21.04.2021

Saisonarbeit während der Pandemie

Foto: SVLFG

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) informiert über
die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen zum Infektions- und Arbeitsschutz für Saisonarbeitskräfte. Hierbei ist gemeinsames Arbeiten und Wohnen in Kleingruppen essenziell.
Die SVLFG stellt entsprechende Praxishilfen unter www.svlfg.de/corona-saisonarbeit
bereit.

In den Sonderkulturbetrieben sind ausländische Saisonarbeitskräfte mittlerweile unverzichtbar.
Jährlich werden zwischen 160.000 bis 300.000 von ihnen beschäftigt. Schon die Organisation
ist mit Aufwand und Schwierigkeiten verbunden: ausreichend Saisonarbeitskräfte
akquirieren, die arbeits-, sozial- und steuerrechtlichen Hürden nehmen, für Unterbringung
sorgen und Sprachbarrieren überwinden. Seit vergangenem Jahr stellt die Corona-Pandemie
die Unternehmen mit Saisonarbeitskräften vor weitere besondere Herausforderungen und
gefährdet die Ernte. Viele Unternehmer waren und sind unsicher. Nach den hohen Infektionsraten
in der fleischverarbeitenden Industrie stehen auch die Unterkünfte der Saisonarbeitskräfte
in der Landwirtschaft besonders im Fokus der Medien. Arnd Spahn, Vorstandsvorsitzender
der SVLFG, äußerte sich dazu auf einer digitalen Pressekonferenz der SVLFG
im März wie folgt: „Seit dem Lockdown wissen wir, wie wichtig es ist, verlässliche Arbeitskräfte
zu haben, die den Spargel stechen oder die Erdbeeren ernten. Die Menschen, die das
für uns tun, verdienen unsere Unterstützung.”

Arbeitsschutzregel als Grundlage
Für den Zeitraum der epidemischen Lage von nationaler Tragweite konkretisiert die vom
Bundeskabinett beschlossene SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel gemäß §5 Infektionsschutzgesetz
die Anforderungen an den Arbeitsschutz. Die Regel stellt Maßnahmen für alle Bereiche
des Wirtschaftslebens vor, mit denen das Infektionsrisiko für Beschäftigte gesenkt und
auf niedrigem Niveau gehalten werden kann. Dabei sind Abstand, Hygiene und Masken als
die wichtigsten Instrumente benannt, solange es keinen ausreichenden Impfschutz unter
den Beschäftigten gibt. Gleichwertige oder strengere Regeln, zum Beispiel aus der
Biostoffverordnung oder aus dem Bereich des Infektionsschutzes, müssen jedoch weiterhin
berücksichtigt werden. Zusätzlich sind die Auflagen der einzelnen Bundesländer und Kommunen
zu beachten, die oft kurzfristig in Abhängigkeit von den Infektionszahlen verändert
werden.

So verringern Sie das Infektionsrisiko in Ihrem Betrieb
Wer die Regeln nicht einhält, gefährdet die Gesundheit seiner Arbeitskräfte, der eigenen Familie
und letztendlich die Arbeitsfähigkeit seines Betriebes und auch das Ansehen der ganzen
Branche. Aber wie behält man den Überblick? Oft sind die Vorgaben der verschiedenen

Behörden sehr unterschiedlich und in der schnelllebigen Zeit kaum überblickbar. Die SVLFG
unterstützt in allen Fragen des Arbeitsschutzes und der Hygiene. Seit Beginn der Pandemie
steht sie im intensiven Austausch mit den Bundes- und Landesbehörden und hat Handlungsempfehlungen
und eine Reihe von Praxishilfen für die Unternehmer erarbeitet. Alle Informationen
finden Sie auf der Internetseite der SVLFG unter www.svlfg.de/corona-saisonarbeit.
Die Informationen werden ständig aktualisiert. Wichtig: Verwenden Sie keine Unterlagen aus
2020, sondern laden Sie die Betriebsanweisungen, Plakate und andere Dokumente neu herunter.
Nur so können Sie sicher sein, sich auf dem aktuellen Stand der Informationen zu
befinden, z. B. hinsichtlich des Tragens von medizinischen Masken. Unter „Maßnahmen im
Betrieb“ erhalten Sie konkrete Hilfestellung für alle Handlungen zur Verringerung des Infektionsrisikos
mit dem Coronavirus (COVID-19) von der Arbeitsorganisation über den laufenden
Betrieb bis zur Unterbringung.

Gefährdungsbeurteilung hilft
Auf Grundlage des Arbeitsschutzstandards des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
hat die SVLFG als zuständiger Unfallversicherungsträger die bisherigen Gefährdungsbeurteilungen
(GBU) für die Landwirtschaft hinsichtlich des Infektionsrisikos mit dem Coronavirus
überarbeitet und zusätzliche geeignete Schutzmaßnahmen abgeleitet. Nutzen Sie diese
branchenspezifische Muster-GBU für die Beurteilung der Gefährdungen in Ihrem Betrieb. Darin
sind fast alle Gefährdungen der von Ihnen bzw. von Ihren Beschäftigten ausgeführten
Tätigkeiten berücksichtigt.
So klappt die Unterweisung trotz Sprachbarrieren
Mit der für Ihren Betrieb angepassten Gefährdungsbeurteilung verfügen Sie als Unternehmer
über die Grundlage für die Unterweisung der Arbeitskräfte. Die Vorstellung der allgemeinen
Schutzmaßnahmen gelingt anhand der bebilderten Plakate zum Coronavirus in 15 Sprachen
leicht. Auch die Unterweisungshilfe in Form einer Präsentation erleichtert die Vermittlung
mit vielen Visualisierungen. Mit den mehrsprachigen Musterbetriebsanweisungen zu SARSCoV-
2, welche die Gefahren für den Menschen, Schutzmaßnahmen, Verhaltensregeln und
Erste Hilfe beschreiben, ist das Unterweisungsmaterial komplett. Außerdem können Sie auf
die neuen Angebote verweisen, welche die Saisonarbeitskräfte direkt und selbständig nutzen
können.

Neue Web-App und Hotline für Saisonarbeitskräfte
Über www.agriwork-germany.de erhalten Saisonarbeitskräfte mehrsprachige Informationen
zum sicheren und gesunden Arbeiten sowie zum Schutz vor dem Corona-Virus. Die neue
Web-App für Saisonarbeitskräfte bietet Informationen zur gemeinsamen Arbeit und Unterbringung
unter Corona-Bedingungen, zum Unfall- und Gesundheitsschutz sowie zur Ersten
Hilfe und zu den Notfallnummern. Im Bereich FAQ finden sich Antworten auf viele weitere
Fragen. Die Inhalte werden in deutscher, englischer, rumänischer, polnischer, bulgarischer
und ungarischer Sprache bereitgestellt. Unternehmer können die Beschäftigten zur Nutzung
der Web-App informieren.

Außerdem ist eine Hotline für Fragen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz eingerichtet, auf
der die Saisonarbeitskräfte direkt in ihrer Muttersprache anrufen können und Antworten zum
Infektions- und Arbeitsschutz erhalten. Die Hotline ist montags bis donnerstags von 8 bis
17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr in folgenden Sprachen erreichbar unter diesen Telefonnummern:
Deutsch +49 561 785-10010
Rumänisch +800 785-34001
Polnisch +800 785-34002
Ungarisch +800 785-34003
Serbokroatisch +800 785-34004
Bulgarisch +800 785-34005

Zusammen arbeiten – zusammen wohnen
In Kleingruppen zusammen arbeiten, zusammen wohnen und zusammen die Freizeit gestalten
– so könnte man den Grundsatz für die Organisation zur Einschränkung des Infektionsrisikos
mit einem Satz beschreiben. Stellen Sie sicher, dass die Beschäftigten untereinander
so wenig wie möglich in Kontakt kommen und die notwendigen Abstände eingehalten werden
können. Die Einteilung in feste Teams von Anfang an hilft, das Ausbreitungsrisiko zu
minimieren. Wenn ein Beschäftigter erkranken sollte, muss ggf. nur sein Team unter Quarantäne
gestellt werden, nicht aber der gesamte Betrieb. So wird ein Totalausfall verhindert!
Die Teams sollten nicht größer als vier Personen sein. Ist die Gruppengröße von vier Personen
für die eingesetzte Produktionstechnik nicht ausreichend, z. B. bei Einsatz eines Gurkenfliegers,
so kann die Gruppe auf maximal 15 Personen erweitert werden. Hierfür ist allerdings
ein Nachweis zur Begründung erforderlich. Grundsätzlich sollten diese Personen zusammen
arbeiten, zusammen wohnen und auch ihre Freizeit zusammen gestalten. Auch
beim Transport der Arbeitskräfte sollte auf diese Zusammensetzung im Fahrzeug geachtet
werden. Der Kontakt zwischen den Teams untereinander sollte dagegen möglichst vermieden
werden. Kann aufgrund des Arbeitsverfahrens der Abstand von 1,5 m zwischen Beschäftigten
nicht eingehalten werden, müssen Masken getragen werden. Hierzu können medizinische
Masken oder FFP2–Masken ohne Ausatemventil verwendet werden.

Anforderungen an die Unterbringung
In der Pandemie werden auch an die Unterbringung der Saisonarbeitskräfte besondere Anforderungen
gestellt. Anzustreben ist die Unterbringung in Einzelzimmern. Ist das nicht
möglich, so sollen in einem Mehrbettzimmer nur Mitarbeitende des gleichen Teams untergebracht
werden. Falls aufgrund des Arbeitsverfahrens größere Gruppen als vier Personen
gebildet werden, können gemäß ASR 4.4 in einem Mehrbettzimmer maximal acht Personen
bzw. vier Personen in einem Wohncontainer übernachten. Die Mindestraumfläche von 6 m²
pro Person bei einer Belegung bis 6 Personen und 6,75 m² pro Person bei Belegung mit 7
bis 8 Personen darf jedoch nie unterschritten werden.

Müssen doch Personen verschiedener Arbeitsteams in einem Zimmer untergebracht werden,
so müssen die Sicherheitsabstände eingehalten werden können: Dann dürfen die Zimmer
nur mit der halben Kapazität belegt werden, das heißt vier Personen im Zimmer bzw.
zwei Personen im Wohncontainer. Etagenbetten dürfen nur einfach belegt werden und für
jede Person müssen 12 m² Raumfläche zur Verfügung stehen. Ausnahmen gibt es nur für
enge Familienangehörige. Für Erkrankte bzw. für Personen in Quarantäne ist ein Ersatzwohncontainer
bzw. eine Ersatzunterkunft bereitzuhalten. Diese müssen mit einem Krankenwagen
und einer Krankentrage leicht erreicht werden können.

Arbeitgeber müssen Tests anbieten
Seit dem 19. April gilt die Zweite Verordnung zur Änderung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung.
Sie verpflichtet alle Arbeitgeber, ihren Beschäftigten mindestens einmal pro Kalenderwoche
einen Test in Bezug auf einen direkten Erregernachweis des Coronavirus anzubieten.
Beschäftigten, die unter anderem in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht
sind, hat der Arbeitgeber mindestens zweimal pro Kalenderwoche einen solchen Test zur
Verfügung zu stellen.
Präventionsfilme für Saisonarbeitskräfte in vier Sprachen
Gesundheitsschutz hört beim Schutz vor Corona nicht auf. Während der Saisonarbeit kann
auf dem Betrieb viel passieren. Wie man sich vor den Gefahren schützen kann, zeigen vier
Präventionsfilme, jeweils in Englisch, Polnisch, Rumänisch und Deutsch, angefangen bei der
richtigen Arbeitskleidung über Hygiene bis hin zum Verhalten bei Unfällen. Angesehen werden
können die Filme auf dem YouTube-Kanal der SVLFG, z. B. auch im Rahmen der Unterweisung
vor Beginn der Tätigkeit.

UV-Schutz bei der Arbeit im Freien
Jetzt im April sind die ersten Sonnenstrahlen vielleicht noch angenehm, aber schnell werden
Hitze und UV-Strahlung zu Gesundheitsgefahren. Dann heißt es, die Arbeiten in der prallen
Hitze weitgehend zu reduzieren, Arbeitszeiten zu verlegen, ausreichend Trinkwasser zur Verfügung
zu stellen und die Beschäftigten mit Textilien sowie Kopfbedeckung und Sonnencreme
mit hohem Lichtschutzfaktor vor ultravioletter Strahlung zu schützen. Die Studie „Genesis
UV“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung unter Beteiligung der SVLFG hat
gezeigt, dass die grünen Berufe besonders gefährdet sind. Im Rahmen der Kampagne „Lass
Dich nicht verbrennen“ setzt die SVLFG ab Mai Infoboxen zum Hitze- und UV-Schutz ein.
Beratung zum Arbeitsschutz auch vor Ort

Die SVLFG unterstützt die Sonderkulturbetriebe bei Arbeitsschutz und Hygiene mit persönlicher
Beratung vor Ort. Die Außendienstmitarbeiter kommen gern auch in Ihren Betrieb. Den
regional zuständigen Ansprechpartner finden Sie unter www.svlfg.de/ansprechpartnerpraevention.
Empfehlenswert ist es, vor dem Termin zunächst den Selbstauskunftsbogen
durchzugehen.

Quelle: SVLFG


All Hentai games https://dtsmusic.top/ Foot Fetish