23.10.2019

„Protest-Tafel“ auf dem Acker in der Pfalz

In Dannstadt-Schauernheim haben 150 Landwirte aus der Pfalz eine überlange Protest-Tafel auf dem Acker gestellt. Als Zeichen für die Dialogbereitschaft gedeckt mit Pfälzer Gemüse.
Foto: Klaus Venus

Für viele Landwirte und Verbraucher hat das aktuelle „Agrarpaket“ der Bundesregierung jetzt das Fass sprichwörtlich zum Überlaufen gebracht! Da tragfähige und praxistaugliche Lösungen für eine zukunftssichere Landwirtschaft ausgeklammert wurden, formiert sich innerhalb weniger Tage bundesweit ein überparteilicher und unabhängiger Protest.

Unter dem Motto „Land schafft Verbindung – Wir rufen zu Tisch“ beteiligen sich über Facebook bereits rund 16.000 Menschen am Diskurs. Genau wie in der Pfalz beschließen in nahezu allen landwirtschaftlichen Regionen Landwirte, sich zu vernetzen und auch auf regionaler Ebene aktiv zu werden. Da die aktuelle Beschlusslage zu einer weiteren Regulierung führt und die praktische Umsetzbarkeit vielfach unmöglich scheint, sehen sie – im bestehenden Handlungsrahmen – die Wettbewerbsfähigkeit und Existenz mittelständischer Erzeuger und Betriebe im ländlichen Raum gefährdet.

Vor der Entwicklung steigender Betriebsaufgaben und einem fortschreitenden Höfesterben geht es auch darum, die Gesellschaft rechtzeitig wachzurütteln. Denn mit jedem Landwirt, der seinen Betrieb aufgibt, verschwindet nicht allein Fach-Know-how und Kaufkraft, sondern auch ein Stück Vielfalt im ländlichen Raum.

Um – unter dem Motto „Land schafft Verbindung“ – ein erstes Zeichen zu setzen, werden am 22. Oktober deutschlandweit Landwirte friedlich gegen das Agrarpaket demonstrieren. Parallel zur Zentralveranstaltung in Bonn, zu der mehr als 2.000 Bauern aus ganz Deutschland erwartet werden, sind 150 Landwirte und Erzeuger in der Pfalz und den angrenzenden Regionen in Rheinhessen heute mit einer überdimensionalen „Protest-Tafel“ auf dem Acker aktiv.

Die Bauern und Winzern zeigen vor Ort in Dannstadt-Schauernheim mit über 100 Traktoren und Schleppern Flagge auf und über dem Acker. Als weithin sichtbares Zeichen zog – über der Protest-Tafel – ein Kleinflugzeug mit einem Banner „Essen von hier?“ seine Kreise über der Vorderpfalz. Abseits von Parteien, NGOs und sonstigen etablierten Interessengruppen geht es den regionalen Initiatoren von „Land schafft Verbindung“ um die Versorgungssicherheit nachfolgender Generationen mit gesunder Ernährung. Die symbolische Einladung, an der „Protest-Tafel“ Platz zu nehmen, richten die Bauern deswegen nicht allein an die maßgeblichen Entscheider in der Politik. Der neuen und schnell wachsenden „Landbewegung“ geht es vor allem auch darum, einen neuen gesellschaftlichen Diskurs über den Wert regional erzeugter Qualitätsprodukte vom Feld und Acker in Gang zu setzen.

Alexander Friedrich, Landwirt aus Hochdorf-Assenheim und Mitinitiator von „Land schafft Verbindung“ in der Pfalz erklärt: „Das Agrarpaket ist nur der Anstoß, warum wir jetzt gemeinsam in unserer Gesellschaft aktiv werden müssen. Wenn wir unseren Kindern und Enkeln Versorgungssicherheit und gesunde Nahrungsmittel bieten wollen, dann müssen wir uns mit allen maßgeblichen Gruppen in unserer Gesellschaft über den Stellenwert von Landwirtschaft verständigen. Lassen wir weitere Höfe sterben, dann vertun wir diese Chance, unsere Zukunft aktiv zu gestalten!“

Quelle: Land schafft Verbindung