18.03.2022

Kommentar: Der Ukraine-Krieg und die Folgen

Wie wird sich der Ukraine-Krieg auf den Arbeitsmarkt auswirken?
Foto: Valenta

Russlands Präsident Putin verändert mit dieser kriegerischen Handlung nicht nur die Verhältnisse  in der Ukraine, er bringt unvorstellbares Leid über viele Menschen und die weltweiten Machtverhältnisse ins Schwanken. Die Auswirkungen sind schon jetzt weitreichend spürbar. Städte und Dörfer in der Ukraine liegen unter Beschuss, Millionen Menschen sind auf der Flucht oder müssen ihre Zeit in Schutzkellern verbringen. Tote, Verletzte und Gefangene sind zu verzeichnen, Angst, Not und Trauer bestimmen das Leben einer ganzen Nation. Das Leid und die menschlichen Tragödien sind mit Worten nicht zu beschreiben. Die Solidarität der mit dem ukrainischen Volk und das geschlossene Handeln vieler Staaten ist ein großes Signal, ein Ende des schrecklichen Kräftemessens hat sie trotz aller inzwischen eingeleiteter Maßnahmen leider noch nicht herbeiführen können. Die wirtschaftlichen Folgen haben schon jetzt eine fast historische Dimension erreicht und zeigen, wie fragil das globale Konstrukt ist. Die Erschwernis internationaler Finanztransaktionen hat die Börsen erschüttert und den Warenverkehr sowie die Warenströme binnen kurzer Zeit verändert. In den Krisenregionen wird die Versorgungslage zunehmend kritischer, Lebensmittel und Energie werden knapp. Die Auswirkungen der Krise sind auch hierzulande unverkennbar, ein Blick auf die Zapfsäulen, die Entwicklung der Energiepreise oder der Rohstoffmärkte lässt erahnen, was noch passieren wird, wenn nicht in Kürze ein Friedensabkommen oder ein Ende des Konflikts erreicht werden kann.  Für den Export nach Russland vorgesehene Produkte werden sich einen neuen Bestimmungsort suchen müssen, ob dies Äpfel aus Polen. Erdbeeren aus Ägypten, Tomaten aus Spanien oder Marokko sind. Die Folgen kennen wir. Noch ist nicht die Hauptsaison für viele unserer heimischen Erzeugnisse, aber es bleibt sehr zweifelhaft, ob bis dahin ein Weg zurück zur alten Normalität möglich ist. Und wie wird die Lage auf dem Arbeitsmarkt aussehen? Die Bewältigung der Corona-Pandemie und die anstehende Erhöhung des Mindestlohns beschäftigen unsere Branche schon weit über alle Maße. Nun kommt der Konflikt in der Ukraine noch hinzu. Völlig unklar ist, welche Auswirkungen dies für den Bereich der Saisonarbeitskräfte haben wird. Wie ist die Bereitschaft der Menschen in Polen, Rumänien, Bulgarien u.a. in dieser Situation sein, ihre Heimat zu verlassen um eine Saisontätigkeit in Deutschland aufzunehmen? Werden Studenten aus der Ukraine in dieser Situation zur Saisonarbeit nach Deutschland kommen können? Geben die Staaten vielleicht ein Regelwerk vor, dass es bestimmten Gruppen (z.B. jungen Männer) gar nicht ermöglicht, auszureisen? Wie sieht es möglicherweise mit der Beschäftigung ukrainischer Flüchtlinge aus? Dies alles sind ungeklärte Fragen. Was bleibt, in einer Situation, in der die Worte manchmal fehlen – im Namen unserer Redaktion wünsche ich Ihnen, ihren Betrieben und Mitarbeitern Zuversicht und alles Gute für die bevorstehende Saison. Thomas Kühlwetter