Heimischer Obstbau braucht faire Wettbewerbsbedingungen

Erich Gussen, Silke Gorißen, Georg Boekels und Ferdi Völzgen sprachen auf der Abschlussveranstaltung der Landesgarten in Neu deutlich an, dass ein Selbstversorgungsgrad mit Obst von gerade einmal knapp 20 % bei weitem nicht ausreichtFoto: MBW
Die Landesgartenschau in nordrheinwestfälischen Neuss, war auch ein Forum des politischen Austauschs. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) würdigte zum Abschluss der Landesgartenschau in Neuss die Leistungen des heimischen Obstbaus. Zugleich zeigte sie Verständnis für die schwierige wirtschaftliche Lage der Betriebe und kündigte Initiativen für praxistauglichere Regeln und die Gewinnung ausländischer Arbeitskräfte an. Die Obstbranche fordert darüber hinaus spürbare Entlastungen und ein stärkeres Bekenntnis des Handels zu heimischer Ware.
Zum Abschluss der Landesgartenschau in Neuss rückte das Forum Landwirtschaft die Situation der rheinischen Obsterzeuger in den Mittelpunkt. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) dankte den Betrieben für ihren Einsatz und bescheinigte der heimischen Landwirtschaft, Verbraucher zuverlässig mit hochwertigen und vielfältigen Lebensmitteln zu versorgen. Sie würdigte die Präsentation der beteiligten Verbände während der rund 180 Tage dauernden Landesgartenschau.
Gorißen machte deutlich, dass sie die Probleme des Obstbaus sieht. Klimawandel, Fach- und Arbeitskräftemangel sowie hohe Produktions- und Arbeitskosten stellten die Betriebe vor erhebliche Herausforderungen. Besonders kritisch sei der geringe Selbstversorgungsgrad: Bei Obst liege er in Deutschland nur noch bei 18 Prozent. „Das kann uns nicht zufriedenstellen“, betonte die Ministerin.
Auch Georg Boekels, Präsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauern, und Landesvorsitzender Ferdi Völzgen schlugen Alarm. Nicht einmal 20 % des in Deutschland verkauften Obstes stammten noch aus heimischer Produktion. Die Betriebe könnten aufgrund ihrer höheren Kosten nicht zu denselben Preisen produzieren wie viele ausländische Wettbewerber. Regionalität dürfe deshalb im Lebensmitteleinzelhandel nicht nur als Werbeversprechen dienen, während der Einkauf weiterhin vor allem über den niedrigsten Preis gesteuert werde.
Von der Politik erwarten die Obstanbauer Rahmenbedingungen, die eine wirtschaftliche Produktion in Deutschland weiterhin ermöglichen. Zugleich appellierte die Branche an die Verbraucher, im Supermarkt gezielt nach heimischem Obst zu fragen. Ohne eine entsprechende Nachfrage und die Bereitschaft des Handels, regionale Ware zu angemessenen Preisen einzukaufen, drohe die deutsche Produktion weiter an Boden zu verlieren.
Als konkrete politische Handlungsfelder nannte Gorißen weniger Bürokratie, das Düngerecht und die Sicherung des Arbeitskräftebedarfs. Regeln müssten fair und praxistauglich sein und unterschiedliche regionale Gegebenheiten berücksichtigen. Zudem engagierten sich die Länder für weitere bilaterale Partnerschaften mit geeigneten Drittstaaten, um Arbeitskräfte für den besonders personalintensiven Garten- und Obstbau zu gewinnen.
Die Ministerin verwies außerdem auf ihre Gespräche mit dem Lebensmitteleinzelhandel. Positiv bewertete sie Initiativen, bei denen Einkäufer auf landwirtschaftlichen Betrieben praktische Einblicke in die Produktion erhalten. Dies könne das Verständnis dafür verbessern, welcher Aufwand mit der Erzeugung verbunden sei und welcher Anteil des Verkaufspreises bei den Betrieben ankommen müsse.
MBW
