12.06.2019

Wenn feste Größen ins Wanken geraten

Thomas Kühlwetter

Für lange Zeit galt sie als ein Felsen in der Brandung – die deutsche Wirtschaft. Rekordergebnisse und Zuwächse von Jahr zu Jahr mit immer neuen Höhenflügen schienen selbstverständlich zu sein. Doch nun ist sie ins Stocken geraten. Die Zuwächse sind mau und Prognosen werden immer wieder nach unten korrigiert. „Die Globalisierung sei schuld“, so heißt es. Die Binnennachfrage ist stabil, doch auf dem internationalen Parkett wird weiter an Boden verloren.

War es nicht gerade die Globalisierung, die den Motor der deutschen Wirtschaft über Jahrzehnte hinweg angetrieben hat. Was ist geschehen? Zumindest in einigen wichtigen Teilbereichen der Wirtschaft ist die Vormachtstellung gebrochen. Mitbewerber - häufig aus China oder den USA – haben neue Märkte kreiert und alte besetzt. Die Globalisierung lässt im Wirtschaftsstandort Deutschland ihre ersten Schattenseiten erkennen.

Herausforderung durch Globalisierung wächst

Schon lange hat die Globalisierung auch die klassische Landwirtschaft erreicht. Beerenfrüchte und Spargel sind nicht außen vor geblieben. Während man auf den ersten Blick den vielleicht auch täuschenden Eindruck hat, dass außerhalb des hiesigen Erntezeitraumes das Spargelangebot im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) nicht unbedingt größer geworden ist, haben Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren und Brombeeren das ganze Jahr über Saison und enorm an Bedeutung gewonnen. Die Importmengen steigen und damit auch zum Teil die preisgünstigen Angebote.

Regionale Erzeuger machten in einer Presseveranstaltung auf ihre Situation und Position im Wettbewerb aufmerksam (s. Bericht ab S. 44) und erreichten breite Zustimmung. Ihr Anliegen ist es, ihren Produkten mehr Beachtung zu verleihen und das Bewusstsein der Konsumenten für die regional erzeugten Produkte und den Blick für die damit verbundenen Vorzüge und gesellschaftlich relevanten Aspekten zu schärfen. Auch wenn aufgrund der Witterung der bisherige Saisonverlauf für die meisten hiesigen Spargel- und Beerenerzeuger trotz einiger Rückschläge z.B. durch Spätfröste unter dem Strich positiver verlief als die äußerst schwierige Vorjahressaison, ist die Kernfrage nicht gelöst.

Regionales Erzeugnis besser herausstellen

In den Köpfen der Konsumenten geht – verbunden mit dem ganzjährigen Angebot – immer mehr verloren, wann der Spargel oder die Beerenfrüchte in ihrer Heimat Saison haben. Nach wie vor sind die Direktvermarkter an dieser Stelle ein führender Botschafter. Bei Angeboten im LEH sind die Erzeuger aufgerufen, klarer und zielgruppenorientierter als bislang ihre Kunden über die Vorzüge einer regionalen Erzeugung zu informieren und für ihr Produkt zu begeistern.

Neue Kommunikationsmöglichkeiten besser nutzen

Welche noch weitgehend nicht genutzten Möglichkeiten dazu bestehen, hat YouTuber Rezo mit seinem Video kurz vor der Europawahl beispielhaft aufgezeigt. Die Ansprache von Menschen und das Erwecken von Aufmerksamkeit geschieht heute in einer völlig anderen Art und Weise als über viele Jahren üblich. Greta mit ihrer Kampagne #frydaysforfuture oder YouTuber Rezo zeigen beispielhaft, wie Kräfte sich verändern und dabei fest geglaubte Größen an Einfluss verlieren und nur schwer Antworten finden.

Thomas Kühlwetter

„Die Globalisierung mit ihren Vorzügen und Schattenseiten hat auch die Beeren- und Spargelproduktion erreicht.“