08.01.2020

Limgroup zeigt Demoversuche

Auf einer Fläche von ca. 1 ha führt die Limgroup auf ihrem Demofeld Versuche zu den unterschiedlichsten Fragestellungen durch
Foto: Kühlwetter

Als Züchter bekannter Spargelsorten hat sich die im niederländischen Horst beheimatete Limgroup seit vielen Jahren einen Namen gemacht: Sorten wie `Gijnlim´, `Grolim´ oder `Backlim´ haben Spargelgeschichte geschrieben und sind heute nach wie vor eine feste Säule in vielen Spargelbetrieben. Einen Monat nach dem offiziellen Ende der Spargelsaison gewährte das Unternehmen Einblick in seine umfassenden Demoversuche auf dem ca. 1 ha großen Feld direkt gegenüber der Firmenzentrale. Nach der Vorstellung einiger Gründüngungsmischungen für die Einsaat zwischen den Spargelreihen und einem Ausblick auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln führten Stefan Pohl, Limgroup, und seine niederländischen Kollegen in Form eines Rundganges über das Versuchsfeld und erläuterten dabei wichtige Aspekte zur aktuellen Themenstellung. Die Limgroup hat ihr Versuchsfeld als Demofeld angelegt, die dort gezeigten Versuche erfüllen nicht den hohen Anspruch einer wissenschaftlich Auswertung und Vergleichbarkeit, sie bieten jedoch einen hervorragenden Überblick zu einigen aktuellen Fragen aus der Praxis. So wurde z.B. das Ertragsverhalten der Sorten `Gijnlim´, `Avalim´, `Backlim´, `Xenolim´ und `Vitalim´, 2011 als Einzelreihe gepflanzt, bis zur aktuellen Ernte 2019 aufgezeichnet. Dabei führte `Backlim´ mit einem Durchschnittsstängelgewicht von 39 g vor `Vitalim´ (34 g) sowie `Avalim´ und `Xenolim´ mit ca. 30 g die Riege an. `Gijnlim´ hatte mit 27,6 g das geringste Stangengewicht, was im Hinblick auf die Erntekosten ein wichtiger Aspekt ist. Auf der anderen Seite führte `Gijnlim´ mit 99,3 t/ha vor `Vitalim´ (90,5 t/ha) und `Avalim´ (78,5 t/ha) den Vergleich beim Gesamtertrag an. Stefan Pohl wies noch einmal darauf hin, bei der Standardfrühsorte `Gijnlim´ darauf zu achten, dass diese nicht „überstochen“ – schon gar nicht in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren – werden darf, Qualitäten und Erträge blieben sonst hinter den Erwartungen zurück. Neben einer guten Düngung bedürfe `Gijnlim´ einer stetigen ausreichenden Wasserversorgung. „Wenn man diese Aspekte beachtet, hat man sieben bis acht Jahre Freude an einer `Gijnlim´-Anlage“. In einem weiteren Demoversuch wurde ein Vergleich in Einzelreihenpflanzung (6 Pfl./m) und Doppelreihen (10 Pfl./m) mit den Sorten `Herkolim´ und `Grolim´ durchgeführt. Dabei erreichte `Herkolim´ einen höheren Gesamtertrag, deutlich höheren Ertrag und die einzelnen Stangen waren dicker, was zur höheren Ernteleistung führt. Im Vergleich zu `Grolim´ erwies sich `Herkolim´ auch im Nachbau als die geeignetere Sorte.Ein Versuch auf dem Demofeld der Limgroup zielte darauf ab, den Einfluss unterschiedlicher Pflanztiefen aufzuzeigen. Die Sorte `Gijnlim´ wurde dazu in 22 cm, 18 cm und 14 cm Pflanztiefe in den Boden gesetzt. Die Auswertung ergab bei 22 cm und 18 cm Pflanztiefe die höchsten Erntemengen, auch der Ernteverlauf und die Dicke der einzelnen Stangen wurden erfasst. Als Kronenpflanze in den Boden gesetzt, wurde von der Limgroup die neue Frühsorte `Frühlim´ präsentiert. „Man kann genau erkennen, bei welcher Höhe das Kraut erst anfängt zu verzweigen – eine hohe Verzweigung deutet auf einen guten Kopfschluss hin“, betonte Stefan Pohl. Bei allen Neuzüchtungen achtet die Limgroup inzwischen auf diesen Aspekt, der einen Rückschluss auf den Kopfschluss erlaubt. Ein guter Kopfschluss ist vor dem Hintergrund immer höherer Temperaturen während der Ernte enorm wichtig. Mit Blick auf den Erntebeginn stellte Stefan Pohl fest, dass die Ernte mit `Frühlim´ nahezu gleich mit der Ernte von `Gijnlim´ startet. Der Frage, wie eine Kultur bei Verwendung von Presstöpfen im Vergleich zu Kronenpflanzen verläuft, war ein weiterer Versuch auf dem Demofeld der Limgroup gewidmet. Dazu wurden Kronenpflanzen und Presstopfpflanzen der Sorte `Herkolim´ nebeneinander gepflanzt. Stefan Pohl betonte, dass eine Spargelkultur mit Presstöpfen ein gärtnerisches Fingerspitzengefühl erfordert. Nach dem Pflanzen müsse man mit homöopathischen Pflanzenschutzmengen arbeiten, um die kleinen Gewächse nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Vorsicht sei ebenfalls bei der mechanischen Bodenbearbeitung geboten, da die jungen Pflanzen ausgesprochen empfindlich reagieren. Ein Vorzug der Presstopfkultur sei, dass die Pflanzen erst Mitte Mai in einen warmen Boden gesetzt werden, der das Wachstum fördere. „Presstopfpflanzen bilden in den ersten Jahren in der Regel mehr Knospen und Triebe aus und ermöglichen damit im Vergleich zu Kronenpflanzen meist auch höheren Ertrag. In Südeuropa und Asien ist die Verwendung von Presstopfpflanzen Standard. Auch in Deutschland arbeiten einige wenige Betriebe mit dem System, die Schwierigkeiten in der Unkrautbekämpfung müssen aber beachtet werden. Stefan Pohl stellte fest, dass am Ende jeder Betriebsleiter entscheiden muss, welches das geeignete Kulturverfahren für den eigenen Standort ist. Wer das Presstopfsystem voll beherrsche, habe die Chance zu noch höheren Erträgen.Auch ein Blick in die Zukunft wurde den Besuchern auf dem Demofeld nicht vorenthalten. Unter der Bezeichnung „K2022“ wird dort eine noch unter Nummernbezeichnung geführte Sorte, die vielleicht einmal im mittelfrühen Bereich eine Ergänzung bzw. ein Ersatz für `Grolim´ sein könnte, kultiviert. Gute Uniformität, gut geschlossene Köpfe und eine ansprechende Stangenstärke sind ebenso Merkmale der Neuzüchtung wie die hohe Krautgesundheit, die im Hinblick auf den erforderlichen Pflanzenschutzeinsatz auch ein wichtiger Aspekt ist. Neu im Sortiment der Limgroup ist auch `Javelim´, eine nicht anthycianfreie Grünspargelsorte für den nordeuropäischen Bereich (z.B. England) sowie für den Anbau in Nordamerika. Auch wenn die Frühzeitigkeit von `Javelim´ nicht so stark ausgeprägt ist wie bei der Sorte `Aspalim´, überzeugt die Neuzüchtung nach Aussage von Stefan Pohl durch ihre sehr schön geschlossenen Köpfe und die gute Sortierung.

Thomas Kühlwetter