04.06.2025

WDR Lokalzeit: Dreiste Diebe sorgen für Frust bei Bauern

Erdbeerfelder sind leider "leichte Beute" für Obstdiebe
Foto: Valenta

Obst- und Gemüsediebe werden immer dreister. Durch den Klau auf den Feldern entstehen den Landwirten in NRW immense Schäden. Viele ziehen Zäune um ihre Felder oder überwachen sie mit Kameras. Wieso Spargelbauer Dirk Janßen aus Geldern jetzt sogar einen Detektiv beauftragt hat.

Mit Security gegen Obst- und Gemüseklau

Aus dem Erdwall ragen jede Menge abgebrochener Grünspargel. Landwirt Dirk Janßen geht sein geplündertes Feld mit dem Chef des örtlichen Sicherheitsdienstes ab. "Ich bin einfach sauer und enttäuscht. Tatsächlich ist das ganze Feld, ein Hektar Grünspargel, abgebrochen worden. Das Schlimmste ist, dass sie vier Tage später wiedergekommen sind", erzählt er kopfschüttelnd. Insgesamt 400 Kilo Grünspargel haben die Diebe mitgehen lassen. Der Schaden: 5000 Euro.

Der Spargelklau in Geldern in dieser Größenordnung ist zwar eine Ausnahme, aber der Diebstahl von Obst und Gemüse ist inzwischen Alltag in NRW. Eine offizielle Statistik zu Diebstählen auf Feldern gibt es allerdings nicht. Der Eindruck ist aber, dass solche Fälle eher zunehmen. "Zu den Gründen können wir nur mutmaßen. Möglich sind gestiegene Preise landwirtschaftlicher Produkte und eine gesunkene Hemmschwelle in Teilen der Bevölkerung", sagt Benedikt Jäger vom Landesverband Gartenbau NRW. Offene Felder seien nur schwer zu schützen, Zäune oft zu teuer und Videoüberwachung aus Datenschutzgründen manchmal heikel.

Spargelbauer Janßen hat Detektiv Stephanus Krenn beauftragt, die Felder zu überwachen. In den vergangenen Nächten lag sogar ein Wachmann mit Nachtsichtgerät auf der Lauer. Auf Dauer ist das aber zu teuer. Der Security-Spezialist installiert deshalb zwei Bewegungsmelder im Feld. Die sind deutlich günstiger und sollen die Diebe abschrecken. "Jede Bewegung löst eine Kamera aus, die erzeugt ein zehnsekündiges Video und schickt das in unsere Leitzentrale", erklärt Krenn. Bei WDR Lokalzeit LandSchafft zeigen wir, wie die Technik genau funktioniert und ob sie weiterhilft.

Ist tatsächlich ein Spargeldieb am Werk, wäre die Security innerhalb von 15 Minuten da, so der Detektiv. "Mich beruhigt das. Denn den Stress kann ich gerade nicht gebrauchen", sagt Bauer Janßen. Er ist schon wieder unterwegs zu seinem nächsten Feld. Die Spargelernte läuft auf Hochtouren.

Die Spargelspinnen surren über die Spargelwälle und ziehen die weiße Folie hoch. Darunter schneidet ein Erntehelfer geschickt die weißen Stangen ab. 40 Menschen arbeiten in der Saison als Angestellte und Erntehelfer in dem Familienbetrieb. Selbst der weiße Spargel, der tief in der Erde sitzt, ist vor Dieben nicht sicher. "Tatsächlich glaube ich, das ist so ein Selbstverständnis für viele: Da steht ja genug. Ich glaube, dass den Leuten noch nicht mal bewusst ist, dass wir über Diebstahl reden", erfährt der Spargelbauer immer wieder, wenn er Feldräuber konfrontiert.

So dreist gehen manche Diebe vor

Eine Erfahrung, die auch Anja und Stefan Baumanns auf ihrem Hof in Kevelaer gemacht haben. Sie begutachten ihre Erdbeeren im Freilandfeld. Morgen kann hier die Ernte starten. Im Folientunnel ist ihre Ernte sicher, aber Sorge haben sie um die reifen Früchte auf dem frei zugänglichen Feld. Da haben Spaziergänger weniger Hemmungen, die Beeren zu klauen. "Mama und Papa helfen dabei - das haben wir auch schon gehabt. Die Eltern haben Wache gestanden, während die Kinder gepflückt haben", erzählt die Erdbeerbäuerin.

Direkt am Wohnhaus der Baumanns stehen mehrere Reihen mit Pflanzkästen auf Stellagen. Darin wachsen junge Erdbeerpflanzen heran. Aber selbst davor machen die Diebe nicht halt. "Die parken ihr Auto, reißen die Bewässerungsschläuche heraus und laden die Kästen einfach komplett ein", so Anja Baumanns. Inzwischen überwachen sie das Feld mit Videokameras.

Erdbeerbauer Stefan Baumanns schwingt sich auf sein Fahrrad. "Ich fahre tagsüber schon mal Patrouille - auch nachts um 12 oder 1 Uhr - und bitte Freunde, auch ein Auge draufzuhalten", erzählt er. Ohne Kontrolle ginge es nicht. Mehrere hundert, manchmal sogar tausend Euro Verlust durch den Feldfrüchteklau pro Jahr entstehen bei dem Betrieb. Versicherungen decken solche Schäden nicht ab.

Mangelnde Wertschätzung, fehlendes Unrechtsbewusstsein - das nervt den Landwirt. "Ich geh auch nicht in fremde Gärten und reiß die Blumen raus, weil ich die schön finde", so Stefan Baumanns. Seine Selbstpflücker-Felder hat der Erdbeerhof längst aufgegeben. Auch, weil die Amateur-Pflücker die Pflanzen beschädigen und mehr naschen als kaufen.

 

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Quelle. WDR