Deutscher Gartenbautag: Innovative Lösungen für die Zukunft des Gartenbaus

Die vier Referenten der Vortragsreihe „Praxis.Politik.Perspektiven“ im Rahmen der öffentlichen Mitgliederversammlung des ZVG.(v.l. ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer, ZVG-Präsidentin Eva Kähler-Theuerkauf, Prof. Stephan Rüschen, Thomas Höfler, Lukas Schirmer, Jan Plewka-Mandelkow, die Deutsche Blumenfee 2025/26 Hannes Schrader)Foto: ZVG/ Rafalzyk
Wie kann der Gartenbau auf steigende Energiekosten, Wasserknappheit, den Fachkräftemangel und zunehmende Herausforderungen im Pflanzenschutz reagieren? Antworten auf diese Fragen standen im Mittelpunkt des Vortragsblocks „Praxis.Politik.Perspektiven“ im Rahmen der öffentlichen Mitgliederversammlung des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) am 10. September 2026. Vier Referenten zeigten anhand konkreter Praxisbeispiele und aktueller Entwicklungen auf, welche Lösungsansätze bereits heute zur Verfügung stehen und wo politische Rahmenbedingungen verbessert werden müssen.
Den Auftakt machte Thomas Höfler mit seinem Praxisbericht zur Nutzung von Power-to-Heat-Technologien im Unterglasgartenbau. Am Beispiel seines Gemüsebaubetriebs erläuterte er, wie überschüssiger oder günstiger Strom aus dem Markt in Wärme umgewandelt und über Wärmespeicher nutzbar gemacht werden kann. Er betonte, Ziel sei nicht der vollständige Ersatz bestehender Heizsysteme, sondern eine intelligentere und kostengünstigere Nutzung verschiedener Energiequellen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Strommarkt, Speichertechnik und betrieblicher Steuerung.
Mit den Herausforderungen im Pflanzenschutz befasste sich Jan Plewka-Mandelkow vom Verbundvorhaben Lückenindikationen. In seinem Beitrag zeigte er auf, wie aufwendig und langwierig die Schließung von Zulassungslücken bei Pflanzenschutzmitteln in Sonderkulturen ist. Zwischen dem ersten Auftreten des Problems und einer möglichen regulären Zulassung vergehen häufig viele Jahre. Gleichzeitig nehmen Notfallzulassungen zu, weil wirksame Alternativen fehlen und Genehmigungsverfahren nur langsam vorankommen.
Unter dem Titel „Weniger Wasser, mehr Zukunft“ widmete sich Lukas Schirmer von der Friedhofsgärtnerei Blumen Zwingel den Auswirkungen zunehmender Trockenperioden auf den Friedhofsgartenbau. Gleichzeitig stellte er zahlreiche praxisnahe Lösungsansätze vor, darunter moderne Substrate, Benetzungsmittel, automatisierte Bewässerungssysteme, angepasste Pflanzkonzepte und die Nutzung von Regenwasserzisternen. Schirmer betonte, dass Wassersparen im Gartenbau bereits gelebte Praxis sei und künftig stärker durch geeignete politische Rahmenbedingungen unterstützt werden müsse.
Welche Chancen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz für den gärtnerischen Einzelhandel bieten, erläuterte schließlich Prof. Dr. Stephan Rüschen. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels werde die Automatisierung vieler Prozesse zunehmend wichtiger. Self-Scanning-Lösungen, digitale Bestellsysteme, Smart Stores, personalisierte Kundenansprache und KI-gestützte Informationsangebote könnten dazu beitragen, Servicequalität und Effizienz gleichzeitig zu steigern.
Die Vorträge machten deutlich: Die Herausforderungen für den Gartenbau sind vielfältig. Gleichzeitig stehen innovative technische, betriebliche und digitale Lösungen bereit, um den Wandel aktiv zu gestalten. Damit diese Potenziale genutzt werden können, braucht es neben unternehmerischem Engagement aber auch verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Innovationen ermöglichen statt ausbremsen.
Quelle: ZVG
