21.08.2015

Pestalotiopsis: neue Wurzelkrankheit in Erdbeeren

Pestalotiopsis verursacht Rhizomfäule bei Erdbeeren
Foto: Lieten

Seit letztem Jahr wird die Pilzkrankheit Pestalotiopsis longisetula immer häufiger in Erdbeerkulturen gefunden. Zunächst dachte man noch, es sei eine sekundäre Infektion und die eigentliche Ursache für Absterbeerscheinungen wäre eine andere Pilzkrankheit. Untersuchungen der BASF in den Jahren 2013 und 2014 bewiesen das Gegenteil. Pestalotiopsis kann ebenso die Ursache für das Welken von Erdbeerpflanzen sein.

Vermutlich kursiert dieser Pilz bereits seit einigen Jahren, aber Beratung und Labore waren sich dessen nicht bewusst und erkannten die Krankheit nicht. Bei Welkesymptomen wurde zumeist als Ursache eine Infektion mit Phytophthora cactorum unterstellt. In der Praxis schneiden Anbauer und Berater das Rhizom mit einem Messer der Länge nach durch und untersuchen die Schnittflächen. Zeigt sich braunes Korkgewebe, so war die Schlussfolgerung stets „Phytophthora cactorum“. Dies scheint aber nicht immer der Fall zu sein. Es kann auch Pestalotiopsis oder in einigen Fällen Colletotrichum fragariae sein. Die Symptome ähneln sich stark. Allein die Analyse durch ein spezialisiertes Labor kann Klarheit bringen.

Pestalotiopsis: Fruchtfäule- und Blattfleckenkrankheit

Pestalotiopsis ist vor allem als Fruchtfäule- und Blattfleckenkrankheit an Erdbeeren in subtropischen Gebieten wie den südlichen Staaten von Nordamerika, Brasilien, China, Israel und Ägypten bekannt.

Der Befall beginnt zumeist mit kleinen, unregelmäßigen, hellbraunen eingesunkenen Flecken von 3 bis 4 mm auf den Früchten. In den Flecken entwickelt sich ein weißer, feucht aussehender Pilzrasen. Nach einiger Zeit verfärbt sich dieser schwarz und es bildet sich ein dunkelbrauner Ring herum; das sind die Sporen von Pestalotiopsis. Im weiteren Verlauf werden auch die Früchte gänzlich befallen und vertrocknen. Pestalotiopsis kann sich auch durch Blattflecken bemerkbar machen. In den USA wurde in den siebziger Jahren festgestellt, dass Pestalotiopsis auch das Vertrocknen von Blütenstängeln und Ranken verursachen kann.

Pestalotiopsis: eine Wurzelkrankheit

In China wurde in den neunziger Jahren herausgefunden, dass Pestalotiopsis auch die Wurzeln von Erdbeeren befällt. Neu ist in diesem Zusammenhang, dass der Pilz offenbar bei europäischen Sorten auch das Rhizom und die Wurzeln befallen kann, was Welkeerscheinungen zur Folge hat.

Im vergangenen Frühling wurde Pestalotiopsis von verschiedenen Laboren in den Niederlanden und Belgien an den Sorten `Elsanta´, `Sonata´, `Malling Centenary´ und `Elegance´ bestimmt. Das sind genau die Sorten, die auch für Phytophthora cactorum anfällig sind. Da man an der Krankheitsursache zweifelte, wurden verwelkte Pflanzen eingeschickt und im Rhizom Pestalotiopsis gefunden - zum Teil in Gesellschaft mit Phytophthora, aber bei einer Anzahl Proben auch ausschließlich Pestalotiopsis. Die Symptome gleichen sich sehr. Bei Pestalotiopsis ist zumeist der Haupttrieb befallen. Die Pflanzen welken und bekommen rote Blattstiele. Wenn man das Rhizom durchschneidet, zeigt sich ein korkartiges Gewebe oben im Rhizom, häufig dicht bei den Blattachseln. Die Farbe ist braun-rot und häufig etwas glasig marmoriert. Eine Verwechslung mit Phytohthora cactorum kann leicht passieren.

Der Beweis, dass Pestalotiopsis tatsächlich die Ursache für Welkeerscheinungen sein kann, wurde neulich durch künstliche Infektionen bei PCfruit Belgien erbracht. Erdbeerpflanzen wurden auf verschiedene Weise mit Pestalotiopsis infiziert: durch Bespritzen von oben ins Herz der Pflanze, durch das Einbringen von befallenem Erdbeergewebe in das Substrat in Wurzelnähe oder durch das Tauchen der Wurzeln. Bei allen drei Methoden gelang es den Versuchsanstellern, gesunde Erdbeerpflanzen mit Pestalotiopsis zu infizieren.

Entwicklung

Pestalotiopsis longisetulakommt auf einigen Pflanzenarten vor, darunter Rosengewächse wie Aprikose und Pfirsich, aber auch Bohnen und Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln und Tomaten. Diese Pilzart kann also generell vorhanden sein. Befall wurde bisher vor allem bei Traypflanzen und in geringerem Maße auch bei Wartebeetpflanzen beobachtet. Pestalotiopsis entwickelt sich gut bei relativ hohen Temperaturen zwischen 20 und 24 °C und hoher Feuchtigkeit. Frisch gepflanzte Wartebeete und Trayfelder, die viel beregnet werden, bilden daher eine ideale Umgebung für diesen Pilz. Bei beschädigten Pflanzen, sei es durch Abknipsen der Stolonen oder Blattstiele, Schnitt oder Mähen, erhöht sich die Gefahr einer Infektion sowohl von Pestalotiopsis als auch von Phytophthora cactorum. Sporen von Pestalotiopsis können durch Spritzwasser, Maschinen oder Wind verteilt werden.

Fungizide

Die klassischen Pflanzenschutzmittel, die gegen Phytophthora eingesetzt werden, helfen nicht gegen Pestalotiopsis. Daraus erklärt sich auch, dass die Pflanzen trotz mehrerer Anwendungen mit Fungiziden wie Paraat, Aliette, Fenomenal oder Phosfik in der Praxis doch umfielen. In den letzten Jahren wurden diese Mittel intensiv in der Vermehrung, auf Wartebeeten, in Traypflanzen und auf Produktiosfeldern eingesetzt und doch wurden zum Teil hohe Ausfälle verzeichnet.

Da Pestalotiopsis zur Gruppe der Ascomyceten gehört, müssen ganz andere Fungizide zum Einsatz kommen. So erklärt sich, dass es trotz vieler Behandlungen in einigen Kulturen zu starken Ausfällen kam. Man behandelte gegen Phytophthora während Pestalotiopsis entwischen konnte.

Eine gute Wirkung können die Triazole wie Tetraconazol, Tebuconazol und Hexaconazol haben. Außerdem bekämpfen auch Mittel aus der Gruppe der Benzimidazole wie Carbendazim, Topsin und Benlate diese Pilzkrankheit (Die deutsche Zulassungssituation ist unbedingt zu beachten!).

Philip Lieten, Fragaria Holland BV