04.01.2023
Auch eine Frage der Einstellung

Thomas Kühlwetter
Nach der Wintersonnenwende am 21. Dezember werden die Tage im Januar um Minute für Minute schon etwas länger. Und damit steigt auch die Hoffnung vieler Menschen auf das, wenn auch noch nicht greifbare, so doch unweigerlich nahende Frühjahr. Für die Spargel- und Beerenanbauer bedeutet dies, dass es nach einer kurzen Winterpause langsam – oder vielleicht auch etwas schneller - wieder los geht auf den Feldern und in den Beständen.
Die expoSE/expoDirekt liegen schon einige Wochen hinter uns. Viele Besucher hatten den Weg nach Karlsruhe gefunden - alleine diese Tatsache war nach dem Ablauf der vorherigen Saison ein gutes Zeichen. Sie sorgte an beiden Tagen für intensive Gespräche an den Messeständen sowie mit Berufskollegen und für ein gutes Gefühl des Zusammenhalts. Gleichzeitig sendeten sie damit auch – trotz der unübersehbaren gegenwärtigen Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten in der Branche – ein positives Signal in die Zukunft.
Gerade vor dem Hintergrund der vor uns liegenden Herausforderungen und Unwägbarkeiten und der Frage, wie es weitergeht, die sich sicher viele Betriebsleiter und deren Mitarbeiter sowie eng mit der Branche verbundene Unternehmen stellen, ist dieses Signal deutlich mehr als nur ein Zeichen. Es unterstreicht das Vertrauen in das eigene Leistungsvermögen und in die Branche. Dabei ist wohl allen Beteiligten bewusst und klar, dass es ein „einfach weiter so“ sicher nicht geben kann.
Richten wir einmal den Blick in andere Regionen dieser Erde und auf die Lebensumstände von Menschen, die gerade in dieser Zeit vor ganz anderen Schwierigkeiten stehen. Kein Strom und kein Wasser vorhanden, die Heizung bleibt kalt, die Familie ist zerrissen – vor dem Morgen steht erst einmal das Heute, und das muss erst noch geschafft werden. Oder denken wir einmal daran, wie viele Menschen an Hunger leiden, meist in weiter entfernten Regionen, aber z.T. auch vor unserer Haustür, oft zurückgezogen, unbemerkt. Das Leben der Menschen hat viele Facetten.
Was bleibt also, falls man nicht gerade aufgeben oder eine sinnvolle Alternative zur Tätigkeit im Betrieb hat, als offen und voller Vertrauen in die Zukunft zu schauen. Und sie sind da, die Chancen für die Zukunft. Und bei manch immer mal wieder aufkommender Skepsis sollte auch nicht vergessen werden, dass in der Vergangenheit und z.T. auch Gegenwart gute Ergebnisse erzielt wurden bzw. werden, dass Sie mit Ihren Produkten vielen Kunden eine besondere (Genuss-) Freude bereiten und zumindest eine große Zahl dieser Kunden auch bereit und in der Lage ist, dies entsprechend zu honorieren.
Dennoch wird uns nicht erspart bleiben, die Augen in alle Richtungen offen zu halten und zu schauen, wo noch Möglichkeiten zur Rationalisierung und Effizienzsteigerung sind und wie diese erschlossen und umgesetzt werden können. Neben betrieblicher Transparenz ist eine unvoreingenommene Betrachtung und Abwägung der Fakten und Dinge dabei sehr wichtig. Wo liegen Einsparpotentiale in betrieblichen Abläufen, wie kann die Kulturtechnik verbessert werden, welche Flächen oder Kulturverfahren sind unwirtschaftlich? Bringt eine weitere Mechanisierung bzw. Automatisierung Vorteile oder überwiegen die Kosten den Nutzen?
Wie soll der Betrieb oder das Unternehmen in fünf oder zehn Jahren aussehen? Hat die folgende Generation noch eine Chance – und falls ja, welche? Gibt es alternative Einkommensquellen? Ist es sinnvoll, in neue Bereiche wie z.B. in die Agri-Fotovoltaik zu investieren? Gibt es auch in der Zukunft noch ausreichend Kunden, ist mein Produkt überhaupt noch gefragt oder ist Produktinnovation angesagt? Stimmt das Vermarktungskonzept noch?
Die Fragenrunde ist beliebig erweiterbar – wichtig ist nur, dass man sich mit den fürs eigene Unternehmen oder den eigenen Betrieb entscheidenden Fragen befasst und erarbeitete Lösungen dann auch konsequent umsetzt.
Die eigene Zukunft ist so auch eine Frage der Einstellung.
Im Namen unsere Redaktion wünsche ich Ihnen für das neue Jahr viel Glück, Gesundheit und dass Sie die richtigen Lösungswege finden und damit erfolgreich in die nächste Saison und die kommenden Jahre starten.
Thomas Kühlwetter
Kernsatz: Es wird uns nicht erspart bleiben, die Augen in alle Richtungen offen zu halten und nach Möglichkeiten zur Rationalisierung und Effizienzsteigerung zu suchen.