14.08.2025

Schwarzarbeits-Zoff in der Landwirtschaft!

Foto: Scheel

Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung hart gegen illegale Praktiken durchgreifen. Der Zoll bekommt mehr Befugnisse und soll einige Branchen schärfer kontrollieren. Aber: Die Landwirtschaft fehlt auf der Liste – findet zumindest die IG BAU (Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt).

Das bringt die Gewerkschafter (vertreten u. a. land- und forstwirtschaftliche Angestellte, insgesamt knapp 200 000 Mitglieder in den Branchen Bau, Forst, Agrar, Gebäudereinigung) auf die Zinne. Bundesvorstand Christian Beck (40) zu BILD: „Schon lange fordern wir, dass endlich auch die Landwirtschaft als Risikobranche aufgenommen wird.“ Sein Vorwurf: Auf Feldern werde systematisch getrickst – auf Kosten der Erntehelfer.

Beck prangert an: Mindestlohn werde durch dubiose Akkord-Regeln unterlaufen, Unterkünfte zu Wucherpreisen vermietet, Arbeitszeiten manipuliert – „und für die Arbeitsgeräte müssen die Beschäftigten auch noch aufkommen“. Jahr für Jahr liste die gewerkschaftsnahe Initiative „Faire Landarbeit“ die Missstände auf – trotzdem bleibe die Branche beim neuen Gesetz außen vor, klagt Beck.

IG-Bau-Chef Robert Feiger (62) wird sogar noch deutlicher: Gerade bei der Arbeit auf den Feldern und in den Ställen seien „illegale Machenschaften an der Tagesordnung“, so Feiger.

Agrar-Arbeitgeber: Wir beuten nicht aus

Empörung aufseiten der Arbeitgeber! Hans-Benno Wichert (55), Präsident des Agrar-Arbeitgeberverbands GLFA (gehört zum Deutschen Bauernverband), sieht in den Gewerkschafts-Vorwürfen das Schlechtreden seiner ganzen Branche. „Schon seit Jahren wirft uns die IG BAU generalisierend vor, wir würden unsere Arbeitnehmer – insbesondere ausländische Saisonbeschäftigte – ausbeuten“, so Wichert.

Der Bericht der Initiative sei kein wissenschaftlich fundiertes Bild der Branche – die „wiederholten pauschalen Unterstellungen“ der IG BAU deshalb nicht hinnehmbar. „Damit diskreditiert die Gewerkschaft zigtausende redlich arbeitende Betriebe und ihre Beschäftigten.“

Die Gewerkschafter weisen das zurück! Beck: Der Diskreditierungs-Vorwurf gehe „vollkommen ins Leere“. Er sagt, das Gegenteil sei der Fall: „Von verstärkten Kontrollen in diesen Risikobranchen werden die ehrlichen Betriebe profitieren.“

Bauernverband spricht von „Stimmungsmache“

Auch der Bauernverband kontert scharf und spricht von „Stimmungsmache“. Generalsekretär Bernhard Krüsken (62) zu BILD: „Solche pauschalen Anschuldigungen entbehren jeder belastbaren Grundlage.“ Mit diesem „unbegründeten Generalverdacht“ verunglimpfe man eine gesamte Berufsgruppe.

Der Zoll (Finanzkontrolle Schwarzarbeit) hat im vergangenen Jahr bundesweit 274 Arbeitgeber in der Landwirtschaft und 4 749 Personen überprüft. Dabei wurden 219 Ordnungswidrigkeitenverfahren und 347 Strafverfahren eingeleitet. In der Landwirtschaft sind Verwarnungs-, Bußgelder und Einziehungs- sowie Verfallbeträge (Ausgleichszahlung für Straftat) in Höhe von 272 687 Euro zusammengekommen. Zum Vergleich: Aus allen Branchen waren es 2024 insgesamt rund 50,6 Mio. Euro.

Die Bundesregierung sieht aktuell keinen Handlungsbedarf. Auf BILD-Anfrage teilte eine Sprecherin von Agrarminister Alois Rainer (60, CSU) mit: „Die Erkenntnisse des Zolls zeigen: Die Landwirtschaft gehört nicht zu den Risikobranchen.“ Der Katalog im Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz werde jedoch regelmäßig angepasst.

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