06.11.2015
Ackern wie von Geisterhand

Die PROBOTIQ X-pert Fahrzeuge sind mit zahlreichen Sicherheit-selementen und Sicherheitstechniken ausgestattet. Das System überwacht permanent die Bereiche um das Fahrzeug herum und stoppt den Traktor, wenn Hindernisse vorn oder hinter der Ma-schine erfasst werdenFoto: Kühlwetter
2014 hatte der erste autonom fahrende Traktor Premiere auf einem Erdbeerbetrieb. Wie von Geisterhand fuhr der Traktor in Kombination mit einer Pflanzenschutzspritze, die ebenfalls automatisch arbeitete, über das Feld. In den Niederlanden auf dem Betrieb Jan van Meer in Breda, wurden diese ersten vollautomatischen Fahrten durchgeführt.
Die Idee für einen autonom fahrenden Traktor entstand aber schon viel früher, nämlich fünf Jahre zuvor. In der Landwirtschaft, speziell beim Anbau von Sonderkulturen gibt es viele wiederkehrende Arbeiten. Tätigkeiten wie Spritzen und Hacken und sonstige Pflegemaßnahmen, die sich immer wiederholenden Aufgaben könnten doch auch automatisch erledigt werden – so die Idee. Auf Grundlage dieser Anforderungen entwickelten die Experten der niederländischen Firma PROBOTIQ mit Hilfe von Sensortechnik einen vollkommen automatisch fahrenden Schlepper.
Nach intensiver Prüfung verschiedener GPS- und Sensortechniken ist dann eine Kombination aus Gyroscopen, Lenkwinkel- und Geschwindigkeitssensoren zusammengestellt worden, um die genaue Position des Traktors zu erkennen. Mit dieser von PROBOTIQ entwickelten Technologie wurde dann ein Fendt Vario 200P ausgestattet. Die Wahl fiel auf diesen Schlepper, da dieser ein leichter und wendiger Traktor ist, der den Anforderungen eines Betriebes mit Sonderkulturen entspricht.
„Teach and Playback“
Das Prinzip beim automatischen Fahren ist die sogenannte „Teach and Playback“ Methode. Aufzeichnen und Wiedergeben ist die Grundlage dafür. Der Traktor fährt mit Fahrer über den Acker und „scant“ die zufahrenden Strecken im „Techmodus“ ein. Um einen Arbeitsgang aufzuzeichnen genügt es, die Aufnahmetaste zu drücken und die Arbeit dann wie gewohnt durchzuführen. Währenddessen zeichnet das Gerät alle Arbeitsschritte wie Fahraktivitäten, Lenkvorgänge, Gaspedaleinsatz, Anheben und Absenken von Anbaugeräten sowie Zu- und Abschaltung von z.B. Spritzgeräten sorgfältig auf. Diese Route wird dann im „Playbackmodus“ wieder abgespielt. Durch Drücken der Play-Taste werden die erlernten Funktionen und Arbeitsschritte abgerufen. Das PROBOTIQ „Teach- and Play“-System wiederholt die aufgezeichneten Fahrmuster exakt und ohne Fahrpersonal, sooft wie es gewünscht wird.
PROBOTIQ X-pert besitzt ausreichend Speicherkapazität, um hunderte Operations- und Fahrmuster aufzuzeichnen und zu speichern. Mit dem Touch Screen in der Schlepperkabine können alle Funktionen und Befehle erteilt werden. Die 3D-Darstellung der Routen erfolgt im Display. Die Benutzerfreundlichkeit ist hoch und die Handhabung des Systems sehr einfach.
PORBOTIQ X-pert benutzt hochpräzise RTK-Korrektursignal sowie hochpräzise GPS-Empfänger, die beste Positionsergebnisse garantieren.
Wie sieht es mit der Sicherheit aus?
Die PROBOTIQ X-pert Fahrzeuge sind mit zahlreichen Sicherheitselementen und Sicherheitstechniken ausgestattet. Das System überwacht permanent die Bereiche um das Fahrzeug herum und stoppt den Traktor, wenn Hindernisse vorn oder hinter der Maschine erfasst werden. Sollte der Traktor aufgrund eines erkannten Hindernisses anhalten, wird der Landwirt per Textmitteilung informiert.
Frei nach dem Motto „Geschicktes Arbeiten erhöht die Produktivität“, ist PROBOTIQ gerade für regelmäßig wiederkehrende Arbeiten, besonders im Obstanbau und Gemüsebau geeignet. PROBOTIQ führt diese Arbeiten autonom und selbstständig aus. Die Arbeitsqualität wird durch die Automatisierung bestimmter Arbeitsroutinen und größerer Zuverlässigkeit erhöht. So wird es möglich, bei gleichbleibender Anzahl von Mitarbeitern eine hohe und produktivitätssteigernde Arbeitsleistung im kleinen Zeitfenster zu erbringen.
Automatische Fahrtechnik wird als Nachrüstvariante für Fendt Traktoren der Baureihe 200, 500 und 900 angeboten. Auf verschiedenen Sonderkulturbetrieben in den Niederlanden, Belgien und Dänemark ist PROBOTIQ schon erfolgreich im Einsatz. In Schweden und Australien werden die X-pert-Systeme auch schon auf Ackerbaubetrieben eingesetzt.
Auch in Deutschland wurde nun der erste PROBOTIQ von der RWZ Rhein-Main eG verkauft. Im hessischen Ried wird nun auch automatisch in einer Obstplantage gearbeitet.
Susanne Witsch, Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG