10.11.2017

Remontierende Erdbeeren im Vergleich

Das Sortenkarussell dreht sich bei remontierenden Erdbeeren schnell. Oft fehlt es dem Anbauer an Wissen und Erfahrung über die Sorten. Um hier Abhilfe zu schaffen, veranstaltete die Landwirtschaftskammer NRW im August einen Infonachmittag zu remontierenden Erdbeeren auf dem Spargelhof Lastering in Wettringen.

18 remontierende Erdbeersorten konnten getestet werden

 

Das Interesse an der Veranstaltung war groß: ca. 70 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit zur Besichtigung verschiedener Remontierer im Betrieb mit Sortenverkostung und Vorstellung von Versuchsergebnisse, Kulturführungshinweisen und Pflanzenschutzstrategien bei Remontierern sowie zum Austausch unter Kollegen und Anbauberatern.

Insgesamt 18 remontierende Erdbeersorten, gepflanzt an zwei Terminen (Anfang April und Mitte Mai) und kultiviert in Substrat im Tunnel, konnten im Vergleich begutachtet und probiert werden. Bezüglich Erntebeginn, Ertrag, Fruchtgröße, -festigkeit und Geschmack wurden folgende Sorten verglichen: `Albion´,  Altress´ `Amandine´, `Arabella´, `Capri´, `Charlotte´, `Ciafine´, `Eves Delight´, `Evie II´, FF 1504 A, FF1604 A, `Favori´, `Florentina´, `Florina´, `Harmony´, `Malga´, `Murano´, `Verity´ und `Vivara´.

Erfahrungen zum Anbau

Über die Erfahrungen im Anbau von remontierenden Erdbeeren berichtete Ludger Linnemannstöns vom Gartenbauzentrum Köln-Auweiler. „Für den Anbau von Remontierern stehen verschiedene Kulturverfahren zur Verfügung“, so Linnemannstöns eingangs. Im Freiland sei nach wie vor die Dammkultur geeignet. Allerdings sieht Linnemannstöns die Zukunft von remontierenden Erdbeeren eher im geschützten Anbau. Hier ist ein Anbau sowohl im Wandertunnel als auch auf Stellagen möglich. Mit steigenden Löhnen und steigenden Qualitätsanforderungen sei die Stellagenkultur die beste Lösung. Die Substratkultur im geschützten Anbau biete einige Vorteile, habe aber auch Risiken: Ein Flächenwechsel ist nicht notwendig und der Flächenbedarf ist gering. Die Kulturen liefern gute Qualitäten und die Produktion ist verlässlich. Allerdings erfordere die Kultur hohe Pflückleistungen und sei sehr beratungsintensiv. Zu bedenken sei auch, dass die Investitionskosten in eine Stellagenkultur bei 200 000 €/ha liegen, so Linnemannstöns. Nach seiner Berechnung sei der Anbau von remontierenden Erdbeeren nur interessant, wenn Durchschnittspreise von mindestens 3,00 €/kg erzielt werden, was im geschützten Anbau eher realisiert werde als im Freiland.

Linnemannstöns wies auch darauf hin, dass die Anbaurisiken insbesondere aufgrund von Thripsbefall erheblich seien und bei Remontierern ein zunehmendes Problem werde. Insbesondere der Kalifornische Blütenthrips sei chemisch fast nicht zu bekämpfen. Der Obstexperte riet den Anbauern, kein Karate, sondern nur nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel einzusetzen und von Anfang an die Thripsstrategie zu befolgen. Dabei empfahl Linnemannstöns gleich nach der Pflanzung Bodenraubmilben (Hypoaspis oder Macrocheles) einzusetzen. Zusätzlich sollte vorbeugend Amblyseius (Neiseiulus) cucumeris im Abstand von sieben bis 14 Tagen von Mitte April bis Anfang September ausgebracht werden. Ferner können die Raubwanze Orius sp. oder die Raubmilbe Amblydromalus limonicus eingesetzt oder der Pilz Naturalis gespritzt werden. Da es Thripse gern warm und trocken mögen, sollte auf ein gutes Klima im Haus, kühl mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, geachtet werden. Weiter empfahl Linnemannstöns folgende anbautechnische Maßnahmen:

·         Keine Folie über den Winter

·         Folie nicht vor Anfang Februar aufziehen

·         Keine niedrigen Stellagen

·         Keine Bündchengewebe

·         Graseinsaat unter Stellagen

·         Unterkronenberegnung

·         Folienabdeckung unter Stellagen (Gewächshauskultur)

·         Haus sauber halten

·         Jährlicher Wechsel des Substrats

·         Keine niedrigen Seitenlüftungen

Auch der Einsatz von feinmaschigeren Netzen als die gegen die Kirschessigfliege kann gegen Thripse helfen. Allerdings werde dadurch die Klimatisierung deutlich schlechter.

Kulturführung und Düngung

Über die Kulturführung und Düngung bei Remontierern informierte Verena Hersping, Obstbauberatung der LKW NRW. „In der Substratkultur sind Düngung und Bewässerung der Pflanzen etwas aufwendiger“, so Hersping. „Den EC-Wert des Drainwassers sollten Sie immer im Blick haben“, betonte die Beerenobstberaterin. Der Drain-EC-Wert sollte immer unter 2,0 liegen, optimal wären 1,6-1,8 mS/cm. Andernfalls nehme die Pflanze nicht mehr so viel Nährlösung auf, wie man hinzugibt. Ist der Wert zu hoch müsse mit Wasser gespült werden bis der Zielwert erreicht ist und gegebenenfalls die Düngermenge reduziert werden. Die minimale Wassergabe liegt bei 100 ml/Tropfgang, d.h. drei Minuten bei 2-l-Troper. Je nach Witterung und Pflanzengröße empfahl Hersping bis zu zehnmal am Tag zu tropfen. Die Drainwassermenge sollte an bedeckten Tagen bei 5 % und an sonnigen Tagen bei 25 % liegen. Beim ersten Durchgang am Tag sollte allerdings kein Drainwasser entstehen. Weiterhin instruierte Hersping, die Kultur in der Anwachsphase und im Herbst trockener (ohne Drain) zu fahren, damit keine Probleme mit Wurzelkrankheiten entstehen. Insbesondere an heißen Tagen sollten auch Bewässerungsgänge ohne Dünger laufen. Zur Kontrolle empfahl Hersping einige technische Geräte, wies aber auch darauf hin, stets ein Auge auf die Kultur zu werfen.

Pflanzenschutz

Spezieller als bei den Einmaltragenden ist das Thema Pflanzenschutz bei remontierenden Erdbeeren, da viele spezielle Schaderreger auftreten können, betonte Sandra Nitsch vom Pflanzenschutzdienst der LWK NRW. Hohe Temperaturen, ein trockener Bestand, hohe Luftfeuchte, ein langer Blütezeitraum und ein kontinuierliches Angebot an reifen Früchten machen die Remontierer speziell für Thripse, Spinnmilben, Kirschessigfliege und Echten Mehltau besonders attraktiv. Wirksame chemische Pflanzenschutzmittel haben bei den Remontierern überwiegend keine Zulassung oder dürfen aufgrund der B1-Kennzeichnung nicht ausgebracht werden. Deshalb riet Nitsch, dringend eine Nützlingsstrategie zu befolgen. Bei Remontierern sei ein intensives Monitoring auf Schaderregerbefall und frühzeitiges Gegensteuern angeraten. Bei Pflanzenschutzmitteln solle man selbst stets nützlingsschonende Mittel bevorzugen – auch bei Nichtausbringung von Nützlingen, wegen der natürlich vorkommenden Nützlinge. Zudem spiele die Sortenwahl eine Rolle. Für eine konkrete Empfehlung müssten allerdings noch weitere Versuche erfolgen.

Im geschützten Anbau sei das Gewächshaus gegenüber dem Tunnel aufgrund besserer Klimasteuerung zu bevorzugen. Um den Thripsbefall möglichst gering zu halten, rät Nitsch vom Anbau im Substratdamm oder niedriger Substratrinne ab.

Birgit Scheel