07.02.2019

„Wir spüren den Druck!“

Gaston Opdekamp: “Seit Jahren wird gesagt, dass `Elsanta´ ver-schwinden wird, aber sie ist immer noch da“
Foto: Aldenhoff

Hoogstraten ist weithin bekannt für seine Erdbeeren. Die Coöperatie hat sich in den letzten Jahren bewusst neu aufgestellt, um in einem immer härter werdenden Markt zu bestehen und ihren Mitgliedern weiterhin eine gute Vermarktung ihrer Produkte zu bieten. Wir sprachen mit Gaston Opdekamp, Managing Director der Coöperatie Hoogstraten, über Tagespreise, Sorten und die Zukunft der Erdbeerbranche.

Spargel & Erdbeer Profi: Rund 90 % der in Hoogstraten angelieferten Erdbeeren sind `Elsanta´. Das überrascht, wo doch inzwischen genug andere Sorten auf dem Markt sind. Wieso dominiert die Standardsorte weiterhin so stark?

Gaston Opdekamp: Wir bleiben bei `Elsanta´, bisher konnte sie durch keine Sorte ersetzt werden. Wir bauen sie seit gut 35 Jahren an und haben natürlich auch mit keiner anderen Sorte so umfassende Anbauerfahrung. Seit Jahren wird gesagt, dass `Elsanta´ verschwinden wird, aber sie ist immer noch da. Keine andere Sorte kommt an ihren Eigenschaftenmix heran. Sie ist nicht die beste Sorte. Aber für eine Vermarktung großer Mengen in ganz Europa ist sie mit ihrer Mischung aus ausreichendem bis guten Geschmack, Shelf life, Festigkeit und Ausfärbung unverzichtbar. `Elsanta´ ist ein harter Wettbewerber, sie wird auch in der Versuchsanstalt immer noch als Vergleichssorte genutzt.

Spargel & Erdbeer Profi: Sie bedienen von Hoogstraten aus den europäischen Markt. Wer sind Ihre wichtigsten Mitbewerber?

Gaston Opdekamp: Dinge verändern sich ständig. Wenn man eine erfolgreiche Nische hat, finden sich Nachahmer. Die Niederlande sind ein sehr wichtiger Mitbewerber: Produktionsumstände und Sorten sind fast gleich, obwohl deren `Elsanta´-Volumina zurück gehen; insgesamt ist das Angebot sehr groß. Einer der größten Erdbeerproduzenten in Europa ist Polen, allerdings vorerst noch überwiegend für die Verarbeitung. Aber sie können jederzeit von Industrie- zu Frischware wechseln. Die deutschen Einkäufer kaufen lokal für den Frischmarkt, solange sie können. Die großen Freilandmengen machen Druck auf unsere Sommerproduktion, denn sie können beispielsweise leicht Skandinavien versorgen. Von Frankreich her gibt es keine Probleme. UK ist manchmal Mitbewerber, aber auch ein Markt für uns. Die Briten haben ihren eigenen wachsenden Anbau, aber sie haben auch Probleme mit Personal und Arbeitskosten und keiner weiß, wie es nach dem Brexit weitergeht. Spanien versucht, seine neuen Sorten hier und auf dem UK-Retailmarkt zu platzieren. Jeder will am Markt sein. Wir versuchen, im Winter Länder wie Spanien, Marokko und Ägypten als Erdbeerlieferanten zurückzudrängen.

Die Globalisierung ist eine große Herausforderung. Erdbeeren kommen von überall her und werden überall hin verschickt. Es gibt keine Sicherheit mehr und man muss schnell reagieren.

Spargel & Erdbeer Profi: Bei der Coöperatie werden 100 % der angelieferten Ware an sechs Tagen in der Woche über die Veiling verkauft. Wieso bieten Sie Ihren Kunden, darunter viele Lebensmittelketten, kein anderes Verkaufssystem an?

Gaston Opdekamp: Wir wollen, dass jeder, der unsere Produkte haben möchte, am Tagespreissystem teilnimmt. 40 % unserer Ware geht jahrrund auf den heimischen belgischen Markt. Wir wollen uns die Preise nicht von den anderen 60 % bestimmen lassen. Sicherlich machen uns die ausländischen Ketten Druck, ich weiß nicht, wie lange sie das Tagespreissystem noch akzeptieren werden. Die Retailer wollen zugesicherte Mengen zu festen Zeiten und dann noch die Preise vorgeben. Die belgischen Lebensmittelketten, also nicht gerade die Discounter, aber die etwas hochpreisigeren akzeptieren unser System und legen großen Wert auf heimische Ware. Wir werden dieses Tagespreissystem beibehalten, denn es ist schnell, transparent und billig.

Spargel & Erdbeer Profi: Wie denken Sie über die Zukunft des Erdbeermarktes?

Gaston Opdekamp: Tja, um in die Zukunft zu blicken, betrachten wir uns erst mal, was in den letzten zehn, zwanzig Jahren passiert ist: Die Zahl der Anbauer ist gesunken, die Größe der Betriebe ist gewachsen. Unternehmer versuchen, ein gutes Einkommen zu erzielen, indem sie jahrrund produzieren. Sie müssen ihren Betrieb sehr professionell organisieren, sonst werden sie in Zukunft nicht erfolgreich sein. Diese Entwicklung hält noch an. Hier in Belgien sind die Flächen begrenzt, Platz ist ein Problem, Geld auch, daher sind Investitionen viel schwieriger als früher.

Wir haben eine große Bandbreite an Anbauern, kleinere, mittlere und größere. Besonders bei Erdbeeren gibt es viele kleine und mittlere und deshalb spielt die Genossenschaft nach wie vor eine wichtige Rolle. Von einzelnen größeren Anbauern wird die Genossenschaft hingegen in Frage gestellt; sie spielen mit ihrer Größe eine bedeutende Rolle am Markt und vermarkten selbst direkt. Einige mögen damit Erfolg haben, aber ich denke, die meisten werden damit große Probleme haben.

Was die Zukunft angeht, so wird der Markt immer noch härter werden. Früher waren wir mehr ausschlaggebend für den Markt. An dem Tag, wo wir unser Tagespreissystem verabschieden müssen, wird der Markt noch härter geworden sein. Deshalb hängen wir daran, so lange es irgend möglich ist.

Und wenn wir über Zukunft reden, spielen natürlich auch Pflanzenschutz und Nachhaltigkeit eine Rolle. Einerseits kommen neue Schaderreger auf. Andererseits gehen die Möglichkeiten des klassischen chemischen Pflanzenschutzes aus verschiedenen Gründen immer weiter zurück. Es ist eine große Herausforderung für die Anbauer, die Früchte so heranzuziehen, wie der Markt und die Bevölkerung sie haben möchte.

Spargel & Erdbeer Profi: Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Nutzen Sie das Jahrrund-Angebot heimischer Erdbeeren?

Gaston Opdekamp: Um ehrlich zu sein, ich kaufe im Winter keine Erdbeeren, ich esse sie jedoch und verkaufen tu ich sie gerne!

Das Gespräch mit Gaston Opdekamp führte Sabine Aldenhoff