27.05.2020

Wohin fließen die Agrarsubventionen?

Lediglich 0,5 Prozent der Höfe in Deutschland bekommen so pro Jahr mehr als 300.000 Euro aus Brüssel an Ausgleichszahlungen. 20 Prozent der Betriebe in der EU empfangen sogar 80 Prozent der gesamten Agrarzahlungen.
Foto: Valenta

Wie Proplanta berichtet, können seit 26.05.2020 die Empfänger der Agrarsubventionen auf der Website der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) abgerufen werden. Es geht wie immer um einen Batzen Steuergeld, nämlich 6,35 Milliarden Euro, die den Bauern, aber auch vielen anderen Begünstigten, für ihre erbrachten Leistungen 2019 in Deutschland ausbezahlt wurden. EU-weit summieren sich die Agrarsubventionen auf stolze 59 Milliarden Euro, d.h. die EU steckt den Löwenanteil ihres Haushaltsbudgets jährlich in die Förderung des Landwirtschaftssektors.

Wie schnell zu erkennen ist, sind die Empfänger der millionenschweren Beträge nicht einzelne Landwirte, sondern neben der öffentlichen Hand insbesondere landwirtschaftliche Großbetriebe im Osten Deutschlands sowie diverse andere Unternehmen. Insgesamt erhielten laut der BLE-Datenbank in 2019 genau 179 Empfänger über eine Million Euro. Heraus sticht das Landesamt für Umwelt (LfU) in Potsdam, das mit 20.011.464,74 Euro nun die absolute Spitzenposition erobern konnte. Das Ministerium für Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern rangiert mit 10.204.880,20 Euro dagegen nur noch auf Platz 2 der Top-Empfänger. Die größte Summe bei den Unternehmen erhielt die Landgard Obst & Gemüse GmbH & Co. KG mit 6.163.891,03 Euro, gefolgt von der Erzeugerorganisation für Obst und Gemüse in Schwerin mit 4.262.366,96 Euro.

Die EU-Gelder, die von 2014 bis 2020 zur Verfügung stehen, stammen aus zwei Agrarfonds: dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL, auch als 1. Säule der GAP bezeichnet) und dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER, auch als 2. Säule der GAP bezeichnet).

Während die Direktzahlungen in Form von entkoppelten Betriebsprämien - also unabhängig von Art und Umfang der landwirtschaftlichen Produktion ist - aus dem EGFL (jährlich rund 5 Milliarden) hauptsächlich an Landwirte und Unternehmen ausbezahlt werden, dienen die Mittel aus dem ELER-Topf (jährlich rund 1,35 Milliarden Euro) der ländlichen Entwicklung sowie der Förderung einer nachhaltigen und umweltschonenden Bewirtschaftungsweise. Damit richten sich diese Fördermaßnahmen auch an viele andere Akteure im ländlichen Raum wie Kommunen und lebensmittelverarbeitende Betriebe. So fließt beispielsweise den Landkreisen an den Küsten große Summen für den Deichschutz zu. Auch Biobetriebe erhalten, für ihre gesellschaftlich relevanten Leistungen, aus der 2. Säule Ihre Fördergelder.

Im Durchschnitt machen die Zahlungen der 1. Säule etwa 40 Prozent des Einkommens der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland aus. Seit 2015 greifen zusätzliche Ökologisierungs-Vorgaben wie die Diversifizierung des Anbaus oder der Erhalt von Grünland. Werden die sog. Greening-Auflagen nicht eingehalten, droht der Verlust von einem Drittel der Direktzahlungen. Schwerpunkte liegen auf der Förderung von Junglandwirten und kleinen sowie mittleren Betrieben. In Deutschland werden für die ersten 30 Hektar je 50 Euro mehr Direktzahlungen und für weitere 16 Hektar je 30 Euro zusätzlich gezahlt.

Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) betrugen die Direktzahlungen 2018 im Schnitt 281 Euro pro Hektar. Während ein Hof mit 50 Hektar jährlich nur ca. 14.000 Euro Einkommensstütze erhält, bringt es ein Großbetrieb von 5.000 Hektar auf satte 1,4 Millionen Euro. Lediglich 0,5 Prozent der Höfe in Deutschland bekommen so pro Jahr mehr als 300.000 Euro aus Brüssel an Ausgleichszahlungen. 20 Prozent der Betriebe in der EU empfangen sogar 80 Prozent der gesamten Agrarzahlungen.

Top-Empfänger (> 2.5 Mio. Euro)
1) Landesamt für Umwelt (LfU) Brandenburg: 20.011.464,74 Euro
2) Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern: 10.204.880,20 Euro
3) NLWKN: 8.616.606,30 Euro
4) Landesbetrieb für Küstenschutz Nationalpark und Meeresschutz: 6.923.492,37 Euro
5) Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen: 6.808.021,38 Euro
6) Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW): 6.772.718,19 Euro
7) Landgard Obst & Gemüse GmbH & Co. KG: 6.163.891,03 Euro
8) Erzeugerorganisation für Obst und Gemüse: 4.262.366,96 Euro
9) Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt: 4.179.593,02 Euro
10) Erzeugergroßmarkt Langförden-Oldenburg eG: 4.144.910,00 Euro
11) Stadt Ahaus: 3.980.541,65 Euro
12) Stadt Celle: 3.833.233,39 Euro
13) Pfalzmarkt für Obst- und Gemüse eG: 3.871.548,69 Euro
14) Elbe-Obst Erzeugerorganisation r.V.: 3.610.002,13 Euro
15) EO Spargel & Beerenfrüchte GmbH: 3.169.929,68 Euro
16) Erzeugergroßmarkt Langförden-Oldenburg eG: 4.144.910 Euro
17) Landesforst Mecklenburg-Vorpommern: 3.058.009,80 Euro
18) Gartenbauzentrale Papenburg eG: 2.923.104,98 Euro
19) Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: 2.917.380,49 Euro
20) Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft: 2.887.202,77 Euro
21) Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide: 2.886.486,12 Euro
22) Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein: 2.765.139,66 Euro
23) Grossdrebnitzer Agrarbetriebsgesellschaft mbH: 2.554.778,80 Euro

Alle Empfänger 2019: Übersichtskarte + Tabelle
https://www.proplanta.de/karten/agrarsubventionen_2019_top-empfänger_liste-uebersichtskarte11052020.html

Quelle: proplanta


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