11.05.2021
Pilotprojekt: Untersaaten im Weihnachtsbaumanbau

Manuel Haaf, Uwe Klug, Hans Koch und Notker Wolf (von links) beim Pressetermin in Mittelsinn.Foto: IGW/Melanie Klug
Uwe Klug in Mittelsinn (Spessart) freut sich über das, was sich um seine Christbäume herum breit macht. Die grüne Bodendecke ist kein Unkraut, das beseitigt werden muss, im Gegenteil. Der stellvertretende Vorsitzende der IGW (Interessengemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer) ist Vorreiter beim Einsatz speziell zusammengestellter gemischter Untersaaten. Vor einem Jahr hat die Christbaum Klug GbR die Untersaat probeweise auf 15 Hektar ausgebracht. Jetzt wird fast der gesamte Betrieb umgestellt, weitere 50 Hektar wurden eingesät. Das Ziel dieser neuen Bewirtschaftung ist der Verzicht auf Herbizide und Dünger. In diesem Jahr schließen sich weitere IGW-Mitglieder dieser Methode an, darunter der Vorsitzende Peter Geiß in Peiting (Oberbayern).
Im Weinbau und teils auch in der Landwirtschaft wird die Untersaat bereits angewandt, berichtete der Grünland-Experte der BayWa München, Hans Koch, am 5. Mai bei einem Pressetermin in Mittelsinn. Der 57-Jährige beschäftigt sich sein ganzes Berufsleben mit dem Thema und versucht, die Bewirtschaftungsmethode wissenschaftlich zu verbessern. Der gezielte Einsatz von sogenannten dienenden Pflanzen sei schließlich keine neue Erfindung, sondern in alten Zeiten, vor der Entwicklung künstlicher Mittel, in der Landwirtschaft gang und gäbe gewesen.
Heute zwingen die Folgen des Klimawandels zur (Wieder-)Einführung des Systems, stellt Hans Koch fest. Er will die Pionierarbeit leisten und zählt die Vorteile einer auf den jeweiligen Boden abgestimmten Untersaat auf: Gewinnung von Kohlendioxid (CO2) und Stickstoff aus der Luft und Speicherung dieser Stoffe im Boden, Förderung der Bodenlebewesen und Humusbildung, Verdrängung unerwünschter Pflanzen, Verbesserung der Wasseraufnahme im Boden und dadurch mehr Grundwasserbildung, Verdunstungsschutz, Regulierung der Bodentemperatur, Insektenweide, Lebensraum für Vögel, insbesondere die Bodenbrüter.
Geeignete Untersaaten sind Pflanzen, die ein dichtes Wurzelwerk bekommen, Symbiosen mit Pilzen und Bakterien bilden, Nährstoffe aus der Luft aufnehmen können und diese ihrerseits im Boden für andere Pflanzen verfügbar machen, dazu noch Fette und Eiweiße. „Diese Pflanzen geben mehr als nehmen. Sie stellen das Büffet her, das jeder brauchen kann“, sagt Hans Koch. Wenn es funktioniert, was erst in drei bis fünf Jahren zu beurteilen sei, werde der Christbaumanbau dauerhaft eine bessere ökologische Leistung erbringen als etwa Wiesen- und Weideflächen.
Quelle: IGW