05.01.2017

Wenn die Tage wieder länger werden...

Thomas Kühlwetter

Schon Mitte Januar ist deutlich spürbar, wie die Tageslänge allmählich zunimmt und dem Licht neuen Raum bietet. Das Licht als Zeichen für das Leben verleiht auch dem Lebensrhythmus der Menschen neuen Schwung, die Freude über die ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres setzt neue Kräfte frei und schafft Platz für Ideen. Jahr für Jahr wiederholt sich dieses Szenario in gleicher Weise, vermutlich schon seit Beginn der Evolution. Es bildet damit den Gegenpol zum Niedergang der Dinge, der genauso wie der Schaffungsprozess ein fester Bestandteil des Ablaufs ist.

Das Leben der Spargel- und Beerenanbauer ist sehr eng an die Abläufe der Natur gebunden und wenn ihre Berufskollegen aus anderen Bereichen der Landwirtschaft noch lange nicht an die ersten Arbeiten auf dem Feld denken, sind sie schon lange unterwegs, denn wer frühzeitig mit seinen Produkten auf dem Markt bzw. beim Kunden ist, hat die Chance auf einen positiven Einstieg in die Saison. Also herrscht oftmals schon sehr zeitig im Jahr reger Betrieb auf den Höfen. Sobald die Flächen befahrbar sind, werden die ersten Arbeiten durchgeführt und  - sofern die Bodenverhältnisse dies erlauben – Dämmarbeiten, das Auflegen von Folien oder der Aufbau von Tunneln durchgeführt. In großen Schritten wird erkennbar, wie etwas geschaffen wird, gemeinsam und nur mit der Unterstützung vieler. Dieses Gefühl spiegelt wider, was für zahlreiche Menschen auf den Höfen ein ausschlaggebender Aspekt für die Freude an ihrem Beruf ist – gemeinsam etwas schaffen.

Losgelöst von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, von manchmal schwer erfüllbaren gesellschaftlichen Forderungen, vom Zwang zu mehr Effizienz und Innovation, gibt es also noch eine weitere Ebene, die das Leben und die Zufriedenheit auf den Höfen mitbestimmt. Und das ist gut und wichtig so! Diese Ebene umfasst im Grundsatz den Kern unserer Einstellung:  Mit gutem Gewissen ein in vieler Hinsicht hochwertiges Naturerzeugnis zu schaffen, das bei den Kunden auf ein positives Echo stößt und deren Lebensfreude hebt.

Wie weit ist dieser Ansatz aber inzwischen durch eine Fülle von Auflagen und Reglementierungen aus dem Fokus des betrieblichen Alltags gerückt. Bauvorschriften, Zoll, Amt für Arbeitsschutz, Qualitätssicherung und Zertifizierung, Prüfung durch die Sozialversicherung, Kassenprüfung durch das Finanzamt, Düngeverordnung, Brandschutzverordnung, Naturschutzauflagen, ... die Liste ließe sich problemlos weiter fortsetzen. Deutlich wird, wie wenig Zeit Betriebsleitern heute noch für ihre eigentliche Aufgabe, nämlich die Erzeugung eines Naturproduktes, das bei den Kunden auf Zuspruch trifft und zudem die ökonomische Grundlage für eine zukunftsgerichtete Fortführung des Betriebes bietet, bleibt. Das Bild des Betriebsleiters und dessen Aufgabenstellung hat sich in den zurückliegenden Jahren erheblich gewandelt. Zu vermuten bleibt, dass ein noch größerer Wandel bevorsteht, das Stichwort der Digitalisierung 4.0 mit der Folge veränderter Arbeitsabläufe mag vielleicht nur ein erster Hinweis sein.

Im Hintergrund vollzieht sich ein stilles Sterben. Fast lautlos verabschieden sich vorwiegend kleinere Höfe von der Bühne und steigen aus dem Anbau aus. Ihre Flächen werden meist von größeren, wachstumsorientierten Betrieben übernommen,  die in innovative und hochtechnisierte Anbauverfahren investieren und die Vermarktung zukunftsorientiert ausrichten. In allen Bereichen nimmt dabei die Professionalität zu.  Wer dies nicht rechtzeitig erkennt und die Strukturen entsprechend angleicht, wird durch die Gesetze der Marktwirtschaft eines Besseren belehrt. Wer glaubt, die Emotionalität verliere in diesem Kontext an Bedeutung, hat außer Acht gelassen, wie wichtig es ist, die Kunden mit einer Geschichte zum eigenen Hof, zum eigenen Spargel oder den selbstgeernteten Beeren abzuholen, um deren Sehnsucht nach einer intakten Heimat und einem einzigartigen Produkt zu erfüllen.

Was bleibt über bei dieser zuweilen etwas nüchtern anmutenden Betrachtung von außen: Das Umfeld und auch das Leben auf den Höfen hat sich in den vergangenen Jahren z.T. deutlich gewandelt, insbesondere die Aufgaben an die Betriebsleiter sind völlig andere als vielleicht vor 20 Jahren – und sie werden sich in greifbarer Zukunft nochmals, vielleicht noch gravierender als erwartet, ändern. Was dabei jedoch nie verloren gehen darf, ist die Faszination für die Natur, für den Geruch der Erde, wenn der Spargel aufgedämmt wird, für das Wachstum der Pflanzen, für die Ernte der ersten Spargelstangen oder Erdbeeren, für die Mühe, die Mitarbeiter aus nah und fern auf sich nehmen, um gemeinsam den Erfolg zu ernten. Ein schönes Gefühl für einen der schönsten Berufe und Berufungen der Welt.

Wenn die Tage wieder länger werden dürfen wir uns mit ein wenig Stolz und in voller Erwartung auf das nahende Frühjahr und die bevorstehende Ernte darauf freuen, was unseren Beruf so reizvoll macht. Im Namen unserer Redaktion wünsche ich Ihnen einen guten Einstieg in die Saison 2017.

Thomas Kühlwetter

Kernsatz:

Losgelöst von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen sowie vom Zwang zu mehr Effizienz, gibt es also noch eine weitere Ebene, die das Leben und die Zufriedenheit auf den Höfen mitbestimmt.

 

 


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