Kommentar: Start in spannende Saison

Thomas Kühlwetter: "Man spürt, wie Menschen sich auf den ersten Spargel oder die ersten Erdbeeren freuen."
Wer in der Welt der Spargel- und Beerenbranche lebt, weiß, dass das Tempo sich verändernder Situationen und Vorzeichen häufig schnelles Reagieren erfordert und keine Zeit zum Ausruhen lässt – erst recht nicht, wenn die Saison unmittelbar bevorsteht oder schon begonnen hat.
Erinnern Sie sich noch an den Saisonstart 2020? Am 11. März erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Covid-Pandemie, kurze Zeit später begannen in Deutschland spürbare Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die bis hin zu Kontaktverboten und Restaurantschließungen reichten. Es sollte drei Jahre dauern, bis am 7. April 2023 die letzten Schutzmaßnahmen gegen Corona ausliefen.
Und wie hat unsere Branche reagiert? Statt den Kopf sinken zu lassen, haben die Betriebe die Ärmel hochgekrempelt und nach Lösungen gesucht, um das scheinbar unlösbare doch noch zu ihren Gunsten zu drehen. Flugzeuge wurden geordert und Saisonmitarbeiter eingeflogen. In den Betrieben kurzfristig umfassende Schutzmaßnahmen und Impfungen durchgeführt. Wenn das Hofrestaurant geschlossen werden musste, gab es das Spargelgericht eben zum Mitnehmen.
Auf der Suche nach Lösungen schien der Kreativität in den Betrieben kaum Grenzen gesetzt, denn am Ende ging es oft nicht um weniger als den Erhalt der eigenen Existenz, um den Fortbestand des Betriebs sowie um die Arbeitsplätze derjenigen, die auf den Höfen ihren Lebensunterhalt verdienten. Am Ende haben die meisten Betriebe die zunächst so schwierig erscheinende Situation mit Bravour gelöst.
Sechs Jahre nach dem Ausbruch von Corona findet man die Welt – überschattet von Kriegen und Unruhen, von Handelskonflikten und den spürbaren Auswirkungen des Klimawandels – in einer extrem ungeordneten Situation. Internationale Handelswege sind blockiert, die Energiepreise und mit ihnen alles, was mit Energie in Verbindung steht, steigen von Tag zu Tag im Preis. Autokratisch agierende Regierungslenker versuchen mit vielen Mitteln, ihre und die Machtspektren ihrer Länder auszuweiten.
Die Sehnsucht vieler Menschen nach einer verlässlichen Orientierung ist unübersehbar. Und manchmal spendet auch ein „kleines Glück am Tag“ schon die so wichtige Lebensfreude. Man spürt, wie Menschen sich auf den ersten Spargel oder die ersten Erdbeeren im Frühjahr freuen. Für einige hat sich dieser Wunsch schon erfüllt, denn die warmen Tage Mitte März ließen den ersten verfrühten Spargel – geheizt oder auch ungeheizt – sprießen und die ersten Erdbeeren im Gewächshaus reifen. Eine Kältewelle im Anschluss bremste den frühen Erntestart vorübergehend etwas aus, doch Aufhalten wird sie ihn nicht können.
Vor dem Hintergrund weiter gestiegener Kosten hoffen viele Betriebe nun auf einen guten Ernteverlauf und da rauf, dass die Sehnsucht und Kauflaune ihrer Kunden nach knackig frischem Spargel und nach unwiderstehlich leckeren Erdbeeren ihre Erwartungen erfüllen kann. Für viele Kunden wird der Genussmoment ganz oben auf der Skala stehen. Andere wollen oder müssen stärker auf den Preis achten. Am Ende gilt es, möglichst allen Käuferschichten das Erlebnis von Spargel und Beeren zu ermöglichen.
Im Namen unserer Redaktion wünsche ich Ihnen eine erfolgreiche Saison 2026 ……. und vielleicht sehen wir uns ja beim Tunneltag am 23. April in Köln-Auweiler.
Thomas Kühlwetter
(Artikel aus SEP 02/26)
