Bodenprobe nehmen und analysieren
-    evtl. schwer bekämpfbare Unkräuter eliminieren
-    Pachtverträge erstellen, Zahlungsansprüche klären usw.

Vorbereitungsjahr:
-    Bodenbearbeitung nach Vorfrucht
-    evtl. organische Düngung
-    Tiefenbearbeitung
-    Aussaat bodenlockernder Zwischenfrucht
-    Einarbeitung Zwischenfrucht
-    Vorratsdüngung z.B. Champost inkl. Einarbeitung
-    Unkrautregulierung

Pflanzjahr:
-    grubbern, pflügen
-    Pflanzbeetvorbereitung
-    Spargel pflanzen
-    Zaun gegen Wildverbiss auf-/abbauen
-    evtl. Beregnung auf-/abbauen
-    Düngung
-    mechanische bzw. chemische Unkrautregulierung
-    bei Bedarf Unkräuter händisch entfernen
-    Fungizid- und Insektizidanwendungen
-    abgestorbene Spargelpflanzen mulchen
-    Winterdamm aufpflügen

Hinzu kommen die Kosten für PSM, Dünger, Zwischenfruchtsaatgut sowie für die Spargelpflanzen. Handelt es sich um eine Pachtfläche, muss die Pacht selbstverständlich auch hinzugerechnet werden.
Dazu kommen dann noch jährlich immer wiederkehrende Kosten wie Versicherungsbeiträge, Umlage LWK, Kosten für die Berufsgenossenschaft, Steuer- und Kulturberatung sowie Aufwendungen für Banken und Kreditunternehmen!

Ab dem ersten Ertragsjahr müssen auch alle Kosten, die für die Ernte und Aufbereitung des Spargels bis ins Kühlhaus anfallen, berücksichtigt werden. Die Lohnkosten für die Erntevorbereitung, Ernte und Aufbereitung des Spargels bis zum Kühlhaus sowie die gesamten Logistikkosten für Erntehelfer und Spargel vom Feld bis zum Kühlhaus. Ob der Spargel nun sortiert oder unsortiert ins Kühlhaus gelangt, hängt häufig von der Vermarktungssituation ab. Da aber nun auf jedem Spargelbetrieb sortiert wird, gehen wir davon aus, dass der Spargel sortiert ins Kühlhaus gelangt. Die Kosten vom Kühlhaus bis zum Endkunden werden später gesondert betrachtet.

Ernte- und Aufbereitungskosten Material:
-    Folien
-    Kisten
-    Stechwerkzeuge
-    evtl. Erntehilfen
-    evtl. Tunnelbögen
-    Erdpfähle zur Folienbefestigung
-    Transportfahrzeuge für Personal, Spargel und evtl. Erntehilfen
-    Vorwäsche
-    Ernteerfassungssystem
-    Sortieranlage
-    Schockschrank, Schockbecken
-    Kühlhaus Ernteware
-    sonstiges wie Waagen, Etiketten, Paletten, Hubwagen, Gabelstapler, Batterieladegeräte usw.

Erntekosten inkl. Erntevorbereitung Personal:
-    Spargeldämme pflügen
-    Folie legen (Reihen markieren, nummerieren)
-    evtl. Tunnelstäbe stecken (zweite Folie legen)
-    Erdpfähle zur Folienbefestigung auf-/abbauen
-    evtl. Sturmarbeiten
-    evtl. Transport Erntehilfen (täglich Batterien laden)
-    Spargel stechen
-    Feldkontrollen
-    Spargel transportieren
-    Beschickung der Vorwäsche, Schockkühlung, Erfassung, Sortierung, Kühlung
-    Spargel sortieren
-    allgemeine Vorarbeiterkosten

Nun ist ja bekanntlich „nach der Ernte, vor der Ernte“! Die Feldarbeiten und Pflegemaßnahmen nach der Ernte verursachen einen nicht unerheblichen Anteil an Kosten, die dem Spargel direkt zugeordnet werden können.

Feldarbeiten:
-    Folie wickeln (1x, 2x, 3x)
-    evtl. Tunnelstäbe abräumen (begradigen)
-    Zwischenreihen lockern und einebnen
-    Zwischenreihenbegrünung aussäen
-    evtl. Beregnung auf-/abbauen
-    Feldkontrollen (Unkräuter, Pilzinfektionen, Schadinsekten)
-    mechanische Unkrautbekämpfung
-    Düngung
-    Pflanzenschutz (Herbizid, Fungizid, Insektizid)
-    Spargelkraut mulchen
-    Zwischenreihenbegrünung einarbeiten
-    Winterdämme erstellen

Die Kosten für die Geräte und Maschinen, die nur im Spargel eingesetzt werden, können dem Spargel direkt zugeordnet werden. Dies sind beispielsweise Spargelfräse, Folienlegegerät, Wickelgerät, Erntehilfen, Vorwäsche, Schockschrank, Spargelschälmaschine, Sortieranlage usw.! Die Schlepperkosten sollten je Hektar angerechnet werden. Falls keine verlässlichen Zahlen vorliegen, kann es bei der Berechnung sinnvoll sein, die Kosten einzutragen, die ihr Lohnunternehmer für diese Arbeit berechnen würde.

In den Lohnunternehmerkosten sind:
1. die variablen Kosten der Maschine (Treibstoff, Schmieröl, usw.)
2. die festen Kosten der Maschine (Abschreibung, Zins, Unterhalt, Reparatur)
3. die Lohnkosten für die Arbeitserledigung
enthalten.

Außerdem ein gewisser „Gewinnanspruch“ des Unternehmers!
Besser wäre es allerdings, die Lohnkosten herauszurechnen und auch tatsächlich als Lohnkosten darzustellen und nicht unter „Maschinenkosten“ zu verlieren.

Die Kosten vom Kühlhaus bis zum Verkauf sind auch von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich und nicht unerheblich. Dabei sind die Unterschiede zwischen der Direktvermarktung und der Lieferung an den Handel oder an sonstige Großabnehmer besonders groß, da die Lohnkosten im Direktverkauf sehr hoch sein können. Im Folgenden werden diese Kosten aufgeführt:

Personalkosten vom Kühlhaus zum Kunden
-    Logistik im Kühlhaus
-    Temperaturüberwachung
-    Kommissionierung (Stände, Wochenmärkte, Hofladen, Großmarkt, Versteigerung, LEH, usw.)
-    Transport zu den verschiedenen Verkaufsstellen
-    Flottenmanagement
-    Retourenbearbeitung
-    Personalmanagement (Einteilung Verkäufer/innen)
-    Lieferscheine, Rechnungen schreiben
-    bei Bargeschäften: Kasse zählen, Zählprotokolle erstellen,
-    Dokumentation für sämtliche Qualitätskontrollen wie QS GAP, CC usw.
-    Kosten für alle benötigten Kontrollen und Audits

Maschinen, Geräte und sonstige Kosten
-    Kühlhaus Verkaufsware
-    Schälmaschine
-    Verpackungsmaschinen (Bündel, Schalenversiegelung, Vakuumierer, usw.)
-    Waagen und Registrierkassen
-    Einkaufskörbe, Einkaufswagen
-    Verpackungen sowie Kosten der Verpackungsverordnung
-    Transporter (LKW, Bulli, Caddy)
-    Warenrückvergütung
-    Strom, Wasser, sonstiges

Gerade in der Direktvermarktung sind enorme personelle aber auch materielle Aufwendungen für den Verkauf nötig. 

Aufwendungen für den Verkauf
-    Bau und Einrichtung des Hofladens/der Verkaufsstände
-    Beschaffung von Verkaufsstellen und Organisation Verkaufspersonal
-    Auf- und Abbau der Stände
-    Parkplätze
-    Beschilderung
-    Werbung (Anzeigen, Internetpräsenz, Facebook, Instagram usw.)
-    Erfüllung aller lebensmittelrechtlichen Anforderungen
-    Kauf und Logistik der Zukaufprodukte
-    Verkauf
-    Kundenaquise usw.

Gebäude und bauliche Einrichtungen

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Kosten für den Spargelanbau entfällt auf die Gebäude und sonstige bauliche Einrichtungen wie z.B. Brunnen. Zum einen die Gebäude für die Maschinen und Geräte für die Bewirtschaftung der Flächen, zum anderen alle Betriebsbereiche für die Aufbereitung und Vermarktung des Spargels.

Unterbringung


Auch die Saisonarbeitskräfte sowie z.T. die Festangestellten werden im Betrieb untergebracht. Die entstehenden Kosten werden aber nur zum Teil von den Arbeitskräften bezahlt. Eine Kostendeckung wird in diesem Bereich meistens nicht erreicht, da auch häufige Reparaturarbeiten nötig sind. Um den Menschen, die tagtäglich die Ernte vom Feld holen, aufbereiten und verkaufen, einen möglichst angenehmen Aufenthalt zu gewährleisten, wurde gerade in diesem Bereich in den letzten Jahren viel investiert.

Alle Personalkosten berücksichtigen

Die täglichen Arbeiten im Betrieb, auf den Feldern, in der Aufbereitung und Vermarktung sowie alle Büroarbeiten können nicht alleine von den Familien-AK verrichtet werden. Je nach Betriebsgröße und Vermarktungsrichtung sind neben den Saisonarbeitskräften auch viele Festangestellte nötig, um die Saison erfolgreich zu meistern. All diese Kosten (auch die der Familien-AK) müssen in die Kalkulation einfließen und sorgen dafür, dass ich einen „Mindestpreis“ für mein Produkt verlangen muss, um am Ende der Saison ein positives Betriebsergebnis zu erzielen. 

In diesem Beitrag wurde bewusst auf eine „Beispielsberechnung“ verzichtet. Dies hat folgenden Grund: Die Kosten liegen von Betrieb zu Betrieb so weit auseinander, dass sich nur wenige Betriebe in einem Beispielsbetrieb wiederfinden würden. Jeder verantwortungsvolle Betriebsinhaber muss bei der heutigen Kostenentwicklung seinen eigenen Betrieb durchleuchten. Da helfen Durchschnittszahlen aus der Literatur überhaupt nicht!! Eine einfache Excel-Tabelle reicht hierfür vollkommen aus. Dort gehören auch die Kosten hinein, die in diesem Artikel nicht erwähnt werden, dem Spargel aber direkt oder indirekt zugeordnet werden können!

Wer sich einer vorgefertigten Ackerschlagkartei mit betriebswirtschaftlicher Kostenkalkulation für den Spargelanbau bedienen will, kann diese bei der Spargelberatung NRW (Carsten Wenke und Ralf Große Dankbar) gerne telefonisch oder per E-Mail (Ralf.Grosse-Dankbar@lwk.nrw.de) anfordern oder mit dem Smartphone den abgebildeten QR-Code scannen.

Ralf Große Dankbar, Carsten Wenke, LWK NRW