09.02.2022
Neue Wege im Pflanzenschutz und der regenerativen Landwirtschaft

Beim virtuellen Branchentreff Sonderkulturen informierten Referent:innen über zukünftige Konzepte und Lösungen
Foto: Scheel
Der Branchentreff Sonderkulturen, den die AGRAVIS Pflanzenbau-Vertriebsberatung seit 2019 erfolgreich als jährlichen Fachaustausch von Anbauern, Lieferanten und Anbietern etabliert hat, ging jetzt erneut als virtuelles Format auf Sendung. Aus dem Branchentreff-Studio informierten zehn Referent:innen aus ganz Deutschland in zwei Themenblöcken über zukünftige Konzepte und Lösungen in der Pflanzenernährung. Insgesamt haben sich fast 500 Teilnehmende aus Deutschland und den angrenzenden Ländern angemeldet. Jeder Vortrag wurde von mehr als 250 Zuschauer:innen verfolgt.
Der Vormittag stand ganz im Zeichen neuer Wege im Pflanzenschutz und der passenden Technik. Sebastian Henrichmann von der AGRAVIS Technik Holding GmbH gab einen Überblick über die neuesten Entwicklungen im Bereich selektive Pflanzenschutzbehandlung und automatisierte mechanische Unkrautbekämpfung. Dabei zeigte er auf, was die neuen Maschinen alles leisten können. Hacken zwischen den Pflanzen in der Reihe und gezielte Unkrautbekämpfung – all das ist längst keine Zukunftsvision mehr. Im Anschluss berichteten führende Pflanzenschutzunternehmen über ihre Neuentwicklungen. Dabei zeigten Klaus Kühling (BASF SE), Marcel Krumbach (Syngenta Agro GmbH) und Pascal Greiner (Corteva agriscience) auf, dass es neben Pflanzenschutz immer mehr um ein Konzept zur Gesunderhaltung der Pflanzen geht. Pascal Greiner vertiefte zusätzlich noch das Thema Utrisha N.: ein Produkt, bei dem Bakterien genutzt werden, um Luftstickstoff für Pflanzen verfügbar zu machen. Aus Expertensicht ein wichtiger Beitrag, um den Stickstoffeinsatz zu reduzieren und nachhaltiger zu wirtschaften. Mit einem Vortrag von Christian Eidam (Menno Chemie-Vertriebs GmbH) über die Möglichkeiten der Reinigung von Folienhäusern wurde der Vormittag abgerundet. Ein bedeutendes Thema, da mehr Licht den Ertrag von Kulturpflanzen deutlich steigert. Darüber hinaus erläuterte er, wie wichtig ein gut durchdachtes Hygienekonzept für Produktionsbetriebe ist, um Krankheiten an den Kulturpflanzen vorzubeugen.
Der Nachmittag stand unter dem Titel „Regenerative Landwirtschaft und der Einsatz von Blattdüngern und Biostimulanzien“. Friederike Schierholz gab einen Einblick in ihren Betrieb „Schierholzer Wiesenei“, der größtenteils auf mechanische Bodenbearbeitung verzichtet. Sie zeigte auf, dass ohne Pflügen, aber mit Zwischenfruchtanbau und wandernden Rindern das Bodenleben und die Bodenstruktur verbessert werden kann und ein erosionsgefährdeter Standort auf diese Weise windfest wird. Henning Jaworski (Lebosol Dünger GmbH) ging auf die Wichtigkeit von Silizium als Nährstoff, der bisher nur in Fachkreisen bekannt war, ein. Und Martin Reimann (Alzchem Trostberg GmbH) machte deutlich, dass Kalkstickstoff ein effektiver Dünger ist: In einem Versuch im Kohl sorgte Kalkstickstoff trotz geringerer Aufwandmenge für ähnliche Erträge wie eine Standard-Stickstoffdüngung. Den Abschluss des Tages bildeten Jan Böcker (Biolchim Deutschland GmbH) und Manuela Kretschmar d‘Hereuse (Intrachem Bio Deutschland GmbH & Co. KG). Sie berichteten, dass es neben den klassischen NPK-Düngern auch noch andere Stoffe gibt, die das Wachstum der Pflanzen positiv beeinflussen. „Glycin Betain, Huminsäuren, Aminosäuren, Algenprodukte aus Ecklonia maxima, aber auch Mikroorganismen, die das Bodenleben stimulieren, können den Pflanzen einen Kick geben, der sich positiv auf das Wachstum und den Ertrag der Kulturen auswirkt“, so die Fachleute.
„In den nächsten Jahren muss es ein Umdenken in der Landwirtschaft geben. Viele Wirkstoffe im Bereich Pflanzenschutz fallen weg und werden durch vorbeugend einzusetzende Wirkstoffe ersetzt“, fasst Frank Uwihs, Sonderkulturen-Experte der AGRAVIS, die Vorträge zusammen. „Der alte Spruch aus der Humanmedizin ‚Vorbeugen ist besser als heilen‘ gewinnt auch im Bereich der Pflanze immer mehr an Bedeutung.“
AGRAVIS