29.08.2023
Erntebericht 2023: Extremwetter als Normalzustand

Auch die Anbausaison 2023 war vom Wetter mit seinen regionalen Besonderheiten geprägt. Vor allem der Süden und Osten Deutschlands erlebte im Frühsommer eine starke Trockenheit. Im Mai setzte auch nordöstlich der Elbe in der ersten Monatshälfte die Austrocknung der obersten 30 Zentimeter des Bodens ein – dadurch gerieten die Sommerungen wie Sommerweizen, Sommergerste und Hafer, aber auch die in diesem Jahr spät ausgesäten Zuckerrüben und Maispflanzen unter Trockenstress. Ab Mitte Juni war es dagegen im Norden und Westen in einigen Regionen sehr nass – mit Extremwetter wie Starkregen, Orkanen und Hagel. Wer dann im Nordwesten unterwegs war, erlebte, wie die Kornfeuchte zum Taktgeber der Ernte wurde. Denn der regnerische Juli und die nasse erste Augusthälfte zwangen die Mähdrescher zum Warten. Mitte August musste es dann schnell gehen, um das Korn möglichst trocken und in entsprechender Menge und Qualität einfahren zu können.
Das blieb nicht ohne Folgen für die Ernte. In einigen Regionen ließ der späte Niederschlag die Höfe inmitten der Erntesaison sprichwörtlich „im Regen stehen“ – das Korn keimte zum Teil am Halm, teilweise war eine Ernte gar nicht mehr möglich. Die Berichte weisen aus diesem Grund auf geringere Qualitäten bei einem Teil des Backweizens hin. Das führt auch für die Landwirtinnen und Landwirte zu Ertrags- und Einkommenseinbußen. Anderenorts gelang die Anpassung an die Wetterkapriolen besser. So ernten die Landwirtinnen und Landwirte derzeit ausreichend Getreide und Ölsaaten, um unsere Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Trotzdem
liegt die Ernte bei Getreide und Raps insgesamt voraussichtlich leicht unter dem Durchschnitt zum vorherigen Jahr. Und auch die regional deutlich schwankenden Ergebnisse wirken sich auf das Gesamtergebnis aus.
Klimaanpassungsstrategien werden immer wichtiger
Die Ernte zeigt nachdrücklich die Aufgabe, vor der wir stehen: Klimaschutz und Klimaanpassung weiter voranzutreiben, um die Ernten von morgen zu sichern. Ein stellenweise nasser und kühler Sommer kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erde heißer wird, Wetterextreme zunehmen und damit die Landbewirtschaftung erschwert wird. Landwirtschaft ist Mitverursacher der Klimakrise (knapp 8 Prozent der gesamten klimaschädlichen Emissionen in Deutschland gehen auf sie zurück). Ganz ohne Emissionen ist die Produktion von Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen nicht möglich. Ziel ist aber, den Ausstoß zu reduzieren, wo immer es möglich ist. Landwirtschaft ist damit auch bedeutender Teil der Lösung. Sie kann unter anderem durch ressourcen- und bodenschonende Wirtschaftsweise erheblich dazu beitragen, das Klima zu schützen. Auch die Wiedervernässung von Moorböden ist aktiver Klimaschutz, hier kann wichtiger Kohlenstoff gebunden werden.
Zugleich werden Klimaanpassungsstrategien immer wichtiger. Anpassungsmaßnahmen müssen aufgrund der sehr unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten sehr differenziert ausfallen. Wichtige Maßnahmen sind erweiterte Fruchtfolgen mit mehr Leguminosen, um das Ertragsrisiko zu diversifizieren, oder ein verbessertes Wassermanagement durch zum Beispiel Humusaufbau und Agroforstsysteme. Aber auch der ökologische Landbau als eine besonders ressourcenschonende und umweltverträgliche Wirtschaftsform ist für eine klimagerechte Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung.
Den kompletten Erntebericht 2023 des BMEL finden Sie hier.
Quelle: BMEL