08.01.2020

Ohne Netzwerk geht es nicht

Fred Eickhorst, Geschäftsführer und Vorstandssprecher der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer e.V., erläutert bei den 17. Unternehmertagen Spargel & Erdbeer, wie sich das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände auf Bundesebene für die Branche einsetzt
Foto: Heinz

In mehreren Vorträgen der 17. Unternehmertage Spargel & Erdbeer fiel das Wort Gemeinsamkeit, meist als Hoffnung oder auch als Forderung. In einem Beitrag jedoch wurde explizit über diese Gemeinsamkeit als Realität gesprochen: „So setzt sich das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände auf Bundesebene für die Branche ein“, hatte Referent Fred Eickhorst, Geschäftsführer und Vorstandssprecher der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer e.V., seinen Vortrag genannt.WER ist das Netzwerk?Gewöhnlich werden die Finalseiten von Präsentationen gern übersehen, bei diesem Vortrag jedoch rundeten sie alles ab, denn es wurden auch gleich die Ansprechpartner genannt. Also sei das Ende hier schon der Einstieg. Die Fäden des Netzwerkes verknüpfen:  Anke Knaup (Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe e.V.), Jürgen Schulze (Verband der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer (VOSBA) e.V.), Simon Schumacher (Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V.) und Fred Eickhorst (Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer e.V.).Weitere Knoten dieses Netzwerkes bilden die Bundesfachgruppe Obstbau, die Bundesfachgruppe Gemüsebau, die Arbeitskreise Spargel Südhessen, Erdbeeren Südhessen und Spargel Schleswig-Holstein e.V., der Spargel-Erzeugerverband Franken e.V. und der Spargelerzeugerverband Südbayern e.V.WAS sind die Ziele des Netzwerks?„Die jeweiligen Mitglieder, das sind rund 1 000 Betriebe, sollen direkt profitieren“, betonte Fred Eickhorst. Das bedeutet vor allem, dass gegenüber Politik, Behörden und Presse abgestimmt die Interessen der Mitglieder vertreten werden. „Ohne derartige Lobbyarbeit geht es nicht, wenn man sich beispielsweise vor Augen führt, dass von 709 Abgeordneten im Bundestag gerade mal zwölf einen landwirtschaftlichen Hintergrund haben.“ Eickhorst sprach vom in der Gesellschaft fehlenden Respekt gegenüber Landwirten und von Unwissenheit. „Wir meinen, mit unseren Problemen überall präsent zu sein. Aber das ist keinesfalls so.“WARUM ist die Kooperation sinnvoll?Diese Frage beantwortete Eickhorst zum einen mit ganz pragmatischen Möglichkeiten, wie die gegenseitige Vertretung bei Sitzungen in der Bundesfachgruppe Obst und Gemüse oder bei Terminen mit Bundestagsabgeordneten. Aber auch inhaltlich werden durch die Gemeinsamkeit größere Spielräume geschaffen, so zum Beispiel bei der Entwicklung von Werbemitteln, Infomaterial und Muster für Mitglieder oder bei generischem, also strategisch ausgerichtetem, Marketing. Außerdem vermag die Branche auf bundesweiter Ebene spezialisierte Spargel- und Beeren-Themen anpacken, die Bauernverbände, Gartenbauverbände und Obstbauverbände aufgrund ihrer Vielseitigkeit weniger bearbeiten können.Nur im Verbund, so der Referent, seien repräsentative Umfragen und darauf basierend klare Aussagen möglich. So wurden Erzeuger gefragt, was sie derzeit am meisten bewegt und was sie von ihren Verbänden erwarten. Es ergab sich ein klares Ranking der Probleme: An erster Stelle wurde von fast zwei Dritteln der Befragten gefordert, dass der Mangel an Erntehelfern beseitigt werden muss. Über die Hälfte erwartete von den Verbänden, sich für faire Handelspreise einzusetzen. Es folgen Probleme wie die Mindestlohnproblematik, das mangelnde Verständnis für konventionelle landwirtschaftliche Produktionsmethoden sowie die Themenkreise Pflanzenschutzmittel und Düngeverordnung.WIE setzt sich das Netzwerk ein?Unter anderem berichtete der Vertreter des Netzwerkes über viele Gespräche mit Abgeordneten und einem Botschafter über Arbeitskräfte-Verfügbarkeit, Lohnsteuerpauschalierung und Anbaumethoden. Ebenso trat das Netzwerk bei Expertenanhörungen mit Stellungnahmen zu brennenden Fragen auf.Eickhorst erläuterte das gemeinsame Vorgehen anhand eines weiteren Beispiels: Um nicht im eigenen Saft zu schmoren und die Vielfalt der politischen Prozesse im Blick zu behalten, haben sich Verantwortliche des Netzwerkes mehrere Politikberater angehört, sich für den Berliner Peter Husen entschieden und mit ihm eine fruchtbare Zusammenarbeit begonnen. Beispielsweise koordiniert er die Erstellung von Pressemitteilungen, die nicht nur die Erfolge der Branche ins Rampenlicht schieben, sondern die Öffentlichkeit auch offensiv zu Problemen informieren – ein kompliziertes Feld, auf dem nur erfahrene Kommunikationsexperten relativ gefahrlose Pfade weisen können.Die Arbeit des Netzwerkes, das noch nicht als Rechtsform organisiert ist, geschieht auf verschiedenen Wegen, die Eickhorst zusammenfasste: „Wir treffen uns monatlich zu einer Telefonkonferenz. Da geht es vor allem um Themen, die die Mitglieder in den Regionen aktuell bewegen: Beginnend bei Erntehelfermangel, Lohnsteuerpauschalierung und der Kritik am Einsatz von Folien, geht es um erforderliche Werbemaßnahmen, Pressearbeit, Gespräche mit Behörden und Abgeordneten, Termine und Umfragen.“ Eickhorst hob in diesem Zusammenhang die Pressemitteilungen des Netzwerkes der Spargel- und Beerenverbände über das Grüne Medienhaus hervor. Diese haben das Ziel, die positiven Potenzen der Branche anhand von Fakten allgemeinverständlich und überzeugend darzustellen.WIE geht’s weiter?Abschließend berichtete Eickhorst vom Strategietreffen des Ehrenamts mit Geschäftsführer/innen jeweiliger Verbände im Oktober 2019 in Kassel. Dort wurde auch über die Finanzierbarkeit des Netzwerkes gesprochen; es fielen Stichworte wie Spargel- oder Beeren-Cent für jedes vermarktete Kilo und es wurde an Zeiten mit der CMA erinnert. „Wenn wir wirklich gemeinsame Werbung für unsere Produkte machen wollen“, gab der Referent zu bedenken, „dann müssen wir über andere Summen reden, als die, die dem Netzwerk aktuell zur Verfügung stehen.“ Die Zeche bezahlen bislang vier Vereinigungen ganz allein – siehe Einstieg.

Marlis Heinz


All Hentai games https://dtsmusic.top/ Foot Fetish