08.06.2016
Bodenvorbereitung in Spargelkulturen

Beim Tiefpflügen (=Rigolen)in einer Arbeitstiefe bis 60 cm ist darauf zu achten, dass der humose Oberboden nicht zu tief untergepflügt wird und in nicht durchlüftungsfähige Bodenschichten gelangt.Foto: Kühlwetter
Die Vorbereitung von Spargelanlagen bedarf höchster Sorgfalt, da falsche Bearbeitung später nicht wieder korrigiert werden kann. Fehler, die bei der Flächenauswahl oder -vorbereitung gemacht werden, bedeuten immer betriebswirtschaftliche Einbußen. Diese können so weitreichend sein, dass die Spargelanlage in keinem der Standjahre einen positiven Deckungsbeitrag, geschweige denn Gewinn, erwirtschaftet. Im Hinblick auf stetig steigende Lohnkosten können nur ertragsstarke Anlagen den betrieblichen Erfolg sichern.
Nur auf Flächen, die man gut kennt, kann man in Ausnahmefällen auf das Vorbereitungsjahr verzichten. Dies ist meist nur auf sehr leichten Standorten möglich, auf denen die Bodenlockerung im Pflanzjahr durchgeführt werden kann. Auf alle Fälle sollte frühzeitig ein Zugang zu der Fläche bestehen um Bodenproben zu ziehen oder Bodenprofile zu erstellen. Im optimalen Fall sollte man in Absprache mit dem Eigentümer und evtl. Vorpächter eine Kalkung oder Humusgabe im Vorjahr geben, ohne schon Pächter der Fläche zu sein.
Die Auswahl der Fläche hängt von vielen Faktoren ab:
Flächenhistorie überprüfen:
- fehlende Bodenstrukturen durch Auffüllen von Boden
- Verlegung unterirdischer Leitungen
- Drainage vorhanden? Wenn „Ja“, wie tief?
- Vorkultur Spargel, wenn möglich, meiden
- Vorkulturen beachten! Kartoffeln? Zuckerrüben?
Eigene Beobachtungen im Vorjahr können auf Verdichtungen hinweisen
- Verfärbt sich das Getreide im Winter gelb aufgrund von Staunässe?
- Steht Wasser in den Fahrspuren?
- Wie verhält sich der Acker nach Starkregen?
Bodenprobe im Vorbereitungsjahr
Im Frühjahr des Vorbereitungsjahres wird die Bodenprobe genommen. Die obersten zwei Bodenschichten (0-30, 30-60 cm) sollten auf jeden Fall beprobt werden. Um ein Gesamtbild zu erhalten, empfiehlt es sich, auch noch die letzte Bodenschicht zu beproben (60-90 cm). Die Bodenprobe wird auf pH-Wert, Humusgehalt, P, K, Mg, Bor und eventuell Calcium untersucht. Der Boden sollte einen pH-Wert von mindestens 5,5 haben, bei entsprechend schwereren Böden auch höher bis zu 7,5. Die Kalkung ist im Vorbereitungsjahr durchzuführen. Die maximal auszubringenden Kalkmengen sind umso kleiner, je leichter der Boden ist. So beträgt die maximale Kalkgabe pro Jahr auf Sandboden 1 000 kg CaO, dies entspricht ca. 2 000 kg kohlensaurer Kalk. Zur langfristigen pH-Wert-Anhebung eignen sich vor allem kohlensaurer Kalk und Konverterkalk. Auch im Pflanzjahr lässt sich noch eine Kalkgabe in Form von granuliertem Kalk über den Pflanzenbestand geben. Hiervon ist aber keine Wirkung in tieferen Bodenschichten zu erwarten.
Humusgehalt beachten
Der Humusgehalt sollte über 1,5 % liegen. Die Dammqualität ist auf humusreichen Standorten deutlich besser als auf schwach humosen Standorten. Die Bodenfruchtbarkeit und Pufferkapazität ist auf humosen Böden besser. Häufige Begrünung inkl. nachhaltiger Bewirtschaftung führen zu erhöhtem Humusaufbau. Auch eine Zwischenreihenbegrünung erhöht den Humusgehalt und wirkt sich positiv auf das Bodenleben aus. Eine große Gabe organischer Dünger im Vorbereitungsjahr wie z.B. Champost oder Mist wirkt nicht so nachhaltig, ist aber dennoch zu empfehlen. Die maximal auszubringenden Mengen regelt die Bioabfallverordnung. Gütegesicherte Komposte und/oder Proben der organischen Dünger sind von Vorteil, da man so vor negativen Überraschungen geschützt ist.
Eine jährliche Düngung mit organischem Dünger wirkt dem Humusabbau im Spargel entgegen, ist aber schwierig zu dosieren, da der organische Dünger meistens die falsche Nährstoffzusammensetzung hat und sich Elemente wie z.B. Phosphor im Boden anreichern. Alle weiteren Nährstoffe sind im Vorbereitungsjahr auf die Gehaltsklasse C aufzudüngen.
Bodenprofile geben Aufschluss
Weiterhin sollten im Frühjahr des Vorbereitungsjahres Bodenprofile an mehreren Stellen der Fläche bis zu einer Tiefe von 90 cm gegraben werden. Hierdurch kann man die einzelnen Bodenschichten mit den Bodenarten bestimmen (Fingerprobe). Schon beim Ausheben der Bodenprofile lassen sich Verdichtungen aufspüren.
- Anhand der Wurzelverteilung (gleichmäßig oder nur flach)
- Anzahl und Tiefe der Regenwurmgänge deuten auf die Aktivität des Bodens hin
- Infolge Luftmangels entstehender Fäulnisgeruch mit gut sichtbarer Blau- bzw. Grünfärbung
- Scharfkantige flache Bodenstrukturen; besser sind runde krümelige Bodenkomplexe
- Kaum verrottetes Pflanzenmaterial in tieferen Bodenschichten infolge von Luftabschluss
Mit einer Bodensonde oder Penetrometer lassen sich sehr schnell und effektiv Bodenverdichtungen aufspüren.
Anhand der Bodenart und der Verdichtungen wird die Art der Tiefenlockerung ausgewählt. Schwere Böden sind nicht zu mischen, da bei diesen Böden die Struktur schnell verloren geht. Lehmiger oder toniger Untergrund sollte nicht hochgearbeitet werden. Soll Dünger und Kalk in tiefere Bodenschichten eingearbeitet werden, sollte eine Tiefenlockerung gewählt werden, die mischend arbeitet. Nur hier hat man die Möglichkeit, den Dünger und Kalk dort zu platzieren, wo er gebraucht wird. Der optimale Zeitpunkt der Tiefenlockerung liegt im Sommer wenn der Boden gut abgetrocknet ist. Die Tiefenlockerung sollte unbedingt durch einen “Lebendverbau“ stabilisiert werden. Dies geschieht am besten durch die Einsaat von Zwischenfrüchten wie z.B. Ölrettich. Wichtig ist, dass die Aussaat sehr zeitnah geschieht. Sie sollte Mitte Juli bis spätestens Anfang August erfolgen, damit noch genug Pflanzenmasse produziert werden kann. Hier geht es nicht nur um oberirdische Pflanzenmasse sondern auch um die wichtige Wurzelmasse und Durchwurzelungstiefe.
Bei der Bodenbearbeitung unterscheidet man zwischen Hub- und Abbruchlockerungsgeräten.
Hublockerung
Bei der Hublockerung wird von unten nach oben gelockert ohne dass es zu einer Vermischung von Bodenschichten kommt. Negative Begleiterscheinungen sind das Hocharbeiten von Steinen und ein Verdichtungshorizont unterhalb der Lockerung. Folgende Maschinen gehören zu den Hublockerungsgeräten:
Stechhublockerer: Das Schar ist beweglich und führt eine stechende hebende Bewegung aus. Er wird bei massiven Verdichtungen bis 100 cm Tiefe eingesetzt. Dadurch ist ein hoher Kraftaufwand nötig. Der Stechhublockerer wird meistens von Raupen oder ähnlich schwerem Gerät gezogen.
Hubschwenklockerer: Das Gerät wird bei leichteren Verdichtungen bis 60 cm Tiefe eingesetzt. Hierbei bewegen sich Schar und Schwert in einer Vor- und Rückwärtsbewegung.
Wippscharlockerer:Wie der Name schon sagt wippt das Schar auf und ab. Die Arbeitstiefe beträgt bis 80 cm und es erlaubt nur eine geringe Fahrgeschwindigkeit.
Bodenzinkengrubber und Schichtengrubber: Beide Geräte sind nicht angetrieben. Der Bodenzinkengrubber lockert bis zu 70 cm Boden und eignet sich für leichte bis mittlere Verdichtungen. Er hebt den Boden an ohne die einzelnen Schichte zu zerstören. Der Kraftaufwand ist nicht zu hoch, so dass dies meistens mit eigenen Maschinen zu bewerkstelligen ist.
Der Schichtengrubber hat noch Flügelschare, so dass der Boden gleichmäßig angehoben wird. Die Arbeitstiefe beschränkt sich dadurch auf ca. 40 cm.
Abbruchlockerung
In vielen Fällen ist Abbruchlockerung die bessere Alternative. Bei diesem System wird zur Seite oder nach hinten gelockert. Dadurch können auch Böden mit gewisser Feuchte bearbeitet werden. Ein mögliches Arbeitsgerät ist z.B. der MM100. Diese Maschine ist auf leichten Böden einsetzbar aber auch ideal für schwerere Böden. Der MM100 mischt den Boden nicht. Durch einen Aufsatz lässt sich zeitgleich eine Düngung oder Kalkung in tiefere Bodenschichten einarbeiten.
Spatenmaschine: Speziell beim Tiefenspaten kann man den Grad der Durchmischung einstellen. Drehgeschwindigkeit und Arbeiten der Fräswelle unterhalb der Bodenoberfläche führen zu einer großen Durchmischung; arbeitet die Fräswelle oberhalb der Bodenoberfläche, so bewirkt dies eine Lockerung des Bodens.
Tiefenpflug (Rigolpflug): Beim Tiefpflügen (= Rigolen)in einer Arbeitstiefe bis 60cm ist darauf zu achten, dass der humose Oberboden nicht zu tief untergepflügt wird und in nicht durchlüftungsfähige Bodenschichten gelangt. Auch auf Pachtflächen ist es häufig nicht gewünscht, den Humus in unteren Bodenschichten zu vergraben!
keine Steine oder Fremdkörper an die Oberfläche gelangen
die Rückverfestigung der Bodenart angepasst wird
Zeitliches Schema
Vorbereitungsjahr:
Bodenprofil graben
Verdichtung mittels Bodensonde und ggf. Penetrometer aufspüren
Die Hälfte des organischen Düngers ausbringen
Zwischenfrucht einsäen (kann gerne eine Mischung sein, muss nicht tiefwurzelnd sein)
Im Juli: Mulchen
Kalkung
Einarbeitung des Mulchgutes nach einwöchiger Rotte (Grubber 20 cm)
Tiefenbearbeitung
Einsäen von Ölrettich (biologischer Lebendverbau, am besten am selben Tag), eventuell andere Hälfte organischer/mineralischer Dünger
N-Düngung zur Absicherung der Massebildung der Zwischenfrucht nach Nmin-Probe
Abfrieren des Ölrettich
Pflanzjahr:
Eingrubbern des abgestorbenen Ölrettichs
Pflügen
Pflanzbeetvorbereitung
Pflanzen
In den Ertragsanlagen kann es sinnvoll sein, nach der Ernte eine Zwischenreihenlockerung durchzuführen. Diese sorgt dafür, dass das Regenwasser nicht zwischen den Reihen stehen bleibt. Bei dieser Maßnahme sollte darauf geachtet werden, dass die Werkzeuge nicht zu breit sind und somit viel Wurzelmasse beschädigt wird. Die spätere Einsaat einer Begrünungsmischung sorgt für eine geringere Bodenerosion und bessere Möglichkeiten der Wasseraufnahme.
Carsten Wenke, LWK NRW