24.11.2025

Welt.de: Die übergroße Macht der Supermärkte

Foto: Scheel

Nach Einschätzung der Monopolkommission sind Edeka, Rewe, Aldi und Lidl mittlerweile zu mächtig. Aber auch in Bereichen der Nahrungsmittelindustrie sei die Konzentration zulasten von Landwirtschaft und Verbraucher zu groß. Kritik kommt aus der betroffenen Branche selbst.

Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel und in manchen Bereichen der Nahrungsmittelindustrie ist in Deutschland zu hoch, moniert die Monopolkommission. „Die Macht des Lebensmitteleinzelhandels und teilweise der Hersteller ist zulasten der Verbraucher deutlich gestiegen“, sagt Tomaso Duso, der Vorsitzende des unabhängigen Gremiums, das die Bundesregierung in Fragen der Wettbewerbspolitik und der Regulierung berät. Laut einem aktuellen Sondergutachten profitieren Händler und Hersteller unverhältnismäßig stark, Landwirte immer weniger. Und auch die Schere zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen gehe stetig weiter auseinander.

Als Gründe nennt die Kommission zum einen zahlreiche Zusammenschlüsse. Zum anderen betätige sich der Handel zunehmend auch als Hersteller und produziere Eigenmarken. Duso spricht deswegen sogar von einer „besorgniserregenden“ Situation in der Branche angesichts eines Marktanteils von rund 85 Prozent für die vier größten Händler Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi. „Der Wettbewerb auf diesen Ebenen ist geschwächt.“

Die Experten stützen ihre Untersuchung und Schlussfolgerung nach eigenen Angaben auf verschiedene empirische Analysen. Diese würden zeigen, dass die durchschnittlichen Gewinnmargen von Einzelhändlern und Herstellern seit über zehn Jahren ansteigen – parallel zu den Konzentrationsprozessen auf beiden Ebenen. Im gleichen Zeitraum seien die Verbraucherpreise hierzulande stärker gestiegen als in vielen anderen EU-Ländern. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) spricht von einem Plus in Höhe von 35 Prozent für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke seit 2020. VZBV-Vorständin Ramona Pop fordert daher die Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle nach Vorbild von Ländern wie Frankreich oder Spanien. „Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass sich die Preise entlang der Wertschöpfungskette – vom Bauern bis zum Supermarkt – fair bilden.“

Anlass für die Untersuchung waren die Bauernproteste im Jahr 2024 und dazu die hohen Lebensmittelpreise der letzten Jahre. Was nun aus den Ergebnissen wird, muss die neue Bundesregierung entscheiden. Übergeben hat die Monopolkommission ihre Analyse an das jeweils unionsgeführte Bundeswirtschafts- (BMWE) und Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH).

Empfohlen wird der Politik darin, eine weitere Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel zu stoppen und künftige Zusammenschlüsse verstärkt daraufhin prüfen zu lassen, wie sie sich auf die gesamte Lieferkette auswirken. Eine reine Betrachtung der Auswirkungen auf direkte Wettbewerber auf der Handelsebene reiche nicht mehr aus. Handlungsbedarf sieht das Gremium zudem auch bei den Produzenten von Essen und Getränken. „Der Konzentrationsprozess des Lebensmitteleinzelhandels darf sich nicht auf Herstellerebene fortsetzen“, sagt Kommissions-Chef Duso.

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Quelle: Welt.de