19.01.2021

Der Ökomarkt im Sog von Corona

2020 haben die Hofläden stark an Zuspruch gewonnen.
Foto. Valenta

In Deutschland werden mit Ökolebensmitteln augenblicklich knapp 12 Mrd. € umgesetzt, was einem Anteil von etwa 6,5 % am gesamten deutschen Lebensmittelmarkt ausmacht. Davon werden etwa 60 % des Öko-Umsatzes im konventionell geprägten Lebensmitteleinzelhandel (LEH) erzielt. Sowohl der Marktanteil, als auch die absoluten Umsätze mit Ökolebensmitteln steigen in den letzten Jahren kontinuierlich an. Aber auch der Naturkostfachhandel, also der Handelsbereich, in dem ausschließlich mit Bioprodukten gehandelt wird, profitiert vom Zuwachs bei der Nachfrage. Hier fällt die überragende Rolle von Nordrhein-Westfalen im bundesweiten Vergleich auf. Nach jeweils knapp zweistelligen Zuwächsen in den vergangenen beiden Jahren haben die Naturkosteinzelhändler aus Nordrhein-Westfalen allein im ersten Halbjahr 2020 mit 24 % ein besonders starkes Umsatzwachstum erzielt, mehr als in allen anderen Regionen in Deutschland. So wurden in den vergangenen dreieinhalb Jahren die Erlöse in NRW insgesamt um die Hälfte gesteigert.

Hofläden vorn

Bei den Ladentypen liegen bemerkenswerterweise die Hofläden vorn. Sie wuchsen mit 32 % nochmals deutlich stärker als die anderen Verkaufsstätten des Naturkostfachhandels. Diese Entwicklung ist eindeutig der Corona-Krise geschuldet und wird durch sie verstärkt und weiter vorangetrieben. Die Konsumentinnen und Konsumenten von Ökolebensmittel setzen in der Krise verstärkt auf den regionalen Bezug, eine vergleichsweise sichere Einkaufsumgebung und die hohe Qualität der angebotenen Erzeugnisse. Zusätzlich wird wieder vermehrt selbst gekocht. Offenbar können die Hofläden genau für diese Situation ein besonders passendes Angebot machen. Die Einstiegsmöglichkeiten für neue Erzeuger sind weiterhin grundsätzlich gut. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Produktionsbereiche in wichtigen Punkten voneinander.

Biogemüse boomt

Wie fast überall in Europa so hat sich auch in Deutschland die Anbaufläche für Bio-Gemüse erneut vergrößert. Auf Basis internationaler Statistiken kann derzeit mit einer Gesamtfläche von etwa 15 300 ha in Deutschland ausgegangen werden. NRW hält dabei im Konzert der Bundesländer nach wie vor seinen Spitzenplatz. Ohne die wichtigen Importe aber, vor allem bei Frucht- und Unterglasgemüse, könnte die Nachfrage nicht gedeckt werden. Die wichtigsten Importländer für NRW sind dabei Italien und Spanien, aber auch die Niederlande, Frankreich und Österreich. Eine ähnliche Marktentwicklung ist auch im Obstbereich festzustellen. Sowohl Beeren- als auch Kern- und Steinobst wurden verstärkt zu guten Preisen nachgefragt und bieten Chancen für Erzeuger. Der ohnehin stetig steigenden Nachfrage nach Bio-Gemüse und -Obst wurde 2020 nochmals zusätzlicher Schub verliehen. Dafür ist nach Erkenntnissen vom Marktanalysten aber nicht alleine der Corona-Effekt verantwortlich. Auch in 2020 wurde noch einmal besonders deutlich: Wenn Konsumentinnen und Konsumenten an Öko-Lebensmittel denken, kommen ihnen zuerst Obst und Gemüse in den Sinn.

Infos und Beratung für Umstellungsinteressierte

Die Landwirtschaftskammer und die Ökoverbände NRW bieten eine umfassende Beratung an. Mit einem kostenlosen Betriebs-Check im Rahmen der Biooffensive kann jeder Betrieb Hinwiese darauf erhalten, ob grundsätzlich eine Umstellung im jeweiligen Fall möglich ist. Nähere Informationen hat Georg Pohl, E-Mail: georg.pohl@lwk.nrw.de, oder unter Telefon: 0 221 53 40 272. Quelle: LWK NRW