11.04.2025

Kosten kalkulieren, damit sie nicht explodieren

Berater Ralf Große Dankbar richtete seine eindringliche Bitte an die Teilnehmer des Spargeltag: „Erfassen Sie ihre Kosten so gut wie möglich, damit Sie wissen, für wie viel Geld Sie Ihren Spargel verkaufen müssen, um die Existenz Ihres Betriebs zu sichern“
Foto: Hormes

In den Zeiten fortwährender Kostensteigerungen erhalten Spargelproduzenten Unterstützung durch das Kostenkalkulationsprogramm „WollSparKuh“, das Spargelberater Ralf Große Dankbar selbst entwickelte. Am 35. Spargeltag im Rahmen der Messen expoSE und expoDirekt nahm er die Teilnehmer für seine Tipps und für die Software ein.

In der Spargelbranche sprechen viele Beteiligte von einer Kostenexplosion bei Düngemittel-, Maschinen- und sonstigen Betriebskosten. Den größten Faktor stellen beim Spargel als arbeitsintensive Kultur die Lohnkosten dar. Sie stiegen seit Einführung des Mindestlohns in 2015 um etwa 70 %.

Ralf Große-Dankbar, seit vielen Jahren Spargelberater in Nordrhein-Westfalen mit einem Schwerpunkt in Betriebswirtschaft und Preiskalkulation, sieht seit einiger Zeit, dass die Zahl der Betriebe abnimmt. Generationswechsel, Spezialisierung auf eine andere Kultur, aber auch durch in die Höhe schnellende Kosten eine Unwirtschaftlichkeit der Spargelerzeugung macht er als Gründe für den Betriebsrückgang in kleineren bis großen Betrieben fest. „Fragt man das Auditorium, wer seine Produktionskosten kennt, so zeigen bestimmt 95 % der Anwesenden auf“, meinte Große Dankbar, dies obwohl vielleicht nur 60 % wirkliche Kostentransparenz haben. Die Kenntnis der Kosten für die Produktion von 1 kg Spargel ist die Voraussetzung dafür, einen Verkaufspreis festzulegen und wirtschaftlich zu arbeiten.

Nur wenige kennen Erzeugungskosten genau

Deshalb bezog er die Teilnehmer in eine interaktive anonyme Umfrage per QR-Code und Smartphone ein. Anonym gefragt, sagten 25 % der Teilnehmer, dass sie ihre Erzeugungskosten (+/-20 Cent/kg) kennen, während 42 % der Abstimmenden mit Nein antworteten und 31 % mit „nur ganz grob“ votierten. Große Dankbar folgerte: „Nur wenige kennen ihre Kosten genau. Und das ist auch gar nicht so einfach, weil das von den individuellen Gegebenheiten der Betriebe abhängt.“ Werden zusätzlich zum Spargel Erdbeeren, Kartoffeln oder Zwiebeln angebaut, ist es immer wichtig, zu wissen, wo die Arbeitskräfte gerade sind und in welchem Betriebsteil die Kosten anfallen. Teilweise ist es gar nicht möglich, Kosten auf eine Kultur herunterzubrechen. Man sollte es auf jeden Fall versuchen, nahe heranzukommen. Es sei wichtig, die Kosten zu kalkulieren, bevor sie explodieren.

Alle Kosten erfassen

Große Dankbar stellte zu diesem Zweck das von ihm selbst entwickelte Kostenkalkulationsprogramm Wolbecker Spargel-Kalkulation – „WollSpar­Kuh“ vor. Es kann als Entscheidungshilfe bei der Frage dienen, auf welcher Fläche sich der Spargelanbau noch lohnt.

Mit den Teilnehmern ging er anhand von Tabellen eine Beispielkalkulation durch, welche Kosten zu erfassen sind, im Wesentlichen die Posten Saat-/Pflanzgut, Düngung, Pflanzenschutz, Maschinen, Lohnarbeit, Material und Löhne. Die Daten zu Düngung und Pflanzenschutz müssen auf Grund der Dokumentationspflicht sowieso in jedem Betrieb vorliegen. Betriebsleiter haben zudem den Input der Anzahl der Ertragsjahre zu leisten. Das Programm errechnet dann die Produktionskosten/kg auf Grund der zuvor eingegebenen Daten.

Etwas schwieriger gestalte sich die Kalkulation bei den Maschinenkosten, die in den Betrieben eine große Diskrepanz (Technikeinsatz, Alter, Arbeitsgänge etc.) aufweisen. Dazu zählen die variablen Maschinenkosten/ha: Abschneidebänder, Sortiermaschinen, Schälmaschinen, Dammfräsen etc. werden speziell für den Spargel eingesetzt. Auch wenn Maschinen zusammen mit dem Nachbarn genutzt werden, muss der Kostenanteil für den eigenen Betrieb erfasst werden. Dies gilt auch für allgemeine Maschinen wie u. a. Schlepper, Düngerstreuer oder Pflanzenschutzspritzen. Alle Maschinen sind zu erfassen und die Kosten im Programm WollSparKuh zu hinterlegen.

„Es gibt keine Maschinen, die eh‘ da sind“, mahnte Große Dankbar schmunzelnd. Denn auch diese Maschinen kosten etwas. Man kann die „Eh‘-da-Maschinen-, -Hallen-, -Werkstätten- und -Opas“ nicht einfach weglassen, weil diese versteckten Kosten unbedingt mitgerechnet werden müssen, die dem Spargel zugeordnet werden müssen. Nur dann geht die Geschichte am Ende auf, die Produktionskosten eines kg Spargel werden ermittelt und man verkauft seinen Spargel am Ende nicht zu billig.

Die Lohnkosten werden durch den steigenden Mindestlohn oder den Wegfall der Sozialversicherungsfreiheit und andere Faktoren in den nächsten Jahren voraussichtlich zunehmen. Die Verkaufskosten den höheren Lohnkosten anzupassen, hält er für nicht einfach. Im Moment, so der Berater, sei eine Grenze erreicht, an der nicht jeder Konsument die Erzeuger weiter unterstütze. Der Kostenbereich Lohn, Ernte, Aufbereitung etc. werde sicher in den nächsten Jahren teurer. Auch die Kosten für Pacht, Berufsgenossenschaft, Vermarktungsgebühren, Material, Hagelversicherung steigen weiterhin.

Mitarbeiter und Mindestlohn als größte Herausforderungen

Bei der Auswertung machte Große Dankbar deutlich, wie sich die Höhe der Erträge auswirkt. Bei hohen Erträgen nehmen die Direktkosten und die Gesamtkosten für 1 kg Spargel ab. Hat ein Betrieb niedrigere Erträge oder beerntet er Anlagen gar nicht, steigen Direktkosten und Gesamtproduktionskosten. Unter den in der Kalkulation errechneten Kosten darf auf keinen Fall verkauft werden. Mit der Kalkulation werden Betriebsleiter aufmerksam gemacht, wann eine Anlage zu geringe Erträge liefert, nicht mehr wirtschaftlich ist und daher abgeräumt werden sollte. „Schleppe ich diese Anlagen mit, machen sie mir den Durchschnitt der übrigen Spargelfelder kaputt“, sagte Große Dankbar.

In einer weiteren Online-Umfrage ordnete der größte Teil der anwesenden Teilnehmer, nämlich 27 %, ihren Betrieb bei 6,00 bis 6,50 € Produktionskosten /kg Spargel ein. Das Spektrum der Produktionskosten reichte insgesamt von 3,50-4,00 € (4 %) bis 6,50-7,00 € (13 %) und wies damit eine große Diskrepanz auf. Das heißt, es gibt Betriebe, die aus welchen Gründen auch immer günstig produzieren können. Andere Betriebe haben einen deutlich höheren Kostenapparat und kommen einfach nicht unter 6,00 bis 6,50 €. In diesem Fall müsse man sehen, wie der Verkaufspreis diesen hohen Kosten angepasst werden könne.

Rund 40 % der Teilnehmer lagen zwischen 5 und 6 € Produktionskosten/kg Spargel. Nicht zu unterschätzen sind beim Direktabsatz die Vermarktungskosten, meinte hierzu der Spargelberater. Es komme sehr darauf an, ob man ab Hof verkaufe, zum Stand liefere, zum Wochenmarkt fahre, ob Ware zurückkomme und wiederaufbereitet werden müsse. Diese Kosten müssten hinterher durch entsprechende Verkaufspreise wieder hereingeholt werden.

Bei der Frage, ob sich Spargelanbau in der Zukunft überhaupt noch lohnt, sagten Dreiviertel der Befragten „ja“, ein Viertel war gegenteiliger Meinung. Zur Frage „Wo sehe ich meinen Betrieb in fünf Jahren?“ sagten 20 % Anbau wie bisher. 36 % sind der Meinung, dass sie die Fläche verkleinern werden, während 6 % an Flächenausweitung denken. 3 % glauben, sie vermarkten mehr an den Handel, 33 % entscheiden sich für mehr Direktvermarktung.

Ihre größte Herausforderung sehen 40 % darin, Mitarbeiter zu finden und zu binden. Für 33 % der Teilnehmer ist die Kostenexplosion die größte Aufgabe. Die Betriebsübergabe sehen 6 % als größte Challenge. 20 % finden am herausforderndsten, die bisherige Vermarktung zu festigen und auszubauen.

Bei einem potenziellen Mindestlohn von 15 €, einer evtl. ansteigenden Sozialversicherungspflicht sowie durch parallel ansteigende Kosten in anderen Bereichen kann es nach Große Dankbar durchaus schnell zu einer Kostenerhöhung von rund 20 % kommen. Dann müsse Spargel noch einmal deutlich teurer vermarktet werden, um wirtschaftlich klarzukommen.

Elke Hormes

(Artikel aus SEP 02/25)