04.11.2020
Bayer: Drittes Quartal herausfordernd
Bayer hält nach einem saisonal bedingt schwierigen dritten Quartal an seinen Zielen für das Geschäftsjahr 2020 fest. „Trotz des schwachen Quartals und erheblicher Auswirkungen der Pandemie liegen der währungs- und portfoliobereinigte Umsatz und das bereinigte Ergebnis je Aktie dank des entschlossenen Kostenmanagements und der Beschleunigung der Strukturmaßnahmen für die ersten neun Monate auf Vorjahreshöhe. Wir können unseren währungsbereinigten Konzernausblick für 2020 bestätigen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am Dienstag bei einer Telefon-Pressekonferenz. Finanzvorstand Wolfgang Nickl fasste die Geschäftsentwicklung zusammen: „Wir haben ein herausforderndes Quartal in unserem Agrargeschäft gesehen, eine Erholung in unserem Pharmageschäft und starkes Wachstum bei Consumer Health.“ Im dritten Quartal ging der Konzernumsatz währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 5,1 Prozent auf 8,506 Milliarden Euro zurück. Das EBITDA vor Sondereinflüssen des Konzerns sank um 21,4 Prozent auf 1,795 Milliarden Euro. Hierin enthalten waren negative Währungseffekte in Höhe von 205 Millionen Euro. Das EBIT betrug minus 9,399 (Vorjahr: plus 1,208) Milliarden Euro. Dabei wirkte sich die nicht zahlungswirksame Wertberichtigung auf immaterielle Vermögenswerte sowie Geschäfts- und Firmenwert in der Division Crop Science mit insgesamt 9,251 Milliarden Euro aus. Crop Science von hohen Produktretouren belastetIm Agrargeschäft (Crop Science) verringerte sich der Umsatz wpb. um 11,6 Prozent auf 3,028 Milliarden Euro. Hiervon war insbesondere die Region Nordamerika betroffen. In Asien/Pazifik hingegen steigerte die Division den Umsatz. Im Bereich Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften war das globale Geschäft wpb. um 39,9 Prozent rückläufig. Insbesondere in Nordamerika sank der Umsatz durch höhere Retouren und gesunkene Lizenzeinnahmen erheblich, weil die Anbauflächen für Mais in diesem Jahr geringer waren als geplant. Bei Herbiziden ergab sich im Vergleich zum starken Vorjahresquartal wpb. ein Umsatzrückgang von 12,7 Prozent, vor allem in Nordamerika, wo sich im Vorjahr aufgrund von extremen Wetterbedingungen im ersten Halbjahr Umsätze ins dritte Quartal verschoben hatten.
Im Bereich Sojabohnensaatgut und Pflanzeneigenschaften blieb der Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres (wpb. plus 0,2 Prozent). Ein Zuwachs in Lateinamerika konnte den Absatzrückgang in Nordamerika ausgleichen. Bei den Fungiziden stieg der Umsatz wpb. um 12,0 Prozent. Zuwächse gab es hier in allen Regionen. In Lateinamerika profitierte Bayer vor allem von der Umstellung des Marktes auf das Produkt Fox Xpro™ in Brasilien.
Das EBITDA vor Sondereinflüssen von Crop Science belief sich auf minus 34 (Vorjahr: plus 500) Millionen Euro. Das Ergebnis ist im Wesentlichen auf den Umsatzrückgang in Nordamerika zurückzuführen, vor allem aufgrund der negativen Retourenbilanz. Ein negativer Währungseffekt von 123 Millionen Euro belastete zusätzlich.
Eine erfreuliche Nachricht kam im Oktober aus den USA: Die dortige Umweltbehörde EPA erteilte eine neue fünfjährige Zulassung für das XtendiMax™-Herbizid mit VaporGrip™-Technologie. Das auf dem Wirkstoff Dicamba basierende Produkt ist für viele Landwirte in den USA ein wichtiges Werkzeug zur Kontrolle von Unkräutern. Damit ist die Unsicherheit beendet, die sich ergeben hatte, nachdem ein US-Gericht im Juni den Einsatz von Dicamba untersagt hatte.
Im Zusammenhang mit glyphosatbasierten Roundup™-Produkten hat das Unternehmen zu etwa 88.500 Klagen verbindliche Vergleichsvereinbarungen abgeschlossen, ist derzeit dabei, diese abzuschließen oder hat sich bisher dem Grund nach geeinigt. Ende Juni hatte Bayer von etwa 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen berichtet, wobei diese Zahl bis zum Abschluss der Vergleiche nicht fix sein wird – angesichts von Unsicherheiten in puncto Berechtigung und Teilnahme. Mit Blick auf mögliche künftige Roundup™-Klagen arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit den Klägeranwälten weiter an einem konstruktiven Vorschlag, um die Kritikpunkte des Gerichts zur Zufriedenheit aller Parteien zu lösen. Obwohl Fortschritte erzielt wurden, wird dieser Prozess mehr Zeit brauchen. Im dritten Quartal hat Bayer zusätzliche Rückstellungen für die Lösung möglicher künftiger Klagen gebildet. Es ist absehbar, dass das neue Konzept etwa 2 Milliarden US-Dollar kosten wird und damit mehr als die ursprünglich erwarteten 1,25 Milliarden US-Dollar. Nach Abschluss der formellen Vereinbarung wird das Unternehmen einen Antrag auf vorläufige Genehmigung einreichen. Quelle: Bayer

