18.02.2019

Obst & Gemüse: Rekordumsatz des Vorjahres gehalten

Foto: Scheel

Der Umsatz mit frischem Obst und Gemüse (ohne Kartoffeln) im deutschen Ein-zelhandel entspricht 2018 nach vorläufigen Angaben genau dem Vorjahresniveau. 2017 war mit knapp 15 Mrd. EUR ein Rekord aufgestellt worden. 2018 glich ein leichtes Plus bei Obst (+1 %) ein leichtes Minus (-1 %) bei Gemüse recht genau aus. Das gute Vorjahresergebnis konnte aber nur durch gestiegene Durchschnittspreise gehalten werden, denn die Einkaufsmengen schrumpften bei Frischobst um gut 4 % und bei Frischgemüse um knapp 3 %. Hinter dem Anstieg der durchschnittlich gezahlten Preise um knapp 4 % steckt auch die kontinuierliche Umschichtung im Sortiment zugunsten höherpreisiger Artikel. Echte Preiserhöhungen gab es aber auch.

Der leichte Zuwachs bei den Obstumsätzen im LEH wurde vor allem über die Vollsortimenter erreicht. Die Discounter halten ihren Marktanteil allenfalls, wäh-rend die Einkaufstätten außerhalb des LEH verloren haben. Im Gegensatz zum Obst gab es bei Gemüse noch einen kleinen Marktanteilsgewinn bei den Discoun-tern, aber auch hier legten die Vollsortimenter bei den Umsätzen stärker zu. Die Verlierer waren auch hier Einkaufstätten außerhalb des LEH.

Im Vergleich zum Vorjahr legten beim Obstumsatz auf Einzelhandelsebene vor allem Fresh-Cut-Artikel, Beeren und Melonen zu. Es gab 2018 natürlich auch Verlierer beim Umsatz. Neben kernhaltigen Trauben sind dies zum Bei-spiel Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen. Auch Äpfel werden voraussicht-lich wieder zu den Verlierern gehören. In den ersten Monaten des Jahres 2018 glichen höhere Preise den Mengenrückgang noch aus, dann aber bis zum Beginn der neuen Ernte nicht mehr. Im September und Oktober brach die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr regelrecht ein.

REICHLICHE OBSTERNTE IN DEUTSCHLAND

Nach einer schwachen Obsternte 2017/18 verhinderte die Dürre im Sommer 2018 eine Rekordproduktion, die Ernte in Deutschland ist mit knapp 1,4 Mio. t. aber immer noch überdurchschnitt-lich. Beim Steinobst waren die Erträge meist deutlich höher, der entsprechende Preisverfall führte hier zu Umsatzrückgängen auf Erzeugerebene. Besonders Zwetschgen waren in diesem Jahr reichlich. Beim Kernobst waren die ersten Monate des Jahres noch umsatzstark, danach bot der Preisan-stieg keinen Ausgleich mehr für den Angebotsrückgang infolge der schwachen Ernte 2017/18. Mit Einsetzen der neuen Ernte 2018/19 führten die deutlich niedrige-ren Preise und der schleppende Verkauf zu einer wei-teren Erosion der Umsätze. Insgesamt wird der Umsatz der in der AMI-Marktstatistik erfassten Erzeugermärkte in Deutschland bei Frischobst um knapp 10 % sinken.

STRAUCHBEEREN BLEIBEN WACHSTUMSMARKT

Nach Daten aus dem GfK-Haushaltspanel bis einschließlich Oktober ist die Ein-kaufsmenge von Strauchbeeren in Deutschland nochmals um knapp 20 % gestie-gen. Die „Lokomotive“ sind nach wie vor Heidelbeeren, während die in den ver-gangenen Jahren ebenfalls stark gewachsenen Himbeeren „nur“ um 4 % zuleg-ten. Nach der AMI-Erntevorschau bei den Erzeugermärkten gab es in Deutschland bei Himbeeren eine fast normale Ernte, die nur geringfügig höher ausfiel als im Vorjahr, die Importe sind aber um über 15 % gestiegen. Bei Heidelbeeren sieht es ähnlich aus. Auch hier kam der Hauptwachstumsimpuls aus dem Ausland, die Im-porte sind um gut 35 % gestiegen. Die deutsche Ernte begann zwar deutlich frü-her, war aber auch früher zu Ende. Dies ist an den Monatsauswertungen des GfK-Haushaltspanels gut zu erkennen. Nach dem Peak im Mai, der durch die spanische Ernte ausgelöst wird, fiel der zweite Angebotshöhepunkt in den Juli und nicht – wie üblich – in den August.

GURKEN UND SALATE WAREN GEFRAGT

Bei Gemüse stiegen die Verbraucherausgaben bei Snackmöhren, Kräutern, Fresh-Cut-Salaten, Zwiebeln, Gurken und Salaten am stärksten. Bei den letzten drei Pro-dukten sorgte ein geringeres Angebot für deutlich höhere Preise und beflügelte so die Umsätze. Bei Salaten und Fruchtgemüse förderten die hohen Temperaturen zusätzlich auch die Nachfrage. Snackmöhren, Kräuter und Fresh-Cut-Salate lie-gen dagegen im Trend und verzeichnen schon seit Jahren Umsatzsteigerungen. Die bedeutenden Fruchtgemüsearten wie Paprika und Tomaten verzeichneten leicht gestiegene Einkaufsmengen, aber überwiegend schwächere Preise.Gemüsearten, die eher gegart und damit eher bei niedrigeren Temperaturen ver-zehrt werden, gehören 2018 zu den Verlierern. Beispiele sind Porree, Kopfkohl und andere Kohlarten. Die Einkaufsmengen im November und Dezember werden das bisher aufgelaufene Minus nicht ausgleichen können.

UMSATZVERLUSTE BEI SPARGEL

Die Spargelsaison 2018 war von durchweg hohen Temperaturen und starker Son-neneinstrahlung geprägt. Dabei hatte sich der Saisonstart durch einen kalten und dunklen März noch verzögert. Danach sind innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Spargel auf den Markt gekommen. Der Preisdruck war auf allen Handelsstu-fen groß. Entsprechend schlecht wird die Saison rückblickend von den Spargel-produzenten in Deutschland bewertet. Nach vorläufigen Angaben des Statisti-schen Bundesamtes wurde die Rekordmenge aus dem Vorjahr mit 129.600 t nur knapp verfehlt. 2017 wurden 130.900 t Spargel geerntet. Entscheidend ist aller-dings nicht die Gesamtmenge, sondern die zeitliche Verteilung der Erntemengen. Für einen stabilen Markt sind die Mengen in zu kurzer Zeit aufgelaufen.

KLEINE ERNTEN BEI LAGERGEMÜSE

Gemüsearten mit langer Entwicklungszeit konnten den Hitze- und Trockenstress des Sommers nicht aufholen und brachten deshalb geringe Flächenerträge. Dies gilt insbesondere für Zwiebeln, aber auch Möhren und Kopfkohl weisen geringe-re Erträge auf. Mit 5,16 Mio. t fällt die Zwiebelernte in der EU um gut 15 % kleiner aus als in der Vorsaison und entspricht damit der kleinsten Ernte seit 2006. Auch die Anbaufläche ging in den meisten Ländern leicht zurück, insgesamt belief sich das Minus bei der Fläche auf knapp 3 %. Spanien und die Niederlande sind die mit Abstand wichtigsten Zwiebelproduzen-ten in der EU. In normalen Jahren ist der Abstand zwischen den Ländern nicht sehr groß, in der Saison 2018/19 jedoch riesig: In Spanien wird mit 1,43 Mio. t fast eine Rekordernte erreicht, in den Niederlanden dürfte die verwendbare Erzeugung dagegen mit 0,86 Mio. t auf dem niedrigsten Niveau seit 2003 liegen.

Quelle: DFHV Jahresbericht