06.06.2017
Branche weiter gefordert

Will Teeuwen, Direktor von Teboza, im Gespräch mit Spargel & Erdbeer Profi
Wenn am 24. Juni die Spargelsaison offiziell zu Ende geht, blicken Will Teeuwen und seine Kollegen bei Teboza auf eine fast fünfmonatige Vermarktungsperiode mit Spargel aus eigener Produktion zurück. Von der Züchtung über die Pflanzenvermehrung, den Anbau bis hin zur Vermarktung ist Teboza in allen Bereichen des Spargels zu Hause. Will Teeuwen baut nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in Spanien an, um frühzeitig z.B. mit Grün- und Bleichspargel Märkte in West- und Nordeuropa zu versorgen. Er ist fest verwurzelt in einem weltweiten Netzwerk von Praktikern, Wissenschaftlern und Handelsexperten, die im engen Austausch zueinander stehen. Spargel & Erdbeer Profi sprach mit Will Teeuwen über aktuelle Entwicklungen bei Teboza, über den bisherigen Verlauf der Saison und die Herausforderungen der Zukunft.
Teboza baut in der Region Limburg (NL) gegenwärtig auf einer Freilandfläche von ca. 165 ha Spargel an, hinzukommen 5 ha Anbau im Gewächshaus sowie ca. 8 ha Spargel, der von einer beheizten Fläche geerntet wird. In Spanien baut das Unternehmen unter Minitunneln Spargel auf einer Fläche von ca. 75 ha an. In diesem Jahr ist die Spargelsaison für Teboza in der 3. Kalenderwoche gestartet. Bis zum Saisonende dürfte das Unternehmen, das auch die Erntemenge benachbarter Kollegen mit ca. 190 ha Anbaufläche an den Kunden bringt, ca. 4 000 t Spargel vermarktet haben.
Spargel & Erdbeer Profi: Herr Teeuwen, wie würden Sie den bisherigen Saisonverlauf 2017 beschreiben?
Will Teeuwen: Herausfordernd! Wir sind in der 3. Kalenderwoche mit Bleichspargel aus dem Gewächshaus gestartet, schon ab Mitte Februar setzte die Bleichspargelernte in Spanien ein. Wir bauen dort in Jerez de la Frontera an, in einer der wärmsten Regionen Spaniens mit etwas kälteren Nächten im Vergleich zu den Mittelmeerregionen. Dort kultivieren wir Bleich- und Grünspargel. Anfang März begann für uns die Heizspargelernte vor Ort hier in Helden, Ende März konnten die ersten Stangen unter Minitunnel geerntet werden. Die Hitzeperiode im März und die anschließende, lange Kältephase im April haben trotz aller vorhandenen Anbautechniken einmal mehr deutlich gemacht, wie schwierig es ist, im Vorfeld eine für zwei Wochen verlässliche Ernteprognose abzugeben. Im März waren unsere Supermärkte noch gar nicht auf solch große Spargelmengen eingestellt und die Preise sanken vorübergehend auf ein sehr niedriges Niveau. Zum Glück – so meine heutige Betrachtung – folgte durch die Kältephase im April eine Entlastung des Marktes.
Auch wenn wir zu Beginn der zweiten Maihälfte mit unseren Erntemengen im Soll liegen, war es bislang eine recht kräftezehrende Saison für uns, sowohl in der Vermarktung als auch im Produktionsbetrieb. Die hohen Erntemengen im März erforderten einen außergewöhnlichen Erntekräfteeinsatz, den wir nur bewältigen konnten, in dem Arbeitskräfte aus der Pflanzenvermehrung für die Ernte eingesetzt wurden.
Spargel & Erdbeer Profi: Zeigt dies nicht einmal mehr auf, wie stark wir trotz fortentwickelter Prognosemodelle und Folientechniken weiterhin in hohem Maße von der Witterung - besonders wenn sie so extrem ist - wie in diesem Frühjahr, abhängig sind?
Will Teeuwen: Wir müssen unsere Systeme noch weiter perfektionieren, wenn wir in Zukunft weiterhin erfolgreich anbauen wollen. Ob man z.B. 52 % Klasse-I-Anteil erntet oder 62 % ist schon ein großer Unterschied. Wer den Anbau und die Erntekosten nicht im Griff hat, erzielt keine Rentabilität. In unserem Betrieb können wir die Erntekosten täglich vergleichen, das geht hin bis zum Feld und zur Sorte. Wir müssen hin zu Sorten, die früh zu beernten sind und die dicke Stangen liefern, gleiches gilt für den späten Anbau. Es wäre eine Illusion, davon auszugehen, dass die Arbeitskosten in Zukunft nicht weiter steigen. Gleichzeitig wird es schwieriger, gute Arbeitskräfte zu gewinnen, das stellen wir auch in den Herkunftsländern unserer Mitarbeiter – in Griechenland, Lettland und Rumänien – fest.
Spargel & Erdbeer Profi: Haben wir in der Spargelproduktion vielleicht schon den Zenit erreicht?
Will Teeuwen: So lange ein Bereich lukrativ erscheint, geht die Entwicklung aufwärts. Für den Spargel bedeutet dies, der Anbau wird ausgeweitet und intensiviert, bis ein Tief kommt. Dabei überleben die leistungsfähigeren Betriebe, während die schwächeren sich zurückziehen. Diese Entwicklung – wenn noch nicht geschehen – wird auch im Spargel passieren. Wir haben in den vorausgegangenen zwei Jahren etwas Glück gehabt, dass die Witterung während der Ernte eher mäßig war und das volle Potenzial im Anbau nicht ausgeschöpft werden konnte, sonst hätten wir vermutlich schon einen Zenit erreicht bzw. überschritten. Deutlich wird, wie wichtig es ist, neue Absatzpotenziale zu erschließen, um den Markt bei steigendem Angebot nicht zu überfordern und die Preise auf ein nicht mehr kostendeckendes Niveau absinken zu lassen.
Spargel & Erdbeer Profi: Könnte der Export möglicherweise eine Chance sein?
Will Teeuwen: Ich denke nicht. Wir Europäer haben mit unserer Produktions- und Kostenstruktur keine Aussicht, um mit Südamerikanern konkurrieren zu können. Daher müssen wir den Spargel, der in den nächsten Jahren vielleicht durch Intensivierung und Flächenausweitung mehr auf den Markt kommt, selber konsumieren. Europa ist groß genug dazu. Wir müssen die Menschen ansprechen und motivieren mehr Spargel zu essen, insbesondere junge Menschen. Die Kundenkommunikation von Teboza ist auf das junge Publikum ausgerichtet. Junge Menschen möchten sich gerne gesund ernähren und dabei Spaß haben, sie sind aber meist weniger zahlungskräftig als andere Käuferschichten. Also müssen wir ein Angebot entwickeln, das genau auf die Bedürfnisse dieser jungen Menschen fokussiert ist.
In den Niederlanden kauft ein durchschnittlicher Konsument zweimal pro Saison Spargel. Wir müssen uns der Frage stellen, wie es gelingen kann, den Konsumenten zum dreimaligen Kauf pro Saison zu bewegen, das würde eine Absatzsteigerung von mindestens 30 % bedeuten. Vielleicht sollten wir die Konsumenten auch einmal auf eine Art ansprechen, die sie zum Schmunzeln bringt, oder mit leicht zuzubereitenden Produkten – Stichwort Convenience. Wir müssen uns von dem Gedanken – „wenn ich etwas mache, profitiert der andere“ – langfristig verabschieden und versuchen, die Kunden und unterschiedlichen Kundenschichten dort abzuholen, wo sie zu Hause sind.
Im deutschen Einzelhandel ist Werbung für Spargel zu 99 % mit einem Preis besetzt. Nach meiner Auffassung ist dies zu kurz gegriffen. Wir müssen vielmehr Event und Lebensgefühl in die Werbung für unser Produkt mit einbringen. Gerade haben wir einen Videoclip drehen lassen, in dem zehn junge Leute in einem Kochstudio ihren Spaß bei der Zubereitung von Spargel haben. Symbolisch spiegelt dies das neue Weekend-Gefühl wider.
Spargel & Erdbeer Profi: Wechseln wir einmal den Themenbereich – wie sieht die Entwicklung in der Pflanzenvermehrung bei Teboza aus?
Will Teeuwen: Wir vermehren bei Teboza jährlich 10 Mio. Spargelpflanzen. Lag der Fokus noch vor zehn Jahren auf ca. sechs Sorten, so stehen gegenwärtig 20 Sorten in der Vermehrung. Eine Planung wird für uns immer schwieriger und zur Herausforderung, weil wir im Vorfeld der Anzuchtsaison schon Sortenspektrum und Mengen festlegen müssen. Verkaufsregion für Teboza ist ganz Europa. Anbauer in den Niederlanden und Deutschland haben in den letzten Jahren vorwiegend auf frühe Sorten gesetzt, vielleicht kommen auch noch einmal spätere Sorten wieder in Trend. Eine Effizienzsteigerung und Intensivierung im Anbau ist mit einer Verkürzung der Nutzungsdauer und engeren Pflanzdichten verbunden. Dies hat direkte Auswirkungen für die Vermehrer. Für die kommende Pflanzsaison gehe ich von einem relativ konstanten Pflanzenmarkt aus, eine Ausweitung der Vermehrungsflächen hat – soweit mir bekannt – nicht stattgefunden.
Spargel & Erdbeer Profi: Vor wenigen Jahren haben Sie Ihr Züchtungsprogramm an Nunhems Zaden veräußert, jetzt sind Sie wieder neu in die Züchtung eingestiegen. Was war Ihre Intention dabei?
Will Teeuwen: Für ein Unternehmen wie Teboza ist es wichtig, in der gesamten Spargelkette aktiv zu sein. Man muss von A bis Z wissen, was passiert und was am Ende erreicht werden soll. Dies ist unsere Philosophie und ein Teil unseres Erfolges. Wenn ich weiß, was ein Kunde möchte, kann ich schon im Hinterkopf überlegen, wie eine Umsetzung möglicherweise aussehen könnte. Da wir über die gesamte Kette im Spargel unterwegs sind, ist es für uns wichtig, immer den Überblick und die neuesten Informationen zu haben. Wir müssen vorne mit dabei sein, sonst kann jemand anders das Geschäft besser erledigen als wir.
Spargel & Erdbeer Profi: Worin liegen Ihre Ziele in der Züchtung?
Will Teeuwen: Ich denke, dass man mit der heutigen Technik nicht mehr zehn Jahre benötigt, um eine neue Sorte zu züchten. Geht man die Dinge richtig an, kann man in einem Jahr erledigen, wofür früher drei Jahre erforderlich waren, vorausgesetzt, man kennt im Vorfeld den Weg und das Ziel. So fließen in unsere Züchtungsaktivitäten die Veränderungen bei Anbausystemen und Kulturverfahren mit ein. Entscheidend für einen Erfolg ist später aber immer noch das richtige „Spargelfeeling“.
Thomas Kühlwetter