10.11.2017

Wo geht die Reise hin?

Thomas Kühlwetter

 

Als das Smartphone auf den Markt kam, konnte niemand erahnen, wie tiefgreifend diese neue technische Errungenschaft wohl die Abläufe im Leben und die Form der Kommunikation zwischen Menschen verändern würde. Jetzt, zehn Jahre später, stehen wir vor den nächsten großen Technologiesprüngen und Vorzeichenänderungen. Das Tempo dieser Veränderungen nimmt Fahrt auf und in immer kürzeren Abständen stellt sich die Frage nach der Ausrichtung des eigenen Unternehmens.

Innovation ist ein unersetzbarer Motor – ohne Innovation keine Zukunft. Je größer die Innovationssprünge und je geringer die Abstände zwischen diesen, umso höher liegt der Investitionsbedarf und die Zeitspanne, das Investierte zurück verdienen zu müssen, wird immer enger. Auf der anderen Seite bedeutet dies, wer sich der Innovation entzieht, hat langfristig vermutlich kaum eine Chance auf Zukunft. Wer aktiv am Innovationsgedanken festhält und diesen im Unternehmen umsetzt, muss das erforderliche Kapital aus vorhandenen Mitteln oder über Finanzierung zur Verfügung stellen können, um die Chance auf eine eigene Zukunft zu wahren.

In Zeiten größerer Veränderungen – wie gegenwärtig im Beerenobstanbau, in dem der Trend eindeutig in Richtung geschützter Kulturverfahren ausgerichtet ist – oder in Zeiten angespannter Preissituationen – wie dies im LEH beim Spargel in der zurückliegenden Saison phasenweise recht extrem zu beobachten war – steht die Frage der Liquidität in den Betrieben häufig oben an.

Wer auf Innovation gesetzt und in die Zukunft gerichtete Investitionen vorgenommen hat, aber aufgrund der vorgenannten Situationen nicht mehr über ausreichende liquide Mittel verfügt, läuft – trotz nach vorne gerichtetem Blick – Gefahr, an der eigenen Zukunft zu scheitern.

Es ist und bleibt letztendlich in Zeiten schnellablaufender Veränderungen der Vorzeichen oftmals eine Gradwanderung, die über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Gerade in solchen Phasen gilt es, immer wieder einen „Kassensturz“ zu machen und die positiven und leistungsorientierten Aspekte im Betrieb kritisch den Herausforderungen der Zukunft entgegen zu stellen:

Wie ist die Infrastruktur im Betrieb? In welchen Bereichen stehen Investitionen an? Welche Investitionssummen sind erforderlich? Welche Produkte werden in Zukunft vom Markt verlangt? Wie kann die Direktvermarktung im Betrieb im Wettbewerb mit dem Einzelhandel bestehen, der versucht, das Konzept einer regionalen Produktion und den Flair eines Bauernladens umzusetzen? Ist eine Kombination aus eigener Produktion und Gastronomie/Event vielleicht eine Strategie der Zukunft? Welches Personal steht zur Verfügung, um ein solches Konzept umzusetzen? Wie steht die eigene Familie zu diesen Plänen? Hat die nächste Generation Ambitionen, in den Betrieb einzusteigen? Wie ist es mit der Verfügbarkeit motivierter Saisonarbeitskräfte in den nächsten Jahren bestellt? Welche Maßnahmen sind erforderlich, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben? Wie gestaltet sich das Lohnniveau in den kommenden Jahren? Finde ich geeignete Menschen, die mit Enthusiasmus Führungspositionen in meinem Betrieb einnehmen?

Dies sind sicher nur einige der Fragen, denen wir uns in Zukunft in immer engeren Abständen stellen müssen. Sie verdeutlichen, wie komplex eine auf die Zukunft gerichtete Betriebsleitung ist und welcher Aufwand heute erforderlich ist, um ein Unternehmen erfolgreich weiter zu führen.

Es wäre ein Fehlschluss zu glauben, der Einzelhandel oder große Teile der Gesellschaft hätten ein Bewusstsein für diese Komplexität entwickelt. Wenn, dann sind wir selbst aufgerufen, Aufklärung in diesem Sinne zu betreiben und einmal darauf hinzuweisen, welche Vorleistung erforderlich ist, um ein Produkt wie Spargel oder Beerenfrüchte in bester Qualität Tag für Tag während der Saison zu liefern.

Trotz der vielen Herausforderungen zählt der Beruf eines Spargel- oder Beerenbauern mit all seinen vielen Facetten aber sicher zu den schönsten und freiheitlichsten Berufen überhaupt – wir sind selbst aufgefordert, die Fortentwicklungen mitzugestalten, damit dies in Zukunft so bleibt.

Es wäre ein Fehlschluss zu glauben, der Einzelhandel oder Teile der Gesellschaft hätten ein Bewusstsein für die komplexen Herausforderungen auf den Betrieben entwickelt.

Thomas Kühlwetter

 


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