12.04.2023
Umfrage unter Beschäftigten in der Landwirtschaft offenbart gesellschaftliches Problem

Schlecht bezahlt, nicht anerkannt, unzufrieden: Umfrage unter Beschäftigten in der Landwirtschaft offenbart gesellschaftliches Problem
Foto: Scheel
Von wegen Idylle: Was sich wie ein Kindheitstraum anhört, ist in Wahrheit schlecht bezahlte, harte Arbeit für wenig gesellschaftliche Anerkennung. Das ist das Ergebnis einer Marktforschung von agri EXPERTS im Auftrag der Medienmarke agrarheute aus dem Hause dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag.
24 % der befragten Vollzeitangestellten in der Landwirtschaft verdienen durchschnittlich 3 000 bis 4 000 € im Monat; 45 % verdienen sogar noch weniger. Damit liegen sie deutlich unter dem Durchschnittsgehalt für Vollzeitbeschäftigte in Deutschland, das laut statistischem Bundesamt im April 2022 bei rund 4 100 € pro Monat lag. Ähnlich deutlich ist der Unterschied bei Entlohnung nach Stunden: Hier liegt der Durchschnittsverdienst bei den Befragten in der Landwirtschaft zwischen 12 und 18 €, während er im Bundesdurchschnitt über alle Branchen hinweg 24,77 € beträgt. Viele der Befragten sind mit ihrem Gehalt unzufrieden. Laut der Umfrage im Auftrag von agrarheute stuften sich 34 % der Befragten als unterbezahlt ein. Nur 15 % der Befragten aus der Landwirtschaft verdienen mehr als 4.000 € im Monat.
Doch nicht nur Angestellte verdienen in der Landwirtschaft schlechter als anderswo. Auch Landwirte und ihre mitarbeitenden Familienangehörigen erwirtschaften ein deutlich niedrigeres Durchschnittseinkommen, als der Rest der Bevölkerung. Während ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Deutschland im Jahr knapp 50 000 € verdient, liegt der Verdienst je Arbeitskraft in der Landwirtschaft bei knapp 42 000 € (Durchschnitt der letzten drei Wirtschaftsjahre, laut Thünen-Institut).
Die Arbeitszeiten stufen 22 % der von
agri EXPERTS Befragten ebenfalls als zu hoch ein. Hier ist die Landwirtschaft ebenfalls gegenüber anderen Sektoren im Nachteil. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Jahresarbeitsstunden für alle in Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei tätigen Personen im Jahr 2020 bei 1 675, deutlich höher als der Bundesdurchschnitt für Erwerbstätige, der bei nur 1 324 Stunden lag.
Simon Michel-Berger, Chefredakteur von agrarheute, ordnet die Ergebnisse der Umfrage ein: „Angesichts harter Arbeit für schlechte Entlohnung ist der Hauptgrund, warum Menschen immer noch in der Landwirtschaft arbeiten, dass sie ihren Beruf lieben. Kein Wunder, dass ‚Mehr Wertschätzung für unsere Arbeit‘ der am häufigsten geäußerte Wunsch von den in der Landwirtschaft tätigen Befragten ist. Wenn eine Weiterentwicklung der Landwirtschaft gelingen soll, braucht es unbedingt Rahmenbedingungen, die ein deutlich besseres Einkommen in der grünen Branche ermöglichen.“
Die Umfrage hat agri Experts vom 16. bis 24. November 2022 auf agrarheute.com durchgeführt. 479 Personen haben teilgenommen, davon 87 % männlich und 13 % weiblich.
DLV Deutscher Landwirtschaftsverlag