10.11.2025

Kommentar: Zukunft bedeutet „Gestalten“

Thomas Kühlwetter: "Ein Besuch der anstehenden Messen ist ein wichtiger Schritt für die eigene betriebliche Zukunft."

Ein Blick ins Weltgeschehen offenbart gegenwärtig ein düsteres Bild an vielen Stellen dieser Erde und führt schnell zu einem Gefühl der Machtlosigkeit und Betroffenheit. Er zeigt aber auch, dass trotz aller berechtigten oder auch unberechtigten Kritik nicht alles in Deutschland so negativ ist, wie häufig dargestellt oder empfunden.

Die vor einigen Wochen recht kontrovers geführte Diskussion nach den Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum „Stadtbild“ zeigt – vielleicht sogar ein wenig symbolhaft – wie sensibel unsere Gesellschaft reagiert und wie vielfältig sie ist. Nur selten wird dabei leider geäußert, wie stolz und zufrieden wir sein dürfen, in einer Demokratie leben zu dürfen.

Doch auch dies bleibt nicht unwidersprochen, denn es gibt eine nicht unbedeutende Zahl von Menschen, die der Meinung sind, dass man in Deutschland nicht äußern kann, was man möchte und die daran zweifeln, dass Deutschland eine Demokratie ist.

Das ist schade und gleichzeitig sehr bedenklich, insbesondere dann, wenn man schaut, welche Autokraten oder sich als solche berufen fühlende, momentan das Weltgeschehen prägen und wie sie agieren.

Zurück zu den Themen, die unsere Branche bestimmen: Da ist sicher als einer der wichtigsten Faktoren der Mindestlohn zu nennen, der in der letzten Oktoberwoche vom Bundeskabinett gemäß der Empfehlung der Mindestlohnkommission vom Juni auf den Weg gebracht wurde. Damit ist amtlich, dass der Mindestlohn ab 1. Januar 2026 um 1,08 €/h auf 13,90 €/h und ab 1. Januar um weitere 0,70 €/h auf 14,60 €/h steigen wird. Im Vergleich zu den bisherigen 12,82 €/h bedeutet dies eine Steigerung um fast 13,9 %. Wenn Bauerpräsident Rukwied davor warnt, dass der Mindestlohn das Potenzial habe, den Anbau von Obst, Gemüse und Wein aus Deutschland zu verdrängen, spricht er sicher die Befürchtungen vieler Betriebe aus. Die zuvor vom Berufsstand geforderte Sonderregelung für die Landwirtschaft war bekanntlich abgelehnt worden.

In Kassel sind Ende Oktober die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in Landwirtschaft und Forsten mit einer Forderung der IG Bauen-Agrar -Umwelt von 15 % Lohnsteigerung für die unterste Lohngruppe gestartet, dies wären 18 €/h. Die Betriebe dürfen gespannt sein, zu welchem Ergebnis die Verhandler/innen des Gesamtverbandes der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände e. V. und der Gewerkschaft am Ende kommen.

Schon jetzt ist klar, dass unsere Produkte, Spargel und Beerenfrüchte, nach den schon in den zurückliegenden Jahren erfolgten Preissteigerungen, nochmals im Preis angepasst werden müssen, um die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu wahren. Die Frage ist, ob die bisherige Käuferschicht bereit und in der Lage ist, diese weiteren Preissteigerungen mitzutragen. Im internationalen Wettbewerb haben unsere Betriebe mit diesem Lohnniveau eh schon jede Chance auf Konkurrenzfähigkeit verloren.

Vor diesem Hintergrund lautet die Maxime in den Betrieben, noch intensiver als bislang zu versuchen, alle Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung und Optimierung von Abläufen zu nutzen.

Dazu gehört auch, Innovationen zu prüfen und auf sie zu setzen, wenn sie unter ganzheitlicher Betrachtung eine Verbesserung im Vergleich zur aktuellen betrieblichen Situation ermöglichen. Die anstehende Agritechnica in Hannover und die für unsere Branche bedeutendste Messe, die expoSE/expoDirekt in Karlsruhe, bieten in dieser Richtung eine Fülle an Angeboten. Ein Besuch dieser Messen ist damit auch ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die eigene betriebliche Zukunft.

Thomas Kühlwetter