09.01.2018

Mit Augenmaß die Zukunft planen

Thomas Kühlwetter

 

Im September finden in Deutschland die Bundestagswahlen statt. Zu Weihnachten hat das Land noch keine neue Führungsspitze, Anfang Januar soll sondiert werden und erst im Anschluss daran entscheidet es sich, wie die Dinge fortgeführt werden. Bis dahin wird Deutschland kommissarisch von der „alten Mannschaft“ regiert.

Kommt möglicherweise eine GroKo – eine Minderheitsregierung wird von der Union ausgeschlossen – oder gibt es tatsächlich Neuwahlen? Noch ist völlig offen, welchen Weg das weitere Prozedere nehmen wird.

Die Konflikte auf der Welt sind gegenwärtig unübersehbar. In den USA ist seit einem Jahr ein Präsident im Amt, der durch einen Wechsel der Vorzeichen viele sicher geglaubte Übereinkommen in Frage stellt – vom Klimaschutz bis hin zu Wirtschaftsabkommen -, neue Akzente setzt und damit nicht nur sein eigenes Volk spaltet. Internationales Schulterzucken ist die Reaktion. In Katalonien haben die Separatisten die Regionalwahl für sich entschieden und am Tag nach der Wahl ist offen, welche Folgen dies möglicherweise für den Zusammenhalt in Spanien und Europa haben könnte.

Während im Jemen die größte Cholera-Epidemie der Geschichte ausbricht und weit mehr als 80 % der Menschen nicht ausreichend Zugang zu sauberem Wasser und Essen haben, 7 Mio. Menschen kurz vor einer Hungersnot stehen, beschäftigt uns intensiv die Diskussion um die Zulassung von Glyphosat.

In einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung schreibt Autorin Kathrin Zinkant am 28. November: „So absurd es auch klingen mag: Wer eine für Mensch und Umwelt verträglichere Landwirtschaft will, muss die Entscheidung für den Unkrautvernichter begrüßen. Es geht in der Politik um Macht, selten um die Wahrheit“.

Glyphosat steht sinnbildhaft für viele Fragen, die unsere Gesellschaft beschäftigen. Manchmal kann man sich dem Eindruck nicht verwehren, dass es in einer gewissen Weise auch „Luxusprobleme“ sind, die unsere Gedanken bestimmen und wir nicht mehr in der Lage sind, zu erkennen, wie der Lebensalltag von Menschen links und rechts unserem Horizont entglitten ist. Realität ist die, die ich mir schaffe!

Emotionen und Ideologien formen anstelle wissenschaftlicher Erkenntnisse und sachlicher Fakten das gesellschaftliche Meinungsbild – dieser Trend ist unverkennbar – und wahrscheinlich auch unaufhaltbar. Dies zu kritisieren, ist legitim und zwingend erforderlich, ändern wird es jedoch wahrscheinlich nichts.

Bei Entscheidungen zur Fortentwicklung und zukünftigen Ausrichtung des eigenen Betriebes oder Unternehmens müssen diese Gegebenheiten aber unbedingt mit einbezogen werden. Ohne Fortentwicklung werden Betriebe und Unternehmen unserer Sparte mittel- und langfristig keine Zukunft haben. Diese alleine auf der Basis ökonomischer Grundlagen zu gestalten, wäre ebenso fahrlässig wie die Vernachlässigung dieser Gegebenheiten.

Augenmaß und Weitblick, die Einbeziehung gesellschaftlicher Forderungen und Veränderungen und nicht zuletzt das persönliche Umfeld müssen mit berücksichtigt werden – und dies mit dem richtigen Augenmaß.

Thomas Kühlwetter

 

Glyphosat steht sinnbildhaft für viele Fragen, die unsere Gesellschaft beschäftigen.