24.06.2014

Spargelsaison 2014: Früher Start und Rekordnachfrage im April

von Michael Koch, Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI)

Die Spargelsaison 2014 startete unter gänzlich anderen Voraussetzungen als im Vorjahr. Nachdem 2013 noch bis in den April hinein sehr niedrige Temperaturen herrschten, und im März mitunter noch eine geschlossene Schneedecke lag, haben sowohl der März als auch der April 2014 Rekorde bezüglich Sonnenscheinstunden und Temperatur gebrochen. Allerdings war es auch ausgesprochen trocken. Für den Spargel waren diese Bedingungen jedoch optimal, vor allem die Verfrühungssysteme konnten ihre Wirkung aufgrund der vielen Sonnenstunden vollständig entfalten. Lediglich der in einigen Regionen nur schwach ausgeprägte Kältereiz im Winter stellte einen gewissen Unsicherheitsfaktor dar.

In Folge dieser günstigen Rahmenbedingungen setzte die Spargelernte 2014 deutlich früher ein als im Vorjahr. Dieser Vergleich hinkt allerdings, da die Startbedingungen 2013 und 2014 kaum unterschiedlicher sein könnten. Aber auch im langjährigen Vergleich gehört die Spargelsaison 2014 eindeutig zu den frühen. Bereits in der 14. Woche stiegen die Erntemengen im folienverfrühten Anbau spürbar an. Schon davor war Spargel aus beheiztem Anbau zusammen mit der Importware am Markt präsent gewesen.

Kurzfristig betrachtet fiel das Angebot in der 15. Woche sogar vergleichsweise groß aus, weil noch nicht alle Vermarktungskanäle offen standen und der Spargel hauptsächlich über die Großmärkte abgesetzt werden musste. Gleichzeitig wurde in einigen Regionen unter Minitunneln bereits der Vollertrag erreicht und auf optimalen Standorten begann auch die Ernte unter schwarzer Folie. Der späte Termin des Osterfestes in der 16. Woche brachte dann aber eine deutliche Belebung der Nachfrage mit sich. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) nahm verstärkt auch deutschen Spargel in die Programme auf.

Kurz vor Ostern wurde deutscher Spargel kurzfristig richtig knapp. Die Erntemengen gingen in Folge niedrigerer Temperaturen leicht zurück, gleichzeitig mussten die Programme im LEH bedient werden. Das bekamen vor allem die Großmärkte zu spüren, dort stiegen die Preise für frei verfügbare Ware zum Osterwochenende spürbar an. Das sollte aber für längere Zeit auch der letzte Preisanstieg gewesen sein. Denn schon mit dem Osterwochenende hat sich der Markt erneut gedreht. Aus einem eher knappen Angebot wurde ein zu großes Angebot. Dabei blieb die Mengenentwicklung in der Produktion zunächst verhalten, da in der Aussicht auf steigende Temperaturen ein großer Anteil an Flächen auf weiß gedreht wurde, um die Mengen nicht zu schnell steigen zu lassen, und die Qualitäten hoch zu halten.

Auch in der Folge entwickelten sich die Mengen meist moderat, weil sich extreme Temperaturen kaum über Zeiträume von mehr als drei Tagen durchsetzen konnten und immer wieder auch kühlere Phasen dazwischen lagen. Zudem konnten aufgrund der hohen Nachfrage auch große Mengen am Markt platziert werden. Mitte Mai waren nach gutem Muttertagsgeschäft die Lager weitgehend geräumt. Allerdings wurde die Nachfrage, vor allem auf Ebene der Großmärkte, ab Mitte Mai schon deutlich schwächer. Das führte dazu, dass dort teilweise zu große Mengen verfügbar waren und die Preise unter Druck gerieten, während im Kettengeschäft Ware gesucht wurde. Dennoch dauerte es auch im Kettengeschäft bis in die zweite Maihälfte, bis in Ansätzen höhere Preise durchgesetzt werden konnten.

Preise gehen früh zurück, fallen aber nicht so tief wie 2011

In Anbetracht schnell steigender Erntemengen konnte das hohe Preisniveau vom Saisonstart nicht lange gehalten werden. Waren für ersten deutschen Spargel aus dem beheizten Anbau Anfang März noch Großhandelsabgabepreise von mehr als 18 €/kg erzielt worden, ging der Großhandelsabgabepreis für weißen Spargel in der Sortierung 16-26 mm mit dem Einstieg der Minitunnel Anfang April bereits auf 8 €/kg zurück. Das war deutlich weniger als im Vorjahr, aber dieser Vergleich hinkt aufgrund der unterschiedlichen Vorbedingungen ohnehin. 2011 war der Großhandelsabgabepreis bei vergleichbaren Witterungsbedingungen ähnlich schnell zurückgegangen. In der 15. Woche lag der Großhandelsabgabepreis dann sogar einmal unter dem Niveau von 2011, das sollte aber für lange Zeit auch zum letzten Mal der Fall sein, denn in der Folge war der Preisverlauf deutlich moderater. Selbst als in der 18. Woche mit 4,30 €/kg der niedrigste Preis erreicht wurde, lag dieser immer noch 14 % über dem Niveau von 2011. Die folgende Preiserholung fiel bislang nicht so stark aus wie erwartet und auch in den verbleibenden Wochen der Saison wird die Preisentwicklung eher von der Nachfrage als vom Angebot abhängen.

Auch für die Verbraucher war deutscher Spargel aufgrund des deutlich umfangreicheren Angebots 2014 bislang deutlich günstiger als im Vorjahr. Allerdings blieb der durchschnittliche Verbraucherpreis durchweg höher als 2011. Mit 5,42 €/kg mussten die Verbraucher in der Saison 2014 am wenigsten für deutschen Spargel ausgeben. In der Folge ist der Verbraucherpreis bereits wieder gestiegen. In der 21. Woche lag er mit 5,99 €/kg sogar über dem Vorjahresniveau (5,90 €/kg). Allerdings hatte der Verbraucherpreis 2013 zu diesem Zeitpunkt seinen tiefsten Stand gerade erst erreicht.

Überragende Nachfrage im April

Schon die vorläufigen Kennzahlen hatten es angedeutet, und jetzt bestätigen die Angaben im GfK-Haushaltspanel: Die Nachfrage nach frischem Spargel war im April herausragend. Mit 79,2 kg je 100 Haushalte (HH) haben die privaten Haushalte in Deutschland im April so viel Spargel eingekauft wie noch nie zuvor. Selbst die bislang höchste Einkaufsmenge aus dem Jahr 2011 wurde um 22 % übertroffen. Gegenüber der niedrigen Einkaufsmenge des vergangenen Jahres ergibt sich sogar ein Plus von 184 %. Das zeigt eine AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels.

Schon in den einzelnen Wochen im April war der Anteil der spargelkaufenden Haushalte höher als im Vorjahr, und meistens auch höher als im Jahr 2011. Insbesondere die 16. Woche mit dem anschließenden Osterfest war bezüglich der Käuferreichweite herausragend. Insgesamt kauften im April 31,7 % der Haushalte mindestens einmal frischen Spargel ein. Ein ähnlich hoher Wert wurde bislang noch in keinem April erzielt. Selbst 2009 oder 2011 kratzte die Käuferreichweite im April nur knapp an der Marke von 30 %.

Die Spargelkäufe der privaten Haushalte haben im April 2014 noch weitere Rekorde aufgestellt. So entfielen von der gesamten Einkaufsmenge 79 % auf deutschen Spargel, nie zuvor war dieser Anteil so hoch. 62,7 kg deutscher Spargel je 100 HH landeten in den Einkaufskörben der Verbraucher. Das waren 40 % mehr als 2011 und sogar 361 % mehr als 2013. Die Importe konnten nur gegenüber dem Vorjahr zulegen. Mit 16,6 kg/100 HH war die Einkaufsmenge 15 % höher als im April 2013, aber 21 % niedriger als im April 2011.

Trotz des großen Angebots war Spargel im April für die Verbraucher nicht ausgesprochen günstig. Durchschnittlich mussten für ein Kilo Spargel 6,36 € ausgegeben werden. Das waren zwar 5 % weniger als im Vorjahr, aber 6 % mehr als im Mittel der vergangenen fünf Jahre. Dieser Gesamtdurchschnitt steigt aber auch durch den höheren Anteil an deutscher Ware, der darin einfließt.

>Angebotsaktionen auf sehr niedrigem Preisniveau

Der bisherige Verlauf der Spargelsaison 2014 war auch geprägt von teils sehr niedrigpreisigen Angebotsaktionen im Lebensmitteleinzelhandel. Nicht immer haben die niedrigen Preise zur Marktsituation gepasst. Teilweise waren sie aber auch Garant dafür, dass zwischenzeitliche Übermengen am Markt platziert werden konnten, oder auch dafür, dass die Nachfrage nicht gänzlich zum Erliegen kam. Die Zahl der Werbeanstöße für deutschen Spargel war von Anfang April bis zum Berichtszeitpunkt Mitte Mai so hoch wie in keinem der vergangenen fünf Jahre. 172-mal war deutscher Spargel in unterschiedlichen Aufmachungen und Qualitäten im Beobachtungszeitraum in der Werbung.

Im Jahr davor waren es im selben Zeitraum nur 98 Werbeanstöße gewesen. Damals konnte aber mangels Angebot im April kaum Werbung mit deutschem Spargel gemacht werden. Aber auch 2011 war die Zahl der Werbeanstöße mit 124 deutlich geringer. Damals waren keine frühzeitigen Absprachen getroffen worden, und der Handel reagierte erst spät auf das früh verfügbare Angebot.

Die werbeintensivste Woche 2014 war die 20. Woche, in dieser Woche reagierten zahlreiche Ketten - insbesondere im Norden - auf das vorangegangene Angebot von Aldi Nord. Dort war zum Ende der 19. Woche Spargel in der Sortierung weiß/violett, 16 mm+ mit 1,99 €/500 g beworben worden. Entsprechend gab es diesen Werbepreis dann auch in der 20. Woche. Überwogen zunächst die Vorteile dieser Aktion, weil auch Bestandsmengen geräumt werden konnten, so musste im weiteren Verlauf die Ware richtiggehend gesucht werden. Es gab auch schon in anderen Jahren Angebotsaktionen auf diesem Preisniveau. Oft aber nur für einen kurzen Zeitraum.

Diese länger anhaltende Phase niedriger Angebotspreise wird bei vielen Anbietern im Kettengeschäft den Durchschnittspreis der Saison 2014 drücken. Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass diese Angebotsaktionen auch dazu geführt haben, dass die Nachfrage nach Spargel im LEH in der 20. Woche auf hohem Niveau stabil blieb, während sie in der Direktvermarktung witterungsbedingt Schwächen zeigte.

Schon früher in der Saison gab es eine Angebotsaktion, die im Rückblick auf einem zu niedrigen Preisniveau angesetzt war. Im Vorostergeschäft hatte ein Discounter deutschen Spargel zu einem Werbepreis von 2,49 €/500 g angeboten. Das war für die damalige Angebotslage zu niedrig, zumal die Wettbewerber im Discountbereich überwiegend mit 2,99 €/500 g agiert hatten. Durch weitere Angebotsaktionen kurz vor dem Osterwochenende war die Werbeintensität bei Spargel in der 16. Woche 2014 so hoch wie nie zuvor.

Ende wirklich erst am 24. Juni?

Die Frage nach dem Saisonende lässt sich kaum pauschal beantworten. Zu unterschiedlich sind die einzelnen Betriebe aufgestellt, und zu unterschiedlich ist der Entwicklungsstand in den einzelnen Regionen. 2014 gibt es jedoch einige Faktoren, die zumindest in Teilen ein Saisonende vor dem traditionellen Termin am 24. Juni erwarten lassen. Am stärksten fällt dabei sicherlich der frühe Start in die Saison ins Gewicht. Die verfrühten Anlagen und die `Gijnlim´-Flächen haben ihr Ertragspotenzial zum Berichtszeitpunkt (26. Mai) ausgeschöpft und sind schon fast flächendeckend aus der Ernte. Somit bleiben für den Rest der Saison noch die späten bzw. verspäteten Anlagen, in denen die Ernte zum Teil aber auch schon weit fortgeschritten ist.

Zu Pfingsten wird damit für viele Betriebe die Entscheidung anstehen, ob noch weiter gestochen wird oder ob die Saison langsam auslaufen soll. Die Nachfrage dürfte ohnehin zu Pfingsten ihren letzten Saisonhöhepunkt erreichen. Schon andere Jahre haben gezeigt, dass eine starke Nachfrage im ersten Saisondrittel mit schwächerer Nachfrage in Richtung Saisonende erkauft wird. Insbesondere wenn sich im Juni hohe Temperaturen einstellen sollten, wird die Nachfrage erheblich nachlassen.

Spätestens der Beginn der Fußballweltmeisterschaft am 12. Juni wird einen weiteren Bruch in der Nachfrage verursachen. Auch das ist eine Erfahrung vergangener Jahre, in denen die auslaufende Spargelsaison von einem sportlichen Großereignis gefolgt wurde.


 

Ausgabe 01/2020

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