Kommentar: Saisonstart stark vom Wetter beeinflusst

Thomas Kühlwetter: " Wie schon oft zuvor, ist die eigene Initiative gefragt, um die richtigen Lösungen zu finden."Foto: RLV
Extrem hohe Niederschläge, Temperaturrekorde, Hagel, Frost, Starkregen und Hochwasser – das Frühjahr und der Start in den Sommer 2024 haben wettermäßig viel zu bieten. Doch gebrauchen konnte man eigentlich nichts von alledem – vielmehr bedeuteten die Wetterkapriolen der letzten Wochen und Monate eine enorme physische und psychische Belastung für viele Betriebe und deren Mitarbeiter. Aber das Wetter kann man sich nicht aussuchen.
Was wie eine Plattitüde klingt, ist im Einzelfall vom Saisonstart an – vielfach auch schon vom Herbst an – eine besondere Herausforderung. Nasse Böden haben das rechtzeitige Ziehen der Spargeldämme in vielen Regionen unmöglich gemacht. Manche Flächen waren sogar so lange feucht, dass auch ein Aufdämmen im zeitigen Frühjahr nicht möglich war und die Flächen unbeerntet durchwachsen mussten. Sarkastisch betrachtet, ist dies natürlich auch eine Form der Marktentlastung, allerdings eine, die sich kein Betriebsleiter bei vitalen Beständen wünscht.
Die Wärme im März/Anfang April lies den Spargel dann früh sprießen und in einigen Regionen Deutschlands fiel der Startschuss zur Spargelernte so zeitig, wie noch niemals zuvor, und das mit z. T. durchaus beachtlichen Mengen. Dies ist zum einen sicher den Verbesserungen in der Züchtung zuzuschreiben, zum anderen aber auch den stetig fortentwickelten Anbauverfahren und nicht zuletzt der konsequenten Anwendung dieser Techniken durch die Anbauer.
Den Verkauf von Spargel hat der Wetterverlauf der vergangenen Wochen und Monate nicht unbedingt gefördert, trotzdem flossen die Mengen weitgehend ab. Zu verdanken ist dies natürlich in erster Linie den Kunden, die deutschen Spargel gekauft haben, wohl aber auch der Tatsache, dass die seit 2018 durchgeführten Flächenreduzierungen ebenso ihre Wirkung zeigen wie die zahlreichen Werbemaßnahmen des Lebensmitteleinzelhandels und der Betriebe. „Die Verbraucher haben weiterhin Lust auf Spargel“, schreibt die AMI und zu hoffen bleibt, dass diese Lust bis zum Schluss einer so wechselvollen wie auch herausfordernden Saison und darüber hinaus für die kommenden Jahre erhalten bleibt.
Ähnlich wechselhaft und herausfordernd verlief auch die bisherige Erdbeersaison. Während bis Pfingsten von einem weitgehend gelungenen Saisonstart gesprochen werden kann, dreht sich nach dem Pfingstfest das Blatt im LEH schlagartig. Bis zu diesem Zeitpunkt war es den Erdbeerbetrieben weitgehend gelungen, die Kostensteigerungen auf Erzeugerseite an den Handel weiterzureichen. Möglich wurde dies, weil die Erdbeeren aus dem geschützten Anbau, der in Deutschland stetig erweitert wurde und inzwischen ein Volumen von ca. 30 % der Gesamternte erreicht hat, auf eine geringere Konkurrenz aus Spanien stieß, dem wichtigsten Wettbewerber zum Saisonstart. Dort hat u. a. der Wassermangel zu einer Reduktion der Anbauflächen geführt. Kompensiert werden die spanischen Lieferungen z.T. durch eine Ausweitung der Kapazitäten in Griechenland.
Doch nach einem weitgehend zufriedenstellenden Start in die deutsche Erdbeersaison kam nach Pfingsten in vielen Regionen der Wetterwechsel mit z. T. hohen und dauerhaften Niederschlägen, bis hin zum „Jahrhunderthochwasser“ in Teilen Baden-Württembergs und Bayerns. Das führte auf den Freilandflächen bei Partien zu Fäulnisbefall und verminderter Haltbarkeit der Früchte, zeitgleich ging die Nachfrage im LEH auch wetterbedingt zurück. Innerhalb kürzester Zeit rutschten die Preise im LEH auf ein nicht mehr kostendeckendes Niveau ab.
Vor dem Hintergrund der Kostenexplosion in den zurückliegenden Jahren und drohender weiterer Kostensteigerungen – man denke z. B. an den Vorschlag von Kanzler Scholz zur Anhebung des Mindestlohns in zwei Stufen auf 15 €/h – ist dies eine ausgesprochen unbefriedigende Situation für die Anbauer, die in den Jahren ihrer Betriebsführung gelernt haben, nicht nur auf den Moment zu schauen, sondern einen längeren Zeitraum und auch die eigene Zukunft im Blick zu haben.
Daher ist, wie schon so oft zuvor, die eigene Initiative gefragt, um die richtigen Lösungen zu finden. Wie kreativ die Betriebe dabei sind, zeigt ein kleiner, sehr lückenhafter Auszug aus den Aktionen zum Tag des deutschen Spargels und der deutschen Erdbeere in dieser Ausgabe. Und sollten sich die Wetterkapriolen wiederholen und die Lohnkosten weiter steigen, dann werden der geschützte Anbau und vermutlich auch die Kultur auf Stellagen bei Erdbeeren trotz der enormen Investitionskosten voraussichtlich weiter ausgeweitet.
Im Namen unserer Redaktion wünsche ich Ihnen für das Ende der Spargelsaison und den weiteren Verlauf der Erdbeer- und Beerenobsternte den verdienten Erfolg.
Thomas Kühlwetter
(Artikel aus SEP 03/24)
